Auf der MS Riefenstahl ist die Hölle los

6. Oktober 2010, 18:44
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Mike Supancic präsentiert sein "Traumschiff Supancic"

Wien - Mike Supancic, der Kabarettist mit der E-Gitarre, bleibt seinem Erfolgskonzept "Radio Supancic", wie 2004 sein neuntes Programm hieß, treu: Er versieht eine überbordende Fülle bekannter Melodien, die er nur kurz anspielt, mit neuen Texten, um die ausufernde Rahmenhandlung kongenial zu illustrieren. In "Traumschiff Supancic" - Premiere war am Dienstag im Kabarett Niedermair - erzählt der Steirer von seinen Versuchen, diversen Fernsehsendern ein Drehbuch für die Serie "Das Traumschiff" zu verkaufen.

Der Ich-Erzähler ist zwar gerne bereit, sich den Niveaus der TV-Anstalten anzupassen. Doch seine Vorschläge werden allerorts abgelehnt. Denn heile Welt und Happy End gibt es nicht. Bei der Billigkreuzfahrt zum Beispiel muss man für alle Extras extra bezahlen, darunter für das Liegen auf den Liegen. Die Idee, auf der Donau mit lauter B-Promis zu schippern, lehnt selbst ATV ab. Nicht einmal mit "Das Braunschiff" - die MS Riefenstahl - vermag Supancic zu reüssieren. Obwohl an Bord wirklich die Hölle los ist: Man tauscht Verschwörungstheorien über Haiders Tod aus (war es gar die Schweizer Garde?) und besingt die gute, alte Zeit, als es noch keine Kebab-Standln gab.

Mit jedem neuen Drehbuch toppt sich Supancic selbst. In der letzten Variante, für Steinhof-TV geschrieben, gibt es als Bordprogramm ein skurriles Udo-Jürgens-Musical, in einer Kabine fristet der Synthesizer von Joe Zawinul sein trauriges Dasein, Missbrauchsopfer singen "Danke für diesen schönen Morgen" und am Kapitänstisch hält ein Steirer eine Rede, deren Inhalt keiner versteht. Süperb! Der Analyse von Herbert Prohaska ist beizupflichten: Es war wieder ein würdiges Spiel! (Thomas Trenkler/ DER STANDARD, Printausgabe, 7.10.2020)

 

  • Bleibt seinem Erfolgskonzept  treu: Mike Supancic
    foto: ludwig rusch

    Bleibt seinem Erfolgskonzept  treu: Mike Supancic

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