Nachlese 2010

Giftschlamm erreicht Donau

7. Oktober 2010, 19:02
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    foto: apa/tamas kovacs

    Auch wenn Stunde um Stunde aufgeräumt wird: Ein Großteil der Bürger in den vom Rotschlamm überschwemmten Orten Westungarns will abgesiedelt werden.

Die Versuche, den toxischen Rotschlamm zu binden, könnten neue Gefahren bergen, warnen Umweltschützer - Zweites Becken des Aluminiumwerkes ebenfalls instabil

Budapest - Männer schieben leeren Blickes mit Schaufeln in monotonen Bewegungen Schlamm zusammen. Viele Menschen in Kolontár und den umliegenden Orten sehen müde aus. Am Eingangstor des Gemeindeamts in Devecser hängt ein Zettel mit den Telefonnummern der Seelsorge und der Einsatzkräfte. Auf der Türe klebt auch ein mit Filzstift beschriebenes Hinweisblatt für provisorische Schlafunterkünfte.

In der Pfarre, einem Ausbildungszentrum und Räumlichkeiten einer Familienberatung können Obdachlose, vorübergehend wohnen. Und dann? "Wir wissen nicht, wo wir hin sollen", sagt ein junger Mann. Er und seine Familie haben vorerst Unterschlupf bei Freunden gefunden. Deren Haus wurde ein wenig hügelaufwärts erbaut und blieb verschont vom Giftschlamm.

Doch ein paar Schritte hügelabwärts ist alles zerstört - und wird womöglich nie wieder aufgebaut. Donnerstagmorgen kam Ungarns Ministerpräsident Victor Orban nach Kolontár. Er glaubt, dass hinter dem Unglück menschliches Versagen stehe. Orban hat den Eindruck, dass jede Bemühung zum Wiederaufbau umsonst sein werde: "Wahrscheinlich muss ein neuer Ort für die Bewohner gefunden werden, denn hier zu leben ist unmöglich."

Einwohner wollen nur weg

Einen Eindruck, den auch Andreas Beckmann von der Umweltschutzorganisation WWF hat. "Von Normalisierung kann keine Rede sein. Die Einwohner von Kolontár wollen nur noch weg." Das Ökosystem des Flusses Marcal sei komplett zerstört, überall seien tote Tiere zu sehen, erklärte Beckmann der Austria Presse Agentur. Es seien Tonnen an Dünger in das Gewässer gekippt worden, um die ätzende Lauge zu binden. "Man weiß bis jetzt nicht, wie das alles miteinander reagiert. Es sei möglich, dass die Schwermetalle wieder freigesetzt werden."

Genaues weiß man allerdings offenbar noch immer nicht - erst am Freitagvormittag will die Umweltschutzorganisation Greenpeace die Resultate ihrer Schlammanalysen vorstellen. Erst dann lässt sich abschätzen, wie gravierend die Folgen für die Natur wirklich sind.

Fest steht, dass die Brühe schon Donnerstagmorgen den Fluss Raab erreicht hat. Ob auch die Donau gefährdet ist, darüber gehen die Ansichten auseinander. Berichte von Behörden und Umweltschutzorganisationen ließen durchblicken, dass der ph-Wert an der Mündung der Raab in die Donau leicht gestiegen sei. Rumänien hat bereits damit begonnen, die Wasserqualität des Stromes mit Messungen im 3-Stunden-Rhythmus zu überwachen. Auffälligkeiten wurden vorerst aber nicht gemeldet.

Die Lage könnte aber noch schlimmer werden, fürchtet WWF-Mitarbeiter Beckmann - eine weitere Schlammdeponie könnte leck werden. "Reservoir 9, das neben dem geborstenen Reservoir 10 liegt und ähnlich giftige Stoffe enthält, ist ebenfalls geschwächt. Die Behörden versuchen nun, auch den Inhalt dieses Beckens zu neutralisieren und kontrolliert zu entleeren", sagte Beckmann.

