Borovcanin wurde im Juni in erster Instanz zusammen mit weiteren sechs Angeklagten verurteilt
Den Haag/Belgrad - Der ehemalige, bosnisch-serbische ranghohe Polizist
Ljubomir Borovcanin ist vom UNO-Tribunal für Kriegsverbrechen im ehemaligen
Jugoslawien (ICTY) rechtskräftig zu 17 Jahren Haft verurteilt worden. Borovcanin
war zusammen mit weiteren sechs früheren Offizieren der bosnisch-serbischen
Streitkräfte im Juni wegen des Srebrenica-Massakers in erster Instanz verurteilt
worden. In seinem Fall hatte weder die Anklage noch die Verteidigung gegen das
Urteil berufen, das nun rechtskräftig geworden ist, meldeten Belgrader Medien.
Tribunalssprecherin Nerma Jelacic zufolge wird der ehemalige stellvertretende
Befehlshaber einer Sonderpolizei-Einheit in absehbarer Zeit in ein anderes Land
gebracht werden, um die Haftstrafe abzubüßen. Borovcanin hatte sich vor fünf
Jahren dem Haager Tribunal gestellt.
In demselben Prozess erhielten zwei weitere Angeklagte lebenslange Haft,
weitere vier Offiziere kamen mit Haftstrafen zwischen fünf und 35 Jahren davon.
Srebrenica war während des Bosnien-Krieges im April 1993 zur UNO-Schutzzone
erklärt worden. Am 11. Juli 1995 fiel das Gebiet in die Hände der
bosnisch-serbischen Truppen unter dem Kommando ihres Militärchefs Ratko Mladic.
Sie trennten unter Duldung niederländischer UNO-Soldaten die Frauen und Kinder
vom Rest der Bevölkerung und ermordeten in den folgenden Tagen zwischen 7.000
und 8.000 Männer und Buben. Das Massaker in Srebrenica gilt als schlimmstes
Kriegsverbrechen in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg. Mladic wird nach wie vor
vom UNO-Tribunal gesucht. (APA)