Unerwartete Entdeckung

Forscher stoßen auf bislang unbekannte Sprache

6. Oktober 2010, 18:17

"Koro" wird nur von 800 bis 1.200 Menschen gesprochen - seine Entdeckung beinhaltet auch historische Aspekte

Washington - In einer abgelegenen Gebirgsregion in Indien haben US-Wissenschafter eine Sprache entdeckt, die der Linguistik bis dato unbekannt war: Die "Koro" genannte Sprache existiere nur in mündlicher, nicht in schriftlicher Form, gaben die Forscher bekannt. Sie zähle zur tibetobirmanischen Sprachfamilie und werde nur noch von 800 bis 1.200 Menschen gesprochen. Obwohl alleine in Indien etwa 150 Sprachen dieser Familie existieren (im gesamten Verbreitungsgebiet von der Himalayaregion bis nach Südchina und Südostasien sind es mehr als doppelt so viele), konnten die Wissenschafter bei keiner dieser Sprachen eine enge Verwandtschaft mit dem Koro feststellen.

Die US-Wissenschafter um Gregory Anderson von einem Spracheninstitut in Oregon und Gary Harrison vom Swarthmore College in Pennsylvania hatten in Indien im Rahmen einer Untersuchung zur Sprachenvielfalt geforscht. Dazu hatten sie die abgelegene Region des nordost-indischen Staates Arunachal Pradesh ausgewählt, der für seine Sprachenvielfalt bekannt ist. Zunächst dokumentierten sie hier die beiden noch wenig bekannten Sprachen Aka und Sajalong bzw. Miji. Aus ihren Aufzeichnungen wurde aber ersichtlich, dass es auch eine dritte Regionalsprache gibt, die sich in Wort- und Satzbildung, in Vokabeln sowie auch in den Zahlen und Konzepten deutlich unterscheidet. Allerdings sind nur wenige Sprecher unter 20 Jahre, weshalb die Forscher die Entdeckung als "gerade noch rechtzeitig" bezeichnen.

Kulturelle und historische Aspekte

"Die Koro sind als Volk bekannt, nicht aber, dass sie eine eigene Sprache sprechen", erklärt Anvita Abbi, Linguistin an der Jawaharal Nehru University in New Delhi. "Viele kulturelle Elemente teilen sie mit den Aka-Sprechern. Auch die Gewänder der Koro sind auf dieselbe Art kunstvoll geschmückt und handgewebt", so die Expertin, die derzeit in Leipzig am Max Planck Institut für evolutionäre Anthropologie forscht. Auch im Sozialleben sind die Koro eng mit anderen Sprachgruppen verbunden, leben mit ihnen in gemeinsamen Dörfern und teilen Traditionen.

Eine Ursache für das Nebeneinander der verschiedenen Sprachen könnte in der Geschichte liegen: Aka gilt als Sprache der einstigen Sklavenhändler, weshalb vermutet wird, dass Koro die Sprache der Sklaven gewesen sein könnte. Die Bedeutung der Entdeckung geht daher weit über die Linguistik hinaus: Auch in historischer, mythologischer, technologischer und grammatikalischer Hinsicht dürfte das Koro eine ganze Reihe neuer Erkenntnisse bringen.

Viele Sprachen sind inzwischen vom Aussterben bedroht, auch weil sie nicht geschrieben werden und daher wenig erforscht oder dokumentiert werden können. Den Wissenschaftern zufolge verschwindet weltweit alle zwei Wochen eine Sprache: Demnach könnte die Hälfte der weltweit 6.909 erfassten Sprachen infolge von kulturellen Umwälzungen, politischer Unterdrückung oder aus anderen Gründen verschwinden. Das Koro soll nun in einem Audio-Wörterbuch dokumentiert werden. (APA/pte/red)

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17 Postings
Torado
00
8.10.2010, 17:51
Pi der Grieche
00
8.10.2010, 13:49
Wapuni

so heißt der Gruß der ebenfalls seltenen und vielleicht bald aussterbenden Sprache der Huaorani in Ecuador.
Diese Sprache wird ebenfalls nicht schriftlich weitergegeben und ähnelt keiner der Sprachen der umgebenden Völker.

Dr Don Tango
31
7.10.2010, 17:47

ugu dugu!

pipi pipifax
00
8.10.2010, 16:42

dummi, dummi don tango

falkenhayn
013
7.10.2010, 10:20

Seit ich eine Ausgabe der Zeitschrift Neon gelesen habe, dachte ich immer, Koro wäre die "irrationale Vorstellung, dass der eigene Penis schrumpfe oder sich in den eigenen Körper zurückziehe und man davon sterbe" - was für eine schreckliche psychische Störung :-) http://de.wikipedia.org/wiki/Koro

Jetzt steht Koro auch noch für eine aussterbende unbekannte Sprache und ein Volk ... Das Wort werde ich wohl nie mehr vergessen!

Boerd
00
8.10.2010, 17:43
ohne mich an den namen der

sendung erinnern zu können.
die sendung handelte von einem (ich glaube im papua neuguinea lebenden) waldvolk. die herren drücken ihren penis wirklich in das innere des (ihres) körpers. wieso weiß ich nicht - eventuell aus gründen der sicherheit :D

altbürgermeister
00
7.10.2010, 15:17

Einer tiefschürfenden Doktorarbeit steht ja nun nichts mehr im Weg. ;-)

Jeff Bloeff
02
7.10.2010, 10:41

Da sehen Sie, was Sie davon haben, Zeitschriften wie Neon in die Hände zu nehmen. :D

Neuer Nick neues Glück
11
7.10.2010, 09:23

Waren die in Meidling?

a grünes stricherl
 
01
7.10.2010, 09:42
Diesen klassischen blumigen wiener Teildialekt meinen Sie?

Der hat was. Wohingegen sächsisch .. naja, Schwamm drüber.

Neuer Nick neues Glück
07
7.10.2010, 10:45

Auf Sächsisch sind die Sprachforscher aber schon gestoßen, als sie das erste Mal nach Berlin fahren wollten und von den Grenzern mit den legendären Worten "Gänsfleisch mol 'n Köfforäum aufmöchn" begrüßt wurden.

h 90
00
7.10.2010, 17:03

Ich hatte mal eine Urlaubsbekanntschaft, Deutscher mit zweiter Fremdsprache Saechsisch. Weil das sein Arbeitskollege spricht.
Wenn er das nachgemacht hat: Zum todlachen. Ich hab immer mit wienerisch gekonntert.
Beide hatten wir nach 2 Wochen Bauchmuskeln wie ein Waschbrett vor lauter lachen.

Jürgen Rembremerding
03
6.10.2010, 20:47
Welche Uni hat als erste einen BA in

Koristik?

Kahuna
010
6.10.2010, 20:33
Suedsteirisch ist mit Koro verwandt

Sie sind doch der Rührer!
011
7.10.2010, 11:01

Ja klar, drum gibt's bei uns ja schon lange den Koro(lm)-Tunnel - ok, eher schwach :)

Nix da Smoothies! Obst trinkt man gebrannt
02
6.10.2010, 22:43

Wenn man die Lautverschiebung zu "Kourou" berücksichtigt, ist das doch offensichtlich!

knuffel
06
6.10.2010, 21:26
stand da

irgendwas von Belllauten? ;-)

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