110.000 Euro Entschädigung

In der Zwischenzeit wächst die Kritik an den Betreibern des Aluminiumwerks. Greenpeace etwa fordert die volle Übernahme der Aufräumkosten und Schadenersatzzahlungen an die betroffene Bevölkerung. "Die Ankündigung der Firma MAL, den Menschen eine Entschädigung von lediglich 110.000 Euro zu zahlen, ist nicht nur inakzeptabel, sondern angesichts der Todesfälle, der Verletzten und der Schäden vor Ort hochgradig zynisch", hieß es in einer Aussendung.

Die beiden Hauptaktionäre zählen nach Angaben der Umweltschutzorganisation "zu den dreißig reichsten Ungarn und besitzen gemeinsam ein Vermögen von 39,5 Milliarden Forint, umgerechnet ergibt das 145 Millionen Euro", sagte Greenpeace-Chemiker Herwig Schuster.

Österreichs Umweltminister Niki Berlakovich (ÖVP) betonte am Donnerstag, für Österreich bestehe keine Gefahr. Auch das Risiko, dass getrockneter Schlamm ins Land geweht wird, scheint gering. An den grenznahen Messstellen würden nun aber täglich und nicht wie sonst wöchentlich Luftgütedaten ermittelt. (spri, red/DER STANDARD, Printausgabe, 8. Oktober 2010)

 

Kommentar posten
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Anna Grabner2
00
8.10.2010, 16:55
Spendekonten

Hallo,

Die Presse egal ob Kurier,Krone,usw..hat leider nicht die Spendekonten publiziert.Es geht bei die Zeitungen leider nur um Sensation,und gleichzeitig vergessen sie dass die Betroffene DRINGEND Spenden brauchen. Ich poste diese hier, BITTE leitet es weiter zu alle die Ihr Kennt, weil NIRGENDWO (Egal ob Britishe,ITalienische,Scweizer Zeitungen)waren bis zum Heute die Spendekonten publiziert.

1. Hungarian Red Cross - IBAN: HU37 1040 5004 0002 6547 0000 0000 SWIFT: OKHBHUHB

If you wish to make a transfer, please put the comment "ISZAP"

2. Charity Service of the Calvinist Church - IBAN: HU67 1070 2019 8500 8898 5110 0005 SWIFT : CIBHHUHB

If you wish to make a transfer, please put the comment
"ISZAPKAROSULTAK"

meinrad
00
8.10.2010, 11:47
110.000 euro entschädigung

für jeden betroffenen, darüber ließe sich reden

Tadej Brezina
00
8.10.2010, 11:05

Schon vor Jahren (ging noch in die Unterstufe) haben wir in der Familie begonnen, den Alufolienkonsum dramatisch zu reduzieren. Die überwiegende Mehrheit der Kinder hatte jeden Tag die Jause in einer (neuen!) Alufolie. Und weg damit!
Den ausgelagerten Dreck der Rohstoffproduktion für unseren Lebenswandel erben im Regelfall die "Ärmeren".

Wasmichstört
00
8.10.2010, 11:09
Die Frage ist...

...wer verdammt noch mal erbt den riesen Profit?

*-_-*
00
8.10.2010, 10:51
Wasmichstört
02
8.10.2010, 10:33
Uns kann des nix angehen...

...wir greifen zum Staniolschoko, zur Aludosn und zur Kaffeekapsel... is doch uns wuascht! - Typisch Ostler... immer Dreck machen! - (Sicherheitshalber sei für unsere lustigen, denkimmunen Poster angemerkt: das war Zynismus!)

Irma la Douce
00
8.10.2010, 10:53
Billigschoko? Ist in PP-Folie verpackt.

Sternchen100
01
8.10.2010, 10:30
Gewinn und Chemiemüll produzieren, aber dann nicht mehr Gift entsorgen können - tolle Chemiker!

