"Langfristige Gesundheitsgefährdung"

6. Oktober 2010, 19:35
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Noch sind die Dimensionen der Katastrophe in Ungarn nicht klar - Der Umweltmediziner Hans-Peter Hutter sprach mit Karin Pollack über den Giftschlamm, Grundwasser und Schwermetalle in der Nahrungskette

Standard: Was wissen Sie Neues über den Giftschlamm?

Hutter: Alle warten derzeit auf die exakten Analysen des Schlamms. Wir sind mit ungarischen Umweltmedizinern im Kontakt und wissen, dass die ätzende Wirkung durch die Vermischung mit Regen- und Flusswasser abnimmt. Entscheidender ist, in welchen Konzentrationen Schwermetalle und Chemikalien mit dem Schlamm in Boden und Grundwasser gelangt sind und Trinkwasser-Brunnen verseucht haben. Davon hängt die langfristige Gesundheitsgefährdung ab.

Standard: Was wird gemacht?

Hutter: Es laufen Notfallprogramme, man versucht, die Schadstoffe zu binden, aber sehr viel kann man nicht machen. Wir warnen seit vielen Jahren vor der Aluminiumproduktion. Jetzt ist ein Super-GAU eingetreten. Die große Frage wird sein: Wie viel und wohin Schlamm und verseuchter Boden abgetragen bzw. weiterbehandelt wird. Akut geht es um die Trinkwasserversorgung. In der Region leben mindestens 30.000 Menschen, die solange die Analysen nicht fertig sind, mit Trinkwasser versorgt werden müssen, möglicherweise noch lange Zeit, das ist ein großer logistischer Aufwand.

Standard: Ist die Katastrophe ein lokales Problem?

Hutter: Nein, denn die Schwermetalle können in die Nahrungskette gelangen, etwa sich in Fischen anreichern. Zwar rinnt kontaminiertes Wasser donauabwärts, doch könnten die Lebensmittel aus dieser Region damit auch in Kontakt kommen. (Karin Pollack, DER STANDARD; Printausgabe, 7.10.2010)

HANS-PETER HUTTER ist Oberarzt am Institut für Umwelthygiene der Medizinischen Universität in Wien.

  • Hans-Peter Hutter ist Oberarzt am Institut für Umwelthygiene der Medizinischen Universität in Wien.
    foto: bubu dujmic

    Hans-Peter Hutter ist Oberarzt am Institut für Umwelthygiene der Medizinischen Universität in Wien.

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