Migräne

Auslöser vermeiden ist falsch

7. Oktober 2010, 09:01
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    foto: a. reinkober/pixelio.de

    Das Vermeiden von Migräne-Auslösern verstärkt die Symtomatik.

Deutscher Schmerzkongress 2010: Experten räumen mit Mythen auf - Patienten sollten Kopf an Migräneauslöser gewöhnen

„Schokolade verursacht Migräne" - mit Märchen wie diesem räumen Spezialisten beim Deutschen Schmerzkongress in Mannheim (06. - 10. Oktober 2010) auf. Unter dem Motto „Visionen und Irrtümer" diskutieren Wissenschaftler neue Erkenntnisse: Migräne-Patienten sollten bekannte Auslöser nicht meiden - das macht die Sache nur schlimmer. Und nicht nur Medikamente helfen. Wissenschaftlich anerkannt sind auch Entspannung, Verhaltenstherapie und Biofeedback. Veranstaltet wird der Kongress von der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes.

Irrtum: Migräneauslöser meiden

„Oft waren es gerade die Irrtümer, die zu Visionen und damit zu besseren Behandlungsmöglichkeiten geführt haben", stellt Kopfschmerzexperte Peter Kropp (Rostock), Kongresspräsident der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft, fest. Ein Beispiel ist die irrtümliche Annahme, dass es besser wäre Migräneauslöser zu meiden. Weil man weiß, dass ein Glas Sekt oder Wein einen Migräneanfall bewirken könnte, verzichtet man lieber darauf. Neue Studien zeigen aber: Das Vermeiden von Migräne-Auslösern verstärkt die Symptome - es kommen immer mehr Auslöser hinzu. „Patienten sollten besser lernen, mit diesen so genannten Triggerfaktoren umzugehen", erklärt Kropp. Denn man kann „den Kopf" an die Migräneauslöser gewöhnen. „Löst Rotwein Migräne aus, sollten Patienten zum Beispiel ruhig ab und zu ein Glas trinken. Das funktioniert auch mit homöopathischen Dosen, also stark verdünnt."

Irrtum: Schokolade oder Streit lösen Migräne aus

Schokolade und andere Süßigkeiten werden immer wieder als Auslöser für Migräneattacken genannt. Der Hintergrund: Bis zu 70 Prozent der Patienten berichten, dass sie vor der Migräne Heißhunger auf Süßes erleben. Eine Studie hat nun gezeigt, dass die Süßigkeiten nicht Auslöser sind. Die Lust darauf ist lediglich ein Signal für den bevorstehenden Anfall. Der Grund ist einfach: „Das Hirn benötigt Energie für die kommende Attacke", so Kropp. Auch der Partnerschaftsstreit wurde zu Unrecht als Verursacher verdächtigt. Wissenschaftler haben festgestellt, dass Paare vor der Migräne eher miteinander streiten. Da vor der Migräne aber auch Gereiztheit, Nervosität, Müdigkeit und Konzentrationsstörungen häufig auftreten, vermuten sie, dass der Patient kurz vor dem Anfall die Äußerungen des Gesprächspartners zu sehr „auf die Goldwaage legt" und so den Streit mit herbeiführt.

Irrtum: Kürzere Gymnasialzeit sorgt für mehr Kopfschmerz

Die Verkürzung der Gymnasialzeit von neun auf acht Jahre (G9 beziehungsweise G8) hat für eine heftige Debatte über potenzielle gesundheitliche Belastungen der Schüler gesorgt. „Wir haben deshalb im Winter 2008/2009 über 1.200 Schüler an Münchner Gymnasien des ersten G8- und des letzten G9-Jahrgangs über ihren Gesundheitszustand und ihre Lebensumstände befragt", sagt Prof. Dr. Andreas Straube von der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft. Die gute Nachricht: Es gibt keine nachweisbaren Unterschiede zwischen den Jahrgängen bei der Häufigkeit von Kopfschmerzen oder anderen körperlichen Beschwerden. Die schlechte: Der Gesundheitszustand der Schüler ist allgemein besorgniserregend. Die Befragten beider Testgruppen gaben als häufigste gesundheitliche Beschwerden Kopfschmerzen, Kreuz- oder Rückenschmerzen, übermäßiges Schlafbedürfnis sowie Nacken- und Schulterschmerzen an. Experten sehen darin ein Zeichen für eine generell ungesunde Lebensweise und raten zu mehr körperlicher Aktivität und ausreichend Schlaf.