Eins ist klar, die Eigentumer sollen Schadenersatz zahlen bis zum letzten privaten Cent! Angeblich stehen überall in Ungarn, sogar direkt neben der Donau, hochgiftige Chemikalienbecken, z.T. direkt frei und total verrostet und desolat. So was wie Entsorgungsvorschriften oder Umweltschutzauflagen scheint es dort nicht zu geben, nicht mal Kontrollen. Von kommunistischen Altlasten kann man nicht mehr sprechen, diese Zeit ist mind. 20 Jahre vorbei und die Unternehmen gehören inzwischen längst privaten Besitzern. Leidtragende sind nicht nur die Menschen (die haben ja zugesehen und weggeschaut!) sondern vor allem die Natur und die Tiere.

In den Anfangsberichten hieß es, der Schlamm sei auch radioaktiv, nicht nur ätzende Säure.

*-_-*
00
8.10.2010, 10:55

eher "Manager" - es geht immer um die schöne Marie... und entsorgen kostet viel

Zenon
41
8.10.2010, 10:26
Neusprech

"Giftschlamm" schlage ich als Unwort des Jahres vor.

Darüber hinaus bemerke ich, dass der Standard sich auf der Suche nach Synonymen zur Vermeidung von Wortwiederholungen -- dass Wortwiederholungen zu vermeiden sind, ist aus der Unterstufe in Erinnerung geblieben -- gern der Umgangssprache bedient; so hier mit "Brühe" für Rotschlamm.

In Extrapolation nehmen ich an, ich würde im Rondo, wenn ich es las, in wenigen Jahren den Begriff "schöne Frau" durch "geile Drecksau" substituiert finden.

Vielleicht gibt es dann für Alte wie mich ein passendes Filter-Plugin für Firefox.

Böotier
00
8.10.2010, 10:11

Wenn ich mir die Bilder von den Aufräumarbeiten so ansehe, dann frage ich mich, ob das die adäquaten Mittel sind.

Vielleicht irre ich mich, aber das Zeug sollte doch weggebaggert werden. Ich habe aber bei den Aufräumarbeiten fast ausnahmslos gesehen, dass das Zeug einfach weggespritzt wurde. Da wird das Problem ja nur auf einen anderen Ort verlagert, das Zeug verdünnt, weggeschwemmt oder es versickert dann eben besser. Es wird, wie es scheint, nach dem Motto "aus den Augen aus dem Sinn" gearbeitet.

Gibt es im Forum vielleicht jemanden der erklären kann, warum man das so macht? Würde mich echt interessieren.

Karottensammler
00
8.10.2010, 10:50

Eine Frage der zur Verfügung stehenden Mittel?

Sternchen100
10
8.10.2010, 10:31

Weil es den Ungarn wurscht ist? Andernfalls hätten die die Chemikalien nicht einfach in desolaten offen Betonwannen gelagert, oder? Überall im Land haben sie solche stehen und keinen schert es.

sam dudley
02
8.10.2010, 10:02
umweltkatastrophen

sind nur wenig wert als aufmacher in zeitungen.
kleine artikel die schnell wieder verschwinden.
bevor nicht ein reaktorunfall oder vulkan unser leben beeinträchtigt, ist umwelt kinderkram.
ölteppiche lösen sich ja auch zur zufriedenheit aller wieder auf.

wwg
02
8.10.2010, 09:50

der staat muesste bei sowas die besitzer vollstaendig enteignen, mit derem grob fahrlaessig erwirtschaftetem privatvermoegen koennte man ja einen kleinen teil der schaeden reparieren. leider kommen die immer ungeschoren davon und die kosten von sowas werden privatisiert.

Karli Valentino
21
8.10.2010, 10:37
Nehmen wir einfach einmal an ...

