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STANDARD: Warum wirbt die Wiener SPÖ mit ihrer Wirtschaftskompetenz? Immerhin sind die Arbeitslosenzahlen in der Stadt relativ hoch.
Brauner: Jeder Arbeitslose ist einer zuviel. Aber wir haben uns bemüht, die Stadt aktiv aus der Krise zu führen. Leider stieg auch bei uns die Arbeitslosigkeit, aber immerhin konnten im vergangenen Jahr 771 Firmen unterstützt und damit 2000 Arbeitsplätze erhalten werden. Außerdem haben sich 98 internationale Firmen in Wien angesiedelt. Das ist das drittbeste Ergebnis der letzten zehn Jahre. Und wir haben die meisten Neugründungen. Das zeigt, dass gezielte Förderpolitik wirkt. Es ist kein Zufall, dass Wien im September einen Beschäftigungsrekord hatte.
STANDARD: Das WIFO kritisiert, dass Talente vergeudet werden, vor allem auch bei Migranten. Die würden nicht entsprechend eingesetzt.
Brauner: Wir versuchen diesem Qualifizierungsproblem mit Beratung und konkreter Hilfe gegen zu steuern. Ich bin davon überzeugt, dass der Schlüssel für Wirtschaftswachstum Bildung, Forschung und Entwicklung ist. Das beginnt schon beim Gratiskindergarten, bei der Sprachenförderung und so weiter. Wir haben hier viel getan, wir müssen noch mehr tun.
STANDARD: Wieso setzt sich die SPÖ dann nicht stärker dafür ein, dass mehr für Universitäten getan wird?
Brauner: Das ist zum Teil ganz schwierig mit der ÖVP. Wir haben in Wien die "Vision 2020" entwickelt, wonach bis dahin 52 Millionen Euro in den Life-Science Cluster investiert werden sollen. Es war ausgemacht, dass 35 Prozent die Stadt zahlt und 65 Prozent der Bund, und wir haben unseren Teil geleistet. Ex-Wissenschaftsminister Hahn hat unterschrieben, seine Nachfolgerin Karl gibt das Geld nicht her. Eine Verzögerungstaktik, die am Rücken der Forscher ausgetragen wird.
STANDARD: Die Wirtschaftskammer beklagt, kleinen Unternehmen werde zu wenig geholfen, hier dauerten Förderverfahren zu lange?
Brauner: Das wundert mich schon ein wenig. Immerhin war Präsidentin Jank immer dabei, wenn wir neue Fördermaßnahmen "erfunden" haben. Ich denke, wir helfen den Kleinen sehr wohl. Wir stellen Mikrounternehmen Infrastruktur zur Verfügung, wir helfen ihnen dabei sich zu vernetzen - das ist auch das Prinzip beim Mediaquarter Marx. Kleine Firmen kultivieren ihre Stärken, durch Vernetzung erhöhen sie ihre Kompetenz, und das zieht dann größere Firmen an. Es ist kein Zufall, dass sich Bavaria und SevenOne Media für Marx interessieren.
(Petra Stuiber, DER STANDARD, Printausgabe, 7.10.2010)
RENATE BRAUNER (54) Vizebürgermeisterin, ist seit 2007 Wiener Wirtschafts- und Finanz-Stadträtin.
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