Strache inszeniert sich vor blau erleuchtetem Stephansdom - "Nazis raus"-Sprechchöre begleiten Wahlkampfveranstaltung
Schon am Graben kann man Harald Vilimsky hören. Direkt vorm blau erleuchteten Stephansdom ist eine Bühne aufgebaut. Bis Parteichef Heinz-Christian Strache kommt, dauert es noch. Gut zwei Stunden heizen FP-Generalsekretär Harald Vilimsky und der Listenzweite Johann Gudenus die Masse auf - laut Polizei sind 1500 freiheitliche Anhänger zu der Abschlussveranstaltung gekommen. Auch die bereits von anderen FP-Parteiveranstaltungen bekannte John-Otti-Band ist wieder dabei.
Österreich-Fahnen und Carmina Burana
Das Publikum ist stark durchgemischt: Alte und junge Menschen schwenken Österreich-Fahnen, die von den Wahlkampfhelfern ausgeteilt werden. Jungfamilien mit Kinderwägen finden sich genauso unter den Anhängern wie größere Gruppen an Burschen und Pensionisten. Sie alle warten auf Strache.
Sobald es dunkel ist, kommt der Parteichef. Sein Auftritt ist wieder wie ein Boxkampf inszeniert, John Otti ist bemüht, die Spannung aufrechtzuerhalten. Als Strache einläuft, wird er von den Klängen von Carmina Burana begleitet und von einem Fahnenmeer willkommen geheißen. Vereinzelt reißen offenbar stark alkoholisierte Anhänger ihren rechten
Arm in die Höhe.
Lieblingsziel Häupl und die Wiener SPÖ
Schon zu Beginn wird klar, dass der Wahlkampf den freiheitlichen Parteichef ordentlich mitgenommen hat, seine Stimme ist schwer angeschlagen. Das hindert ihn aber nicht daran eineinhalb Stunden vor seinen Anhängern zu reden. Bei der Themen- und Metaphernwahl bleibt er sich treu: Hauptziel sind Michael Häupl und die Wiener SPÖ, doch auch die anderen Parteien werden von ihm angeprangert. So richtig in Fahrt kommt Strache aber an diesem Tag nicht.
In seiner Rede streift Strache alle wahlkampfrelevanten Themen - von Integration, Sicherheit, Bildung oder Fremdenrecht. Jedes Mal, wenn er absetzt und zu einem neuen Thema ansetzt, ertönt leichter Trommelwirbel und die Bühnenbeleuchtung geht an: Das Zeichen für die Zuschauer zu applaudieren. Am meisten Zustimmung erhält er bei den Themen Arbeitsmarktöffnung und nichtdeutschsprachigen Kindern in Wiener Schulen.
Konfetti und Bundeshymne
Immer wieder wallen "Nazis raus"-Sprechchöre auf: 300 Gegendemonstranten sollen sich hinter den Absperrungen der FPÖ-Veranstaltung eingefunden haben. Einige haben sich von Anfang an unter die Menschenmenge gemischt, sie werden nach einem kleinem Handgemenge von der Parteisecurity und Polizei aus dem Veranstaltungsbereich entfernt.
Am Ende erinnert Strache an sein Credo vom Wahlkampf 2005, "Pummerin statt Muezzin". Noch einmal nennt er sein Wahlziel, die Rote Allmacht zu brechen und hält auf der Bühne inne: Mit blauem Konfettiregen lauscht er den Tönen der österreichischen Bundeshymne, das Publikum findet noch einmal Einsatz für die rot-weiß-roten Fahnen. Mitgesungen wird aber nicht. (Marie-Theres Egyed, derStandard.at, 7.10.2010)