... Sie haben eine private Pensionsvorsorge abgeschlossen, z. B. die staatliche geförderte, und die ist ja verpflichtet auch in einen bestimmten Mindestanteil an Aktien zu veranlagen.
Dann sind sie ja im Umweg auch Eigentümer der betreffenden Aktiengesellschaften ....
Wenn dann eine dieser Gesellschaften eine Umweltkatastrophe auslöst und ihre Eigentümer (darunter auch Ihre Pensionsvorsorgegesellschaft als Teileigentümer) zwangsenteignet wird, dann verlieren auch Sie einen Teil Ihres Pensionsvorsorgevermögens.

Und das würden Sie wollen?

Franz A.
00
8.10.2010, 14:11
weiter

Die Forderung von wwg ging aber noch viel weiter:
Die Besitzer sollen *vollstaendig* enteignet werden. Das heisst, dass jeder Pensionist, dessen Pensionskasse in so ein Werkl investiert hat - was ihn zum Mitbesitzer macht-, auf Null gepfaendet wird (Also Haus, Auto, Wohung, Moebel, Fernseher, Telefon - alles weg).
A ned schlecht.

wwg
00
8.10.2010, 12:37

Ich schliesse keine hochspekulative "Pensionsvorsorge" auf Aktienbasis ab, ich bin ja nicht daemlich.

Und natuerlich sollte das so sein. Oder sind sie dafuer dass sie sich bereichern duerfen und wenn sie dabei Schaden anrichten den dann auf die Allgemeinheit abwaelzen duerfen? Muessens halt drauf schaun wo sie sich veranlagen. Was sie fordern ist Haftungsfreiheit fuer Kapitalanleger, das kanns ja nicht sein (auch wenn es derzeit so ist, was dabei rauskommt kann man ja taeglich in der Zeitung lesen, wie in diesem Artikel)

parapente
00
8.10.2010, 10:16
Und wenn der Betrieb

dem Staat gehört ??

Der Knecht
11
8.10.2010, 09:38
Gibts heute keine aktuellen Nachrichten?

Irgendwie ist das seltsam, in keinem öst. Medium finden sich heute aktuelle Medlungen.

Karli Valentino
10
8.10.2010, 10:39
das ist lokal begrenzt, und interessiert niemanden wirklich im detail.

leider, aber es ist so.
was glauben sie wie viele lokale umweltkatasptrophen es auf der ganzen welt täglich gibt?

Der Saftmeister
00
8.10.2010, 09:19
Das ist schlicht und einfach schrecklich!

hage
02
8.10.2010, 09:17

Mit großem Unbehagen lese ich diese Berichterstattungen, auch deshalb, da ich selbst für eine Firma MAL tätig bin (www.mal.at). Diese Firma hat mit der ungarischen Aluminiumfabrik absolut nichts zu tun.

Ich würde mir wirklich wünschen, dass Sätze wie "..Die Ankündigung der Firma MAL.." etwas präziser formuliert werden (auch wenn das angesichts dieser Katastrophe etwas wehleidig klingen mag).

Abgesehen davon halte ich es für wichtig, das gesamte Kapital der Eigentümer dieser Katastrophenfabrik sofort einzufrieren und für die Aufräumarbeiten und Schadenersatzzahlungen zu verwenden.

jalyrie
04
8.10.2010, 09:00
Hat sich schon mal jemand gefragt, was ...

... sich in den Reservoires 1 bis 8 befindet?

Wie kann es sein, dass solche Stoffe überhaupt so gelagert werden und WIE wären diese Stoffe später?? entsorgt worden???

Sternchen100
00
8.10.2010, 10:35

Gar nicht. Primitiver Mensch macht es so wie immer: in die Luft furcen, Dreck tief verbuddeln oder ins Wasser pi.sen. So macht er das seit Jahrtausenden, also macht der das auch mit dem Müll. Nur ist chemischer Müll nicht Kot oder Urin. Aber das begreift primitiver Mensch nicht.

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