Wiener Parteien: Open Source ja gerne, aber …

8. Oktober 2010, 12:05
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Parteien setzen zumindest teilweise auf freie Software, haben jedoch Probleme mit offenen Standards

Nach dem ehrgeizigen Start des Wienux-Projekts im Jahr 2004, Desktops der Wiener Stadtverwaltung auf Linux umzustellen, und den Einsatz von freier Software wie Open Office zur forcieren, wurde es in den letzten Jahren still um die Bemühungen. Die Fellowship-Gruppe Wien der Free Software Foundation Europe (FSFE) hat nun 15 Parteien nach ihrem Einsatz von freier Software und offenen Standards gefragt, lediglich 8 haben geantwortet. So kam etwa von SPÖ, FPÖ und BZÖ keine Stellungnahme.

Strauchelnde OpenSource-Initiative

Nach der ersten Studie Open Source Systeme (STOSS) im Jahr 2004 wurde beschlossen einige der insgesamt 21.000 Arbeitsrechner der Wiener Stadtverwaltung auf Linux umzustellen. Bis 2008 wurde das laut FSFE lediglich auf 1.000 Rechnern umgesetzt. Im selben Jahr ruderte die Verwaltung zudem wieder zurück und installierte auf 720 Computern der städtischen Kindergärten wieder Windows. Als Grund wurden Kompatibilitätsprobleme mit einer eigens entwickelten Software für Sprachtests genannt. Zudem wurden 2008, 2009 und 2010 insgesamt rund 11 Millionen Euro für weitere Microsoft-Lizenzen genehmigt. Die zweite STOSS-Studie wurde 2008 fertiggestellt und 2009 als kurze Zusammenfassung veröffentlicht. Daraus geht hervor, dass zwar auf 14.000 Rechnern OpenOffice läuft, die Software jedoch nur zu 10 Prozent Verwendung finden würde.

ÖVP-Websites mit TYPO3 erstellt

Jene Parteien, die geantwortet haben betonen jedenfalls ihr Kommittent zu Open Source und offenen Standards (mit Ausnahme der Christlichen Partei, die nicht antworten wollte, da sie die FSFE nicht kenne.) Die FSFE hat Fragen und Antworten in vollem Umfang auf ihrer Website veröffentlicht. Bei der ÖVP werde der Browser Firefox "von der Mehrheit der Benutzer als Standardbrowser eingesetzt". Als Personal Information Manager komme ausschließlich Microsoft Outlook zum Einsatz. OpenOffice werde von ca. 20 Prozent der User verwendet. ODF-Dateien würden dementsprechend von 20 Prozent der Mitarbeiter geöffnet werden können, jedoch würden keine ausgehenden Dateien in offenen Formaten versendet. " Für Betrieb und Wartung der Websites würde man seit 2004 das Open Source CMS TYPO3 nutzen.

Freier WLAN-Zugang

"Die öffentliche Hand soll weder Open-Source-Software noch proprietäre Software per se bevorzugen," heißt es seitens der ÖVP. Für jede Anforderung soll die beste Lösung, unter Beachtung von Anschaffungs- und Wartungskosten verwendet werden. Die ÖVP wolle "unmittelbar nach der Wahl" eine "eingehende Untersuchung über die Möglichkeiten des Einsatzes der Opensources-Software in allen Arbeitsbereichen der Magistratsdienststellen von neutraler Stelle" durchführen lassen. Eventuell daraus abzuleitende Maßnehmen seien bis Jahresende umzusetzen. Zudem fordert die Volkspartei freien WLAN-Zugang "an zentralen Plätzen und Orten Wiens."

Grüne: Linux, aber keine ausgehenden ODF-Dokumente

Die Grünen, die die Millionen für Microsoft-Lizenzen bereits früher als "verschwendetes Geld" kritisierten, würden zum Surfen und E-Mail-Versand ausschließlich auf Firefox und Thunderbird setzen. Im Rathausclub würde auf fast allen Rechnern (etwa 50) die Linux-Distribution SLED 11 laufen. Open Office sei in Rathausclub flächendeckend, im Landesbüro auf den meisten PCs installiert. Allerdings würden ausgehende Dokumente ausschließlich in Microsofts .doc-Format verschickt. Man habe zwar versuchsweise auch ODF-Dateien eingesetzt, jedoch habe es hier "massive Probleme und Beschwerden der Mailempfängerinnen" gegeben. Für die Stadtverwaltung würden sich die Grünen weiterhin für die Verwendung von Open Office und Linux einsetzen.

KPÖ ohne Linux-Experten, Google Docs bei den JULIs

Auch bei den Kleinparteien wird teilweise auf freie Software gesetzt. So nutze das IT-Team der Jungen Liberalen Wien (JULI) Google Docs. Das Wahlkampfbüro der Plattform Direkte Demokratie, die gemeinsam mit der Männerpartei antritt, werde "vollständig mit Open Source betrieben". "Der PC läuft unter Ubuntu, als email-Programm kommt thunderbird zum Einsatz, die Wahlkampfmaterialien werden mit scribus erstellt und unsere web site läuft unter Drupal auf Apache." Bei der KPÖ sei die Parteizentrale zwar 2004 zu 100 Prozent auf Linux umgestiegen, da "der Linux Experte" jedoch mittlerweile nicht mehr aktiv sei, würde es nun auch zwei Windows-Notebooks und einen Apple-Rechner geben. Beim Liberalen Forum würde zu 50 Prozent Open Office, Firefox und andere freie Software laufen. "Wenn wir in den Gemeinderat einziehen, werden wir uns dort selbstverständlich für einen schnellen Ausbau der Freien Software in der Stadtverwaltung einsetzen." Die KPÖ gibt sich da weniger optimistisch und beantwortet die Frage mit der Begründung nicht, dass man vermutlich sowieso nicht Teil der Stadtverwaltung sein werde. (br/derStandard.at, 8. Oktober 2010)

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    Open Source und offene Standards werden bei den Wiener Parteien teilweise eingesetzt.

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