Als Fluglotse den Überblick behalten

6. Oktober 2010, 12:13
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Sein Job sei fast wie ein Computerspiel, erzählt ein Fluglotse bei der Nacht der Flugsicherung

Wien - Hintergrundmusik und Stimmengewirr schallen aus dem Hinterhof des großen Gebäudes der Austro Control im 3. Wiener Gemeindebezirk. Besucher aller Altersklassen sind gekommen, um die Nacht der Flugsicherung mitzuerleben. An Ständen kann man sich Informationen über die vielen Berufsmöglichkeiten holen. Großen Andrang finden der Radar- und Tower-Simulator, die Meteorologiestation sowie Experten vom Bundesheer und der Austro Control, die die Geräte und dazugehörigen Systeme erklären.

Das männliche Publikum überwiegt, was Friederike Vomela von der Personalplanung darauf zurückführt, dass sich Mädchen vielleicht die vorausgesetzten kognitiven Fähigkeiten nicht zutrauen. "Aber wenn man Talent hat, kann man das als Mädchen genauso machen", unterstreicht sie. Janina (16), Schülerin an der Graphischen, sieht das genauso. Sie will sich nach der Matura als Fluglotsin bewerben, weil der Beruf interessant sei, die Bezahlung stimme und sie gerne Verantwortung übernehme. "Wenn ich aber meinen Berufswunsch äußere, schauen mich die Lehrer meist schief an und fragen, was ich in dieser Schule mache", lacht Janina.

Auch direkt bei der Veranstaltung kann man sich - mit Lebenslauf und Maturazeugnis - für die Ausbildung bewerben. Bei einer Vorselektion werden räumliches Vorstellungsvermögen, Englisch und die motorischen Fähigkeiten getestet. Jedes Jahