Gefährliche Atempausen

  • Alkoholkonsum senkt den Muskeltonus und reduziert den Atemantrieb - Faktoren, die das Schlafapnoesyndrom begünstigen.
Foto: SCHNARCHERTV/www.pixelio.de
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    Alkoholkonsum senkt den Muskeltonus und reduziert den Atemantrieb - Faktoren, die das Schlafapnoesyndrom begünstigen.

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Schlafapnoe ist an vielen Krankheiten beteiligt - Nur ein geringer Teil der Betroffenen diagnostiziert

Graz - Ein sprichwörtlicher Eisberg, von dem eigentlich nur die Spitze bekannt ist: schlafassoziierte Atemstörungen. "Drei bis sieben Prozent der Männer und zwei bis fünf Prozent der Frauen leiden an einer behandlungsbedürftigen obstruktiven Apnoe. In manchen Personengruppen ist der Anteil aber wesentlich höher", sagte Angelika Kugi, Internistin am LKH Villach, am Freitag im Rahmen des Jahreskongresses der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) in Graz.

"Man definiert die behandlungsbedürftige obstruktive Apnoe, wenn es pro Stunde zu fünf oder mehr Atemaussetzern kommt und der Betroffene deshalb auch Symptome aufweist", erklärte die Expertin. Erhöhte Tagesmüdigkeit, kein erholsamer Schlaf, Einnicken am Tag, Durchschlafstörungen - das sind die Hauptsymptome, welche die Lebensqualität der Betroffenen deutlich einschränken. Fasst man die Definition weiter und schließt man jene Personen ein, die zwar am Tag keine belastenden Beschwerden empfinden, aber im Schlaf trotzdem Atemaussetzer haben, so sind bis zu 24 Prozent der Männer und neun Prozent der Frauen betroffen.

Es gibt mehrere Risikofaktoren: Adipositas ist einer, Männer sind mit ihren Androgenen offenbar eher benachteiligt, Frauen weisen bis zur Menopause mit ihren Östrogenen einen Schutzfaktor auf. Angelika Kugi: "Das ist auch der Grund, warum die Häufigkeit der obstruktiven Apnoe bei Frauen mit der Menopause ansteigt." Hinzu kommen individuelle genetische und anatomische Faktoren. Alkohol und Nikotin sowie Beruhigungs- und Schlafmittel können ebenfalls eine Apnoe fördern, auch Opiate aus der Schmerztherapie, die in den vergangenen Jahren immer häufiger in der Medizin eingesetzt wurden.

Screening bei Verdacht

Wichtig wäre, dass Menschen mit verdächtigen Symptomen auf jeden Fall den Arzt aufsuchen. Die Expertin: "Das sollte jeder tun, der keinen erholsamen Schlaf hat und an exzessiver Tagesmüdigkeit leidet. Der Lungenfacharzt kann dann mit einem Screeningverfahren per mobilem Monitoring-Geräts, bei dem über Nacht Parameter wie die Regelmäßigkeit des Atems, Aussetzer, Bauch- und Brustbewegung, Sauerstoffsättigung des Blutes und Herzfrequenz registriert werden, Personen identifizieren, bei denen der Verdacht auf eine solche Apnoe besteht."

Im Schlaflabor mit zusätzlicher Videoüberwachung und einer Ableitung des EEG (Gehirnströme) kann die Diagnose gestellt werden. Die Kärntner Expertin: "Goldstandard in der Behandlung ist die CPAP-Maske, bei der über die Nase dem Schlafenden ständig unter Überdruck Luft zugeführt wird. Das funktioniert wie eine 'Schienung' der Atemwege, die offen gehalten werden."

Auf jeden Fall sollte Schlafapnoe auch im Kontext mit anderen Erkrankungen und den möglichen Folgen einer unbehandelten Obstruktion gesehen werden. Kugi: "Unter bestimmten Patientengruppen ist der Anteil der Apnoe-Patienten noch viel höher. Das sind zum Beispiel Menschen mit Hypertonie, Vorhofflimmern, koronarer Herzkrankheit oder nach Schlaganfall."

So haben beispielsweise mehr als die Hälfte der Patienten mit Herzinsuffizienz auch eine Schlafapnoe. Auch 60 Prozent der Diabetiker sind in irgendeiner Form von einer Schlafatemstörung betroffen. Das führt zusätzlich zum Grundleiden zu einer Verschlechterung der Situation der Betroffenen, bei Diabetikern zum Beispiel zu einer schlechteren Blutzuckereinstellung. "Dabei muss man davon ausgehen", so Kugi, "dass 75 bis 80 Prozent der obstruktiven Schlafapnoen derzeit nicht diagnostiziert sind." (red)

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