Abschiebung "spricht Kinderrechten Hohn"

7. Oktober 2010, 18:07
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Harte Worte und Proteste nach Zwangsabflug der Komanis, Fekter: "Alles korrekt"

Wien - Donnerstag um die Mittagszeit schloss sich in Wien-Schwechat die Flugzeugtür hinter Avgustin Komani (36) und seinen zwei achtjährigen Töchtern Dorentina und Daniela: "Ich habe mich von den dreien gerade verabschiedet. Sie haben geweint, er hat sich bei mir bedankt. Er sagte, dass er glaubt, er habe etwas falsch gemacht", schilderte deren Rechtsberaterin Karin Klaric am Telefon.

In den Stunden vor dem Abschiebeflug nach Prishtina hatte die Obfrau des Flüchtlingshilfsvereins Purple Sheep beim Asylgerichtshof eine Aufschiebung der Zwangsausreise zu erwirken versucht. Vergebens: Der Umstand, dass die Kindesmutter, Vera Komani, mit einer akuten Psychose in der Psychiatrie auf der Baumgartner Höhe liegt und daher allein in Österreich zurückbleiben musste, hielt die Behörden von der Außerlandesbringung nicht ab.

Proteste

Ebenso wenig halfen Proteste von Diakonie, Kinderschutzgruppen, Grünen und einzelnen SP-Politikern, die am Donnerstag, einen Tag nach der Festnahme der Komanis im Wiener Freunde-schützen-Haus, einsetzten. Etwa jene der Wiener Kinder- und Jugendanwältin Monika Pinterits: "Hier wurde zwei achtjährigen Mädchen zugemutet, binnen drei Tagen den psychischen Zusammenbruch der Mutter, die Trennung von ihr, die Festnahme durch bewaffnete Polizisten, die Einsperrung im Gefängnis und den Flug ins Ungewisse zu erleben. Das spricht jedem Respekt der Kinderrechten in Österreich Hohn", sagte sie zum Standard.

Die Komanis hatten seit September 2004 in Österreich gelebt. Die Töchter wurden hier eingeschult. Die Familie galt als gut integriert. Ihr Antrag auf humanitären Aufenthalt wurde dennoch abgelehnt: Um als "Altfälle" zu gelten und den Regeln des Gesetzes zu entsprechen, hätten sie vor Mai 2004 einreisen müssen.

Für Innenministerin Maria Fekter war bei Familientrennung und Abschiebung daher "alles korrekt". Dem widerspricht Flüchtlingshelferin Ute Bock: "Durch die Familientrennung wurde ein Präzedenzfall geschaffen. Ab jetzt wird es in ähnlichen Fällen heißen: Das haben wir schon einmal gemacht." (Irene Brickner/DER STANDARD, Printausgabe, 8. Oktober 2010)

 

  • Ihre Stofftiere mussten die Komani-Zwillinge zurücklassen
    foto: standard/fischer

    Ihre Stofftiere mussten die Komani-Zwillinge zurücklassen

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