Neuer Wirkstoff gegen Migräne

Bei der Entstehung einer Migräne-Attacke spielt ein bestimmtes Protein - Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) - eine Schlüsselrolle. Es führt unter anderem dazu, dass sich Blutgefäße im Gehirn erweitern. Stoffe, die die Wirkung von CGRP hemmen, sollten daher die Entstehung einer Migräne-Attacke bremsen können. Aktuelle Studien haben das jetzt bestätigt. Der Wirkstoff Telcagepant hat sich dabei als ebenso wirksam erwiesen wie die gängigen Triptane, die häufig gegen Migräne eingesetzt werden. Der neue Wirkstoff schaltete die Schmerzen sogar tendenziell länger aus als Triptane.

Gegen Migräne helfen nicht nur Medikamente. So ist zum Beispiel die progressive Muskelentspannung nach Jacobson inzwischen grundlegender Bestandteil vieler Schmerz- und Stressbewältigungsprogramme. Sie senkt das Aktivierungsniveau für Attacken. Denn Entspannungstechniken reduzieren die Empfindlichkeit für akute Schmerzreize einerseits und aktivieren andererseits Hirnbereiche, die für die Schmerzdämpfung zuständig sind. Außerdem werden so Angstzustände abgebaut, was wiederum die Schmerztoleranz erhöht.

Verhaltenstherapie und Biofeedback

Die so genannte kognitive Verhaltenstherapie zielt auf die Veränderung der psychischen Einstellung des Patienten und das damit verbundene Körpererleben. Der Patient soll lernen, die schmerzbezogene Belastung und die Begleiterscheinungen zu bewältigen. Kognitive Ansätze helfen, flexibler und effektiver mit Schmerzen umzugehen. Dazu gehört insbesondere der Umgang mit negativen Stimmungen. „Diese Form der Psychotherapie ist ein gutes Mittel gegen Schmerzzustände- es wirkt zwar nicht so schnell wie ein Schmerzmedikament, dafür aber nachhaltiger", erklärt Kropp.

Biofeedback ist ein wissenschaftliches Verfahren, mit dessen Hilfe normalerweise unbewusst ablaufende psychophysiologische Prozesse durch Rückmeldung (feedback) wahrnehmbar gemacht werden. Körperliche Prozesse, zum Beispiel Blutdruck oder die Atemfrequenz, werden elektronisch gemessen und dem Patienten über ein Signal zurückgemeldet. Der Patient wendet diese Signale an, um zum Beispiel Kontrolle über die Muskelspannung oder das Erregungsniveau - beide sind eng mit Schmerzzuständen verbunden - zu gewinnen und zu verändern. Das Biofeedback-Training hat sich als sehr wirkungsvoller Baustein verhaltenstherapeutischer Schmerzbehandlung erwiesen. (red)

Anleitung für ein Entspannungstraining auf den Webseiten der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft

Infos zum Schmerzkongress

Kommentar posten
21 Postings
razor blade
01
26.10.2010, 14:42

Mir helfen Triptane sehr. Wenn man sie rechtzeitig einnimmt, fühlt man sich zwar schlapper, aber der Migräneanfall zieht einfach vorbei. Das ist eine unglaubliche Verbesserung der Lebensqualität.

zzpp
00
12.10.2010, 13:31
gleiche Verspannungen - verschiedene Personen

Ich habe zwei Personen am Rücken eine Massage gemacht. Dabei fiel mir auf, daß die Zweei genau an der selben Stelle Schmerzen haben wie ich.
1. Hals rechte Seite
2. oberhalb Schulter rechts von Nacken
3. unterhalb Schutlerblatt rechte Seite
Es wäre doch interessant zu wissen, ob noch mehr Leute die gleichen Symptome aufweisen, und warum sich die Schmerzen genau an dieser Stelle manifestieren.

