Zwei Springer und ein Etablierter

7. Oktober 2010, 17:27
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Die NHL startet in ihre neue Sai­son. Mit dabei sind drei Öster­rei­cher, alle jedoch in sehr unter­schiedlichen Situationen. Eine Bestandsaufnahme

Zwölf in Österreich geborene Spieler wurden in der Geschichte des Entry Drafts bisher von einem NHL-Team ausgewählt, nur fünf davon (plus der ungedraftete Thomas Pöck) schafften es auch tatsächlich aufs Eis der besten Liga der Welt. Die drei letzten Picks werden dieses auch in der am Donnerstag beginnenden Saison 2010/11 betreten - allerdings unter sehr verschiedenen Vorzeichen.

Turbulente Tage für Michael Grabner

Vor knapp einer Woche wurde an dieser Stelle die ungewisse NHL-Zukunft Michael Grabners thematisiert, seither überschlugen sich die Ereignisse richtiggehend. Mäßige eigene Leistungen, unvorteilhafte Linienkollegen - Floridas Camp war für den gebürtigen Villacher eine mittlere Katastrophe und endete auf der Waiver list. In seinem Hotelzimmer in Rochester, der Heimatstadt des Panthers-Farmteams, verfolgte Grabner die Entwicklungen in seinem persönlichen, 48-stündigen Transferfenster. Edmonton und Columbus passten, das lose Interesse von der kanadischen Seite des Lake Ontario, an dem Rochester liegt, erlosch recht schnell. Kurz vor dem Ende der Frist schlug dann doch ein Team zu, die aktuell von einigen Verletzungen in der Offensive geplagten New York Islanders sicherten sich die Rechte am Österreicher.

Mittwoch Vormittag (Ortszeit) stand Grabner bereits erstmals mit seinem neuen Team am Eis, persönlicher Crashkurs in Sachen Spielphilosophie mit Headcoach Scott Gordon an der Taktikwand inklusive. Der Trainer war es dann auch, der nach der Session bekanntgab, dass Grabner in den ersten beiden Saisonspielen (Samstag gegen Dallas und Montag im Stadtderby gegen die Rangers) als Scratch nominiert werden wird, sich also vorerst auf der Tribüne wiederfindet. Kein Beinbruch, denn schon am Mittwoch, im Gastspiel beim letztjährigen Champion der Regular season, den Washington Capitals, könnte er sein Debüt im Trikot des vierfachen Stanley Cup-Siegers geben.

Andreas Nödl und die Gehaltsgrenze

Neben Grabner wurde in den letzten Tagen auch der Wiener Andreas Nödl transferiert. Nachdem er dank einer starken Preseason den letzten Cut im Roster seiner Philadelphia Flyers geschafft hatte, wurde er am Mittwoch kurzfristig ins Farmteam nach Glens Falls verliehen. Dafür waren jedoch keine sportlichen, sondern vielmehr finanzielle Gründe ausschlaggebend: Philadelphia, mit dem aktuellen Kader knapp über der Gehaltsobergrenze von 59,4 Millionen US-Dollar, sah sich gezwungen, fristgerecht zur Kadernennung am Mittwoch Cap space zu schaffen. Dabei fiel die Wahl auf Nödl, der die Payroll mit 850.000 Dollar belastet.

Doch der 23jährige darf auf eine baldige Rückbeorderung hoffen: Ian Laperrière, aktuell auf der Verletztenliste der Flyers, könnte demnächst seine Karriere beenden, Ärzte haben ihm angesichts der anhaltenden Nachwirkungen seiner Verletzung im Vorjahr (Laperrière bekam im Achtelfinale einen Schuss ins Gesicht, kehrte im Halbfinale aber wieder ins Team zurück) dazu geraten. Tritt dieser Fall ein, wäre Nödl der erste Kandidat für einen umgehenden Recall. Außerdem könnte der nötige Platz im Gehaltsbudget durch das Verschieben des verletzten Goalies Michael Leighton auf die formelle Verletztenliste (LTIR) geschaffen werden - eventuell sogar schon vor dem Saisonauftakt der Flyers gegen Pittsburgh (Donnerstagnacht europäischer Zeit).

Neues Jahr, neues Glück für Vanek

Der dritte Österreicher in der NHL, Thomas Vanek, ist im Gegensatz zu seinen beiden Nationalteamkollegen fixer Bestandteil seines Vereins. Bei den Buffalo Sabres ist er neben Goalie Ryan Miller sogar der große Star der Franchise.  1982, als in Oberösterreich eine 26jährige Studentin in den elterlichen Kies- und Schotterbetrieb eintrat, flüchteten Vaneks tschechoslowakische Eltern über eine Schotterstraße am Kärntner Wurzenpass nach Österreich. Ihr zwei Jahre später in Baden bei Wien geborener Sprössling ist heute der größte Hockeyspieler in der Geschichte des Landes, die genannte ehemalige Studentin verunmöglicht als Innenministerin Erfolgsgeschichten wie jene von Familie Vanek.

Nach einer persönlich sehr durchwachsenen Saison 09/10 blickt die Nummer 26 der Sabres dem neuen Spieljahr optimistisch entgegen. Die letztjährigen 55 Scorerpunkte stellten für den bald dreifachen Familienvater den schwächsten Wert seit seiner Rookie-Saison 05/06 dar, heuer soll das Punktekonto wieder deutlich angehoben werden. In den vergangen Tagen leicht angeschlagen, befindet sich Thomas Vanek mittlerweile wieder voll im Training, einem Einsatz im Auftaktspiel in Ottawa am Freitag steht nichts im Wege. 

Von den drei „Österreicher-Klubs" haben die Buffalo Sabres folgend dem Großteil der Saisonprognosen nordamerikanischer Hockeymedien wohl die größten Erfolgsaussichten. Im Vorjahr basierte der Titel in der Northeast Division vornehmlich auf der starken Abwehr inklusive Torhüter Ryan Miller, der die beste Saison seiner Karriere hinlegte und ob seiner Konstanz wohl der stärkste Goalie der Liga war. Aus der Defensive, auf der Buffalos Erfolg primär aufbaut, sind mit Toni Lydman und Henrik Tallinder im Sommer jedoch zwei Schlüsselspieler ausgeschieden. Man darf gespannt sein, ob und wie gut diese Abgänge verkraftet werden können. Leichter machen würden dieses Unterfangen viele, viele Tore von Thomas Vanek. (Hannes Biedermann; derStandard.at; 7. Oktober 2010)

 

  • Michael Grabner sitzt zum Saisonauftakt auf der Tribüne.
    foto: islanders tv

    Michael Grabner sitzt zum Saisonauftakt auf der Tribüne.

  • Sportlich den Cut geschafft, dann Opfer der Gehaltsobergrenze: Andreas Nödl.

    Sportlich den Cut geschafft, dann Opfer der Gehaltsobergrenze: Andreas Nödl.

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    Thomas Vanek geht in seine sechste Saison bei Buffalo.

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