Drei Tage vor der Wahl veranstaltet die Volkspartei ihren Mitglieder-Wahlkampfabschluss - Marek: "Rot-Grün ist eine gefährliche Drohung für die Stadt"
Drei Tage vor der Wien-Wahl begeht die Wiener Volkspartei ihren Wahlkampfabschluss. In die Hofstallungen im Wiener Museumsquartier lud die Partei ihre Mitglieder zu einem mehr oder weniger Motivationsabend ein. Wenige Meter weiter beendeten gerade die Grünen ihren Wahlkampf.
Bier, Würstel und "Upkühler"
Auf dem Asphalt zum Veranstaltungsort, weist in gelber Farbe das Wort "UP" mit einem Pfeil nach oben den Weg. Als Motto des Abend wählte die Volkspartei "Urban Countdown". Überhaupt ist alles sehr hip. Scheinwerfer schweifen durch den Saal, aus den Boxen dröhnt House-Musik, an den Wänden sind Visuals projeziert. Abwechselnd ist "UP" und ÖVP zu lesen. Es ist ein Party, man ist unter sich, wer auf der Gästeliste steht darf rein. Bunt gemischt ist das Publikum, vom Jungen ÖVP'ler bis altgedienten Nationalratsabgeordneten. Bier, Würstel und "Upkühler" - ein Softdrink in der Dose - werden an den Bars verteilt.
Mit betonter Coolness startet man in die Nacht, die "Urban Passion Community" - so die Selbstbezeichnung - soll hier noch einmal für die Aktionen der nächsten Tage motiviert werden. Strandsessel und Loungesofas sollen zum Verweilen einladen. Flyer liegen mit Terminen auf, bei denen noch Unterstützer für Telefon- und Verteilaktionen benötigt werden. In den nächsten Tagen will man noch 100.000 Bürgerkontakte schaffen, sagte Marek vor Journalisten am Vormittag.
"Wir machen aber weiter bis zum Schluss"
Der Saal ist gut gefüllt als die Spitzenkandidatin Christine Marek und Vizekanzler Josef Pröll von Kameras begleitet, einmarschieren. Harte Beats und Helfer in ÖVP-Westen begleiten sie zur Bühne. "Heute geht es nicht um den Abschluss, wir machen weiter bis zum Schluss", sagt Christine Marek. Es sei ein "unglaublicher Wahlkampf" gewesen und "wir waren die einzigen, die Themen vorgegeben haben" ruft sie ihren Anhängern mit heiserer Stimme zu.
Welche Themen das waren, wird hier nicht wiederholt . Man kennt sie, man teilt sie. Wichtig ist heute die Motivation der ÖVP-Parteimitglieder und -Wahlkämpfer. Zwei Chancen sieht Marek für den kommenden Sonntag. Zum einen, dass die Absolute der SPÖ fällt, zum anderen, dass die ÖVP wieder Teil der Stadtregierung wird. Scharf greift Marek die zweite mögliche Koalitionsoption an: "Rot-Grün ist eine gefährliche Drohung für die Stadt. Sicher ned'!", so Marek in die jubelnde Menge.
"Sie spüren unseren warmen Hauch im Nacken"
Auch Vizekanzler Josef Pröll zeigt sich zuversichtlich: "Sie spüren unseren warmen Hauch im Nacken, sie spüren, dass die Absolute fällt", sagt Pröll in Richtung Sozialdemokraten. Bei der Wiener Wahl müsse die ÖVP aber auch zeigen, dass linke Bündnisse im Land keine Chancen haben, sagt Pröll. "Rennen wir bis die Sohlen glühen", motiviert Pröll die Anhänger.
Kritik äußert Pröll abermals an Häupls Wehrpflichtvorstoß. "Der Bürgermeister ist nervös und beginnt mit Hilfe der Kronen Zeitung jahrzehntealte Grundsätze über Bord zu werfen", sagt Pröll. Das nimmt Marek am Schluss in ihrer kurzen Rede auf: "Die Sozis sind zurecht nervös, jetzt feiern wir und dann holen wir uns diese Stadt!". Unter Konfetti-Regen und Beats ziehen die ÖVP-Politiker durch den Saal. Die Basis wendet sich wieder Bier, Würsteln und "Upkühler" zu. Die Party geht weiter.
(Sebastian Pumberger, derStandard.at, 7.10.2010)