Ruixada
00
12.10.2010, 22:43
gleiche Verspannungen - verschiedene Personen

Ich kann diese Schmerzen bestätigen. Nr. 1 und 2 kann ich zwar nicht mit 100%iger Sicherheit angeben. Aber Schmerz Nummer 3 macht mich ABSOLUT fertig. Wenn ich dort hingreife, merke ich, wie diese Stelle mit dem Schmerz in meinem Kopf verbunden ist. Mir scheint, dass nach schwerem einseitigen Tragen (zB Laptoptasche und Handtasche) diese Verspannung und infolgedessen Migräne besonders gerne eintritt.

zzpp
00
12.10.2010, 13:27
Die WAHRE Ursache

Ich vermisse in dem Artikel die wahre Ursache. Ich habe seit 3 Jahren Migräne, und bin der Meinung, daß es besser ist die Symptome nicht einfach niederzuspritzen und weiterzumachen wie bisher, sondern die wahre Ursache zu suchen. Schließlich will ich spüren wie schlimm es ist, und ob Verbesserungen eintreten.
So habe ich für mich herausgefunden, daß ich tagein tagaus in einem angespannten Zustand bin. Ich vermute psychische Gründe. Der physische Körper agiert die Anspannung offensichtlich in Form der Migräne aus.
Die Attacken sind weniger und schwächer geworden, dennoch glaube ich, daß es noch eine Weile dauern wird, bis ich ruhiger und entspannter werde, und die krankmachenden Aspekte in meinem Leben zum positiven verändert habe.

Petzi Petz
00
10.10.2010, 13:10

Habe die Erfahrung gemacht, dass ein geregelter Tagesablauf hilft, wann ich aufstehe, esse etc. Dazu mach ich mehrmals die Woche Sport, und zwar dass ich richtig schwitze - das entspannt mich. Und hab ich wirklich mal Schmerzen, warte ich nicht bis es sich aufschaukelt sondern nehm gleich was ein.

NickKnarrkarton
00
10.10.2010, 00:46
Kognitive Bewältigung von Schmerz...

Also ich weiß echt nicht, welche Steigerungsstufen es für den psychologischen Unsinn, der hier verzapft wird noch geben soll. Man redet Leuten doch tatsächlich ein, daß man Schmerz mit Psycho-Hokuspokus verdrängen oder "schön reden" kann. Und für so einen Schwachsinn bezahlt man dann auch noch.

zzpp
00
12.10.2010, 13:33
Ursache

Der Schmerz zeigt an, daß etwas nicht mehr im Gleichgewicht ist.
Du mußt die Ursache suchen, dann verändern sich / verschwinden auch die Schmerzen.
Leider bekämpft die Schulmedizin nur die Syptome.
Ich habe gerade erst jemandem mit kinesiologischen Methoden einen Rückenschmerz gelöst, wo Spritze und Schmerzmittel nicht halfen.

Aracni Santini
01
8.10.2010, 18:49
Histaminintoleranz kann genauso Ursache sein

Es gibt LEute die Histamin ungenügend abbauen und so früher einen schädlichen Level an Histamin im Körper anhäufen. Histamin führt zu einer Erweiterung der Blutgefäße. (alles was blutdrucksenkend wirkt kann Auslöser sein, eher wie ein Verstärker, so wie bei einer Stereoanlage. Histaminhältiges ist hingegen wirklich auslöser) Histamine wir durch körpereigene Hormone freigesetzt z.b. durch Östrogen, od. bei Stress. Alkohol verhindert den Abbau von Histamin. Soja (Erdnüsse sind verwandt) enthält Lektine, die zu einer Histaminfreisetzung führen können (Verdickungsmittel verhalten sich ähnlich) Histaminfreie Nahrung kann wahre Wunder wirken, man braucht dann halt keine teure Pille... Histaminintoleranz, von Dr. Jarisch...

Ben Ohm
00
8.10.2010, 16:56
Mmmhh...Schokolade.

annabrecht
00
7.10.2010, 22:21
Die Gymnasialtheorie ist super;-)

Ich bin seit ca. 25 Jahren mit Pausen immer wieder von Migräneattacken gequält worden. Da ich eine Ehrenrunde gedreht hab, war ich 9 statt 8 Jahre im Gym. Hat leider auch nichts gebracht. Mir hilft "Aspirin akut", das sind 2 Brausetabletten, die, wenn die Attacke im Anmarsch ist, eingenommen, die Migräne abwenden bzw. soweit abschwächen, dass maximal schwaches Kopfweh übrig bleibt. Wer weiß, wie Migräne sein kann, versteht, was für eine Erleichterung das ist. Auslöser konnte ich noch nie erkennen, allerdings Zusammenhänge mit dem Zyklus, also wohl auch mit hormonellen Veränderungen.

