Bruce-Conner-Werkschau in Kunsthalle und Filmmuseum

7. Oktober 2010, 15:06
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Beatnik und Nonkonformist, Maler und US-Avantgarde-Filmemacher

Wien - Er war einer der bedeutendsten Filmemacher der US-Avantgarde-Szene, stand der freiheitsliebenden Beat Generation in San Francisco nahe und spielte gern und oft mit seiner eigenen Identität.

Dass Bruce Conner (1933-2008) auch bildender Künstler war und im Laufe seines Schaffens mit zahlreichen Medien wie Malerei, Skulpturen, Zeichnungen und Fotografie experimentiert hat, zeigt a die Ausstellung "Bruce Conner. Die 70er Jahre" bis 30. Januar in der Kunsthalle Wien. Neben der ersten großen Einzelschau zu Conner in Europa widmet das Filmmuseum dem Künstler kommende Woche eine Retrospektive, in der sein gesamtes filmisches Schaffen zu sehen ist.

"Angels"

"Bisher war Conner ausschließlich unter Cineasten bekannt", so Kunsthallendirektor Gerald Matt bei einer Pressekonferenz am Donnerstag: "Was wir hier zeigen wollen, ist, dass seine Kunst seinem Filmschaffen in nichts nachsteht." Die gänzlich in schwarz-weiß gehaltene Ausstellung legt ihren Fokus auf die 70er Jahre, in denen Conners "Offenheit gegenüber allen Medien", so Co-Kuratorin Barbara Steffen, "besonders sichtbar war".

Unter den mehr als 100 Werken finden sich Acryl- und Ölgemälde, Lithographien, Zeichnungen und Fotografien. Besonders imposant sind Conners Mitte der 70er Jahre entstandenen Fotogramme, die er "Angels" taufte. In "Sound of two Hand Angel" (1974) ist eine zunehmend auflösende Lichtfigur zu sehen, die durch Projektionen seines Körpers erzeugt wurde.

Doch Film wird in der Schau nicht ausgeblendet: So sind drei Kurzfilme Conners aus den 60er Jahren zu sehen, unter anderem "Breakaway", in dem sich ein Model entkleidet und im Rücklauf wieder ankleidet, und "Marilyn Times 5", in der sich in ständigen Wiederholungen eine der Filmdiva Marilyn Monroe ähnlich sehende Blondine zu Monroes "I'm Through With Love" räkelt.

Conners letzte Filmarbeit, die 2006 entstandene raumgreifende Installation "Three Screen Ray", bildet den Mittelpunkt der Schau und zeigt drei riesige Projektionen zu "What I'd Say" von Ray Charles. Während die mittlere Projektion die Originalversion von Conners Film "Cosmic Ray" aus dem Jahr 1961 darstellt, sind links und rechts davon Sequenzen aus collagiertem Filmmaterial zu sehen.

"Ich bin nicht Bruce Conner"

Neben Conners Schaffen ist auch sein Wesen interessant und vielfältig. "Ich bin nicht Bruce Conner", stand auf einem Button, den er zu Vernissagen trug, und der von der Kunsthalle Wien neu produziert wurde. Die Autorschaft seiner Werke überschrieb Conner schon einmal anderen, zum Beispiel seinem langjährigen Freund Dennis Hopper. "Er war ein Künstler, der ironisch und spielerisch mit seiner Rolle umging", so Matt.

Für Alexander Horwath, Direktor des Österreichischen Filmmuseums, ist Conners "Festmachenkönnen auf eine Person auch bei seinem filmischen Schaffen sehr schwierig". In der ersten vollständigen Filmretrospektive seit Conners Tod zeigt das Filmmuseum von 14. bis 20. Oktober in drei Programmzyklen Werke von dem Footage-Montage-Meisterwerk "A Movie" (1958) bis zu dem erst kürzlich restaurierten "Mea Culpa" (1981).

Durch Conners Filmerstling "A Movie", so Steffen, "entstand eine neue Ästhetik, die durch die ganze Welt ging und sein filmisches Markenzeichen wurde". Zusammengetragen sei Conners Gesamtwerk nicht einmal vier Stunden lang, erzählte Horwath bei der Pressekonferenz, "aber auch Menschen, die nie mit Avantgarde in Kontakt gekommen sind, finden einen unmittelbaren Zugang zu Conners Filmen."

Jean Conner, die Frau des 2008 verstorbenen Künstlers, ist extra nach Wien gereist, um der Eröffnung heute Abend beizuwohnen und am Symposium "Bruce Conner and Dennis Hopper: The Nonconformists" teilzunehmen. Auf die Ausstellung angesprochen, strahlt sie: "Es sieht toll aus in diesen Räumen." Die ihrem Mann gewidmete Schau ist zeitgleich Jean Conners Chance, "nicht nur das erste Mal in Wien, sondern in Europa" zu sein. (APA)

 

Ausstellung "Bruce Conner. Die 70er Jahre" - mit Symposium "Bruce Conner and Dennis Hopper: The Nonconformists" (Diskussion in englischer Sprache in der ursula blickle videolounge am 8. Oktober um 19 Uhr mit u.a. Jean Conner) - kunsthallewien.at

Filmretrospektive im Filmmuseum von 14. bis 20. Oktober - filmmuseum.at

 

  • Bruce Conner 1977
    foto: filmmuseum

    Bruce Conner 1977

  • "A Movie", 1958
    foto: filmmuseum

    "A Movie", 1958

  • "Breakaway", 1966
    foto: filmmuseum

    "Breakaway", 1966

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