Eine neue Methode aus den USA verkürzt Zahregulierungen - Patienten müssen sich operieren lassen
Zahnfehlstellungen werden immer seltener. Wer es sich leisten kann, lässt bereits seinen Kindern im Teenager-Alter die Zähne regulieren. Auch wenn Kieferorthopäden betonen, Brackets auf den Zähnen seien heute auch im Erwachsenenalter kein Problem, so ist es unbestritten, dass es ohne Zahnspange besser ist als mit.
Damit sich Zähne im Kiefer bewegen, müssen Kräfte kontinuierlich auf sie einwirken. Mit der Zeit wandern dann die an Fasern im Kieferkamm befestigten Zähne in jene Richtung, die der Kieferorthopäde beabsichtigt hat. So weit, so etabliert. Der Wiener Zahnarzt und Spezialist für Parodontologie und Implantologie, Axel Mory, hat in den USA eine Technik kennengelernt, wie das Bewegen der Zähne und damit die kieferorthopädische Behandlung zeitlich drastisch verkürzt werden kann. Wilckodontics heißt die von zwei Brüdern in Pennsylvania entwickelte Methode, die Mory in Zusammenarbeit mit der Kieferorthopädin Heide Seyss nun auch in Wien durchführt. "Wir nutzen die Heilungskräfte des Kieferknochens", erklärt Mory die Methode, bei der eine Operation am Anfang der Behandlung steht. Zuerst wird das Zahnfleisch weggeklappt, "ein Routineeingriff", sagt Mory. Dann werden in den Kieferknochen feine Löcher gebohrt, Knochenersatzmaterial (sieht wie Salz aus, ist aber aus Rinderknochen und wird in der Implantologie häufig verwendet) aufgebracht und schließlich das Zahnfleisch wieder rückvernäht. Die Operation dauert zirka eineinhalb Stunden, Schwellungen gibt es kaum, und nach zwei Tagen ist man wieder fit fürs Büro.
Knochen erweichen
Postoperativ setzt der Kieferknochen nun aber seine Selbstheilungskräfte frei. "Eine Besonderheit ist, dass der Kieferknochen durch die Verletzung erst einmal weich wird", sagt Mory. Das passiere drei bis vier Wochen nach der Operation, und genau dann beginnt auch die eigentliche Zahnregulierung. Die Patienten haben bereits vor der Operation Brackets auf die Zähne bekommen, jetzt, da der Knochen weich ist, kann der Draht dazwischen gespannt werden. "Die Zähne fühlen sich durch die Knochenerweichung lose an und bewegen sich so schnell, dass der Patient alle zehn Tage zur Neueinstellung des Drahtes kommen muss", erklärt Seyss, denn der Druck darf nicht nachlassen, sonst würde der Knochen hart - in Urlaub fahren oder Termine versäumen sei deshalb bei dieser Methode, die vor allem für Erwachsene empfohlen wird, keine Option. Das Faszinierende sei, dass Zähne auf diese Weise nicht durch, sondern mit dem Knochen bewegt würden, "damit können auch Zahnfehlstellungen korrigiert werden, die bislang als sehr schwierig galten.
Haben die Zähne die gewünschte Position erreicht, und der Druck durch den Draht hört auf, wird der Knochen durch Remineralisierung wieder hart. Zahnlücken können so statt in zwei Jahren in sechs bis acht Monaten geschlossen werden, Zähne können über weite Distanzen im Kiefer bewegt werden, auch tief im Kiefer verlagerte Zähne können rascher in die Zahnreihe gebracht werden.
Die Kosten für diese Methode belaufen sich so wie herkömmliche Regulierungen auf 2000 bis 3000 Euro je Kiefer, die Operation kostet extra: pro Kiefer zirka 1500 bis 1700 Euro. 350 Patienten kamen mit Wilckodontics in den USA zu ihrem Hollywood-Lächeln, fünf Patienten sind bei Mory und Seyss in Österreich in Behandlung. (Karin Pollack, DER STANDARD Printausgabe, 11.10.2010)