Fritz Meyer
00
7.10.2010, 19:54
Bei mir hat z.B. schon eine neue Brille gereicht.

Hatte vor einigen Jahren häufiger Migräne und habe immer erst dem Wetter/Ernährung usw. die Schuld gegeben.

Erst als ich zu einem Augenarzt bin und mir eine neue Brille verschrieben wurde, war Schluss damit.

Nicht dass die Disposition damit aus der Welt wäre.

Aber zumindest ein Trigger weniger.

Und auch die neuen Medikamente können leider nicht verhindern, dass einem so eine Attacke den ganzen Tag ruiniert. Dann aber kann man's auch kostengünstig mit dem "Hausmittel" (zwei Aspirin, dunkler Raum und Ruhe) auskurieren.

nik.2008
00
7.10.2010, 19:21

habe/habe sowohl neurol.digan. migräne- & spannungskopfschmerz. hab von physiotherpie, massage,biofeedb.,schüssler,homöop,akupunktur alles probiert. dann ein gehirntumor mit op - leider war auch der nicht der auslöser für die kopfschmerzen. danach schmerzamb. im kh mit saroten, antieptileptiker & vielen nebenwirkungen. duch zufall bin ich im vorjahr zu einer homöopathin gekommen (war nicht die erste in meinem leben) und hab dort aurum met. c200/c1000 bekommen. nach einien wochen plötzlich besserung für viele wochen, dann wieder einen anfall & wieder aurum c200 und seit dem von tgl. kopfschmerzen auf 3xpro monat. ich sag, wer heilt hat recht - auch wenn mans nicht nachweisen kann.

erich1963
03
7.10.2010, 15:06
D. h. ich muss in Zukunft..

...unbedingt Föhnstürme suchen, um mich an die wetterbedingte Migräne zu gewöhnen. Ehrlich gesagt kann ich darauf gerne verzichten.

ein Pixel kommt selten allein
01
7.10.2010, 15:28

Mir geht es ähnlich. Schön, wenn die Auslöser "nur" Schokolade oder Rotwein wären ...

quack
00
7.10.2010, 13:12
Psychotherapie

Psychotherapie hat mir hier total geholfen. Günstige Psychotherapie hab ich auf www.ptbd.at gefunden.

lg, quack

NickKnarrkarton
00
10.10.2010, 00:49

In wieviel Foren posten Sie ihre Werbung eigentlich noch ? Ist der Kundenmangel schon so akut, daß man sich allen förmlich aufdrängen muß ?
Die Aussage ist zudem wieder typisch psychotherapeutisch:"Mir hat geholfen" - fundierter Beleg dazu: Fehlanzeige.
Ich frage mich, wann es endlich mal Werbeverbot für psychologische Werbeaussagen gibt ...

quack
00
11.10.2010, 00:04
??

Es is nur ein forum-posting, keine wissenschftlliche aussage... alles locker, nicht aufregen,...einatmen...ausatmen... frische luft und sport sollen helfen, gesunde ernährung ebenfalls,... mozart auch,...entspannen....alles wird gut...

JvS-105
 
01
7.10.2010, 11:24
..Bio-Feedback..?

..dafür hab ich bei einer lustigen Cluster-Kopfschmerz-Attacke leider keine Lust, keine Zeit und auch keinen Eifer.. :-(

M L3
00
15.10.2010, 20:08
Bei Cluster Kopfschmerz soll O2 Inhalation helfen

Ev. auch LSD, aber vielleicht war das auch ein anderer hartnäckiger Kopfschmerz, bei dem das hilft.

erix
00
8.10.2010, 05:27
zusammenhang unklar?

Was hat Migräne mit Cluster-Kopfschmerz zu tun?

JvS-105
 
00
8.10.2010, 10:00
..stimmt auch wieder..

.. nehme alles zurück und behaupte das Gegenteil..

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