Lungenembolie

Oft unentdeckt, manchmal tödlich

7. Oktober 2010, 17:02

Manche Menschen haben ein erhöhtes Risiko - Gute Behandlungs- und Prophylaxemöglichkeiten

Graz - Stirbt ein junger Mensch daran - ein solcher Fall wurde erst vor kurzem in Steiermark bekannt - führt das zu Schlagzeilen. Vergessen wird, dass die akute Lungenembolie durch einen Thrombus in der Lungenarterie oft mit unspezifischen Symptomen beginnt und oft "mehrzeitig" - also beginnend mit einer "Signalembolie" - verläuft. Deshalb beschäftigten sich die Fachleute beim Jahreskongress der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) in Graz (7. bis 10. Oktober) eingehend mit diesem Thema.

Der Präsident der Gesellschaft, Horst Olschewski (LKH Universitätsklinikum Graz): "Die akute Lungenembolie ist die häufigste unerkannte Krankheit, die binnen kurzer Zeit fatal enden kann. Die Gefährdung nimmt mit dem Alter zu. Quantitativ sieht man bei älteren Verstorbenen, die seziert werden, relativ oft auch eine Lungenembolie, die zu Lebzeiten nicht festgestellt wurde."

Prophylaxe nach thromboembolischem Ereignis

Männer sind generell häufiger betroffen als Frauen, Menschen mit einer genetischen Prädisposition ebenfalls. Bestimmte Grunderkrankungen - zum Beispiel Krebsleiden - stellen ebenfalls ein deutlich erhöhtes Risiko dar. Davon zu unterscheiden sind thromboembolische Ereignisse, die durch eine Aktivierung der Blutgerinnung nach Verletzungen oder Operationen (z.B. orthopädische Operationen wie Hüft- oder Kniegelenkersatz) auftreten können.

Der Vorstand der Klinischen Abteilung für Pulmonologie an der MedUni-Graz: "Wir wissen auch, dass Frauen mit einer genetischen Disposition, die zum Beispiel rauchen, ein höheres Risiko für eine Lungenembolie haben. Zwar hätten wir gute Möglichkeiten für eine medikamentöse Prophylaxe, doch wenn sich nur ein Risikofaktor im Blut findet und jemand raucht, ist das noch kein Grund, für eine vorbeugende Therapie. Dazu sind die Risiken durch die Behandlung im Vergleich zur Gefährdung zu hoch.

Doch ein anderer Fall ist gegeben, wenn schon einmal ein thromboembolisches Ereignis nachgewiesen wurde. Olschewski: "Man richtet sich nach solchen Ereignissen. In diesem Fall wäre eine Prophylaxe, möglicherweise lebenslang, angebracht."

Tabletten oder Spritzen

Klar: Hat jemand beispielsweise bei einem Autounfall einen Knöchelbruch erlitten und zeigt er dann Zeichen einer Lungenembolie, wird man sechs Monate lang eine blutverdünnende Therapie durchführen. Hier steht seit Jahrzehnten die in Tablettenform einzunehmende Substanz Marcoumar zur Verfügung, alternativ gibt es regelmäßige Injektionen von niedermolekularem Heparin unter die Haut. Bei Marcoumar muss allerdings auch regelmäßig die Wirkung auf die Blutgerinnung im Labor überprüft werden. Ein erhöhtes Risiko haben auch Krebspatienten.

In jüngerer Vergangenheit gab es mehrere wissenschaftliche Publikationen, wonach man mit Labortests (zum Beispiel auf D-Dimer im Blut) das Vorliegen einer Lungenembolie besser abklären könnte. Olschewski: "Das kann eine Rolle spielen, wenn der Patient zum Hausarzt kommt, es ihm sonst gut geht, er aber über ein 'komisches Ziehen' im Brustbereich klagt. Wenn dann der D-Dimer-Test negativ ist, kann eine Lungenembolie mit sehr hoher Sicherheit ausgeschlossen werden."

Prophylaxe nach Operation

Eine Revolution, aber erst auf längere Sicht, kündigt sich bei der medikamentösen Behandlung und der Prophylaxe von thromboembolischen Ereignissen mit neuen Arzneimitteln an, welche die Blutgerinnung hemmen, aber nur in einer fixen Dosierung in Tablettenform eingenommen werden müssen und keine Labortests erfordern. Der Grazer Experte: "Sie sind aber derzeit nur für ein sehr enges Anwendungsgebiet - die Prophylaxe von Thrombosen nach orthopädischen Operationen mit Knie- oder Hüftgelenkersatz - zugelassen."

Erst vor kurzem wurde ein tragisches Ereignis in der Steiermark bekannt. Eine 18-jährige Schülerin war an einer Lungenembolie gestorben. Hausarzt und Lungenfacharzt waren von ihr vorher konsultiert worden. Olschewski: "Hier muss man aber auch sagen, dass die Lungenembolie anfangs nicht immer eindeutig zu erkennen ist. Lungenembolien - auch offenbar in diesem Fall - laufen oft als mehrzeitiges Ereignis mit nur kleineren Beschwerden am Beginn ab." Ärzte sollten aber immer sensibel sein, ob nicht vielleicht doch eine solche Problematik gegeben sein könnte. (APA)

Plaats van Samenkomst
00
7.10.2010, 22:48
Und hat einer in Wien eine Arthroskopie,

schickt man ihn ohne Blutverdünnung nach hause ("kann eh schon gehen") und auf die Thrombose folgt dann die Lungenembolie. Und der unsägliche Patientenanwalt schreibt dann: "Kann man nix machen, der Chirurg ist ganz unschuldig!"

gärtner
00
8.10.2010, 11:19
und wenn er dann mit der blutverdünnung zu hause eine hirnblutung bekommt?

dann wären sie bestimmt der erste der den kopf des arztes verlangt.

weissseher
00
8.10.2010, 10:28
das leben...

ist lebensgefährlich

Unbedenklichkeitsbescheinigung
00
8.10.2010, 12:35

es ist sogar tödlich.

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