Wer bietet mehr - der Kuhhandel um Studienplätze

8. Oktober 2010, 12:03
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Der Handel in Online-Tauschbörsen zwischen den Med-Unis Wien und Innsbruck floriert

Wien - "Suche Platz an Med-Uni Wien, biete angemessene Belohnung" - Angebote wie dieses zeigen, dass bei der Zulassung zum Medizinstudium doch nicht die Chancengleichheit herrscht, die der für alle Bewerber einheitliche Aufnahmetest bieten soll.

In Tauschbörsen werden Medizin-Studienplätze in Wien und Innsbruck geboten - oft auch gegen Bares. Doch warum ist das überhaupt möglich?

Selbst wenn man den Eignungstest für das Medizinstudium (EMS) schafft, kann es sein, dass einem trotz guter Punktezahl ein anderer Studienort zugewiesen wird, als der, für den man sich beworben hat.

Der Grund liegt darin, dass der Ansturm auf die österreichischen Med-Unis unterschiedlich stark ist: Bei Bewerbern mit österreichischem Maturazeugnis ist Wien am beliebtesten, für EU-Bewerber liegt hingegen Innsbruck vorn.

Für alle Med-Unis gilt aber die gleiche Quotenregelung - 75 Prozent Österreicher, 20 Prozent EU-Bürger, fünf Prozent Drittstaatenangehörige - deswegen wird ein Teil der vielen Österreicher, die sich für Wien bewerben, nach Innsbruck geschickt.

Auch Khalil Haidar war einer von ihnen. "Zuerst war das natürlich ein großer Schock für mich. Ich hätte mein Studium viel lieber in Wien absolviert." Haidar erfuhr durch Bekannte von der Möglichkeit, Plätze zu tauschen. Das ist erlaubt, solange die Länderquoten nicht vermischt werden.

6000 Euro Mindestpreis

Gegen einen Studienplatz an der Med-Uni Wien wäre auch Haidar bereit gewesen, einen kleinen "Tauschlohn" zu zahlen. Sein Angebot war dem Interessenten allerdings viel zu niedrig. Dieser wollte mindestens 6000 Euro für seinen Platz - ein vergleichsweise noch niedriger Preis, von fünfstelligen Beträgen für den Tausch Innsbruck/Wien hat man bei der ÖH gehört. Stefan Konrad, Vorsitzender der Universitätsvertretung an der Med-Uni Wien, bedauert den entgeltlichen Tausch. Dieser Trend sei aber relativ neu und erst seit kurzem zu beobachten.

Die Tauschbörse der ÖH werde jedoch stets betreut und Geldangebote würden sofort aus dem Forum gelöscht. Doch in Tauschbörsen, die weniger oft betreut werden, überschlagen sich teilweise die Gebote. Der UniStandard wurde etwa auf der Website www.medi zinstudium.at fündig. Auf den Hinweis reagierte der Betreiber der Seite, Wilfried Krois, promt: Die Foren wurden durchsucht und Tauschgebote für Geld entfernt.

Auch der Vizerektor für Studium und Lehre der Med-Uni Wien, Rudolf Mallinger, bedauert im Gespräch mit dem UniStandard: "Solche Angebote sind natürlich äußerst unerfreulich und unethisch". Unterbindbar seien sie aber leider nicht. (Lara Hagen, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.10.2010)

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    Für das Medizinstudium in Wien fließen laut ÖH teilweise fünfstellige Beträge. Das sei nicht unterbindbar, bedauert der Vizerektor.

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