Aufnahmeverfahren für alle Studien ab Herbst 2011

7. Oktober 2010, 09:22
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Die "Studieneingangsphase neu" soll Beschränkungen für alle Studien bringen - Den Anstoß gab eine Klage der ÖH

Wien - Die katastrophalen Studienbedingungen haben sich auch bis ins Wissenschaftsministerium durchgesprochen: Zugangsbeschränkungen statt Ausfinanzierung lautet die Devise von Ministerin Beatrix Karl.

Wie Karl im UniStandard-Interview bestätigt, ist die "Studieneingangsphase neu" mit der SPÖ bereits beschlossen - demnach müssen alle Studierenden ab nächstem Herbst eine Studieneingangsphase durchlaufen, die de facto Zugangsbeschränkungen ermöglicht: "Am Ende der Eingangsphase sollen Aufnahmeverfahren die Eignung für ein konkretes Studium feststellen", erklärt Karl (siehe Interview).

Das könne beispielsweise eine Prüfung am Ende des ersten Semesters sein, bei der festgelegt wird, wie viele Personen weiterstudieren dürfen. "Die jetzige Studieneingangsphase ist nicht offen für echte Aufnahmeverfahren, und das werde ich ändern", sagt Karl.

Ende des offenen Zugangs

Vor einem halben Jahr hatte sie noch gegenüber dem UniStandard Knock-out-Prüfungen abgelehnt und die Erstellung der Studieneingangsphasen in der Autonomie der Unis geortet. Mit der neuen Regelung - die nichts anderes als das Ende des freien Hochschulzugangs bedeutet - bedient Karl die Wünsche der Rektoren nach Zugangsbeschränkungen: Der Vorsitzende der Uni-Konferenz, Hans Sünkel, hofft schon lange, dass "die Politiker zum Nachdenken gebracht werden, geordnete Zugangsmöglichkeiten anzubieten".

Aktueller Anlass für Karl ist ein Entscheid des Obersten Gerichtshofes (OGH): Dieser hat Anfang Juli festgestellt, dass die Universitäten genügend Lehrveranstaltungen anbieten müssen, damit es für die Studierenden zu keinen Verzögerungen kommt. Sonst könnte der Bund zu Schadenersatzzahlungen verpflichtet sein.

Absurdes Detail: Während die Konsequenz für Karl also in Zugangsbeschränkungen besteht, feiern die Studierendenvertreter - die die Klage angestrengt haben, um das Gegenteil zu erreichen - den OGH-Entscheid noch als Etappensieg. "Der Beschluss untermauert unsere Forderung an die Politik, den Universitäten mehr Geld zur Verfügung zu stellen", sagt ÖH-Chefin Sigrid Maurer und kündigt sogar noch weitere Klagen an (siehe Interview U 3).

Eine Sache ist zumindest sicher: Dieses Semester wird wieder protestiert. "Vielleicht nicht in der Heftigkeit wie letztes Jahr, aber die Proteste sind bereits am Horizont sichtbar", sagt Sünkel. "Die Geschichte wiederholt sich nicht", beruhigt sich Georg Winckler, Rektor der Uni Wien: "Ich gehe davon aus, dass der Protest in einer Form stattfindet, die politisch wirksam wird und sich nicht gegen die Unis richtet." (Astrid-Madeleine Schlesie, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.10.2010)

  • Zugangsbeschränkungen statt Ausfinanzierung lautet die Devise von 
Ministerin Beatrix Karl.
    illustration: standard/roland vorlaufer

    Zugangsbeschränkungen statt Ausfinanzierung lautet die Devise von Ministerin Beatrix Karl.

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