Mit Özdemirs Schützenhilfe zur Vizebürgermeisterin

7. Oktober 2010, 18:01
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Wiener Grüne gehen mit vollem Aufgebot ins Finish: Vassilakou, Glawischnig, Van der Bellen und deutschem Stargast Özdemir

Die Grünen beenden ihren Wien-Wahlkampf buchstäblich mit Wahlkampfgetrommel. Unter Samba -Rhythmen der Percussion-Gruppe „Batala" zieht die grüne Führungsspitze am Donnerstagnachmittag im Museumsquartier ein. Nur der Stargast fehlt noch: Cem Özdemir, Bundesvorsitzender der deutschen Grünen, reist eigens aus Hamburg an. Doch sein Flugzeug verspätet sich.

"Mir hat das Wahlkämpfen gut gefallen", sagt später Alexander Van der Bellen, einer der Hauptredner. "Es hat mich zwar fast taub gemacht", erzählt der gut gelaunte Ex-Grünen-Chef, "aber wir sind mit einer ordentlichen Samba-Krachmaschine durch die Bezirke gegangen."

Grüne Wut über Abschiebung

Den inhaltlichen Rhythmus der Reden gibt ein kurzfristig entstandenes Thema vor: die Abschiebung der beiden kosovarischen Geschwister aus Wien, die am Donnerstag bekannt wurde. "Das ist, was uns bewegt. Das ist, was tausende Menschen empört", ruft die Wiener Spitzenkandidatin Maria Vassilakou und sorgt für reichlich Emotionen unter den Funktionären. Sie wolle "ein Wien erschaffen", in dem alle Kinder aufwachsen und in die Schule gehen können und nicht "24 Stunden in einem Gefängnis verbringen müssen".

Ähnlich empört sich Eva Glawischnig: "Wahlkampf ist die Zeit, wo rechte Hetze betrieben wird, eine Zeit von Unmenschlichkeit." Auch eine Zeit, sagt die Bundesobfrau, der "gesteigerten Hartherzigkeit" der Innenministerin Maria Fekter (ÖVP).

Häupl "nur scheinbar gegen rechte Hetze"

"Die Innenministerin ist Mutter. Marek ist Mutter", will die Grünen-Chefin auch die Wiener ÖVP-Kandidatin Christine Marek nicht aus der Pflicht nehmen, was die rigide Asylpolitik im Bund anbelangt. Die SPÖ, die die Asylgesetze mittrage, kämpfe daher nur scheinbar gegen Rechts. "Wie im Wurstelprater das Krokodil und der Kasperl", urteilt Glawischnig über das Duell zwischen Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache.

Ein anderer Grüner sorgte hingegen für eher unpolitische Unterhaltung: Der frühere Wiener Grünen-Chef Christoph Chorherr fuhr auf einem Einrad ins Museumsquartier ein. "Man überblickt alles von oben und man will hoch hinaus", scherzte Chorherr über den Symbolcharakter seines Auftritts.

Griechisch-türkische Grußbotschaften

Während Vassilakou in ihrer Rede dann abermals Pläne für eine rot-grüne Stadtregierung referiert, trifft Özdemir - ziemlich genau eine Stunde später als geplant - um 17 Uhr im Museumsquartier ein. Vassilakou begrüßt den deutschen Parteichef vom Podium aus mit einem türkischen Gruß.

Özdemir, frenetisch eingeklatscht, revanchiert sich wenig später, gibt aber zu: "Mein Griechisch ist nicht ganz so gut wie mein Schwäbisch." In die Niederungen der Wiener Kommunalpolitik begibt sich der deutsche Ehrengast nicht. Vielmehr richtet er den Wiener Funktionären Grüße von den Demonstranten gegen das Bahnprojekt "Stuttgart 21" aus und redet über die deutsche Atomlobby, das ökologische Umdenken mancher Wirtschaftskapitäne und über erneuerbare Energien. "Es gibt nur ein Atomkraftwerk auf der Welt, das wirklich sicher ist", merkt Özedemir an: Das stehe in Österreich.

Rot-Grün - "Wahrscheinlichkeit nicht hoch"

Motiviert dürfen die Funktionäre das Museumsquartier zum Schluss-Wahlkämpfen verlassen. "Wenn die SPÖ Wien ihren Strukturkonservativismus aufgibt, werden wir die nächsten fünf Jahre zeigen, was wir können", gab ihnen Van der Bellen in seiner Rede mit. Ein Nebensatz des stets realistischen Altobmanns ging fast unter: "Die Wahrscheinlichkeit ist nicht hoch, aber existent." (Lukas Kapeller/derStandard.at, 7.10.2010)

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    "Stargast" Cem Özdemir kam mit Verspätung.

  • Christoph Chorherr bog auf einem Hochrad in die Wahlkampf-Zielgerade ein.
    foto: florian c. spielauer

    Christoph Chorherr bog auf einem Hochrad in die Wahlkampf-Zielgerade ein.

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    Die aktuellen Abschiebungen erregten die Gemüter.

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    Unter Samba-Rhythmen der Percussion-Gruppe „Batala" zog die grüne Führungsspitze im Museumsquartier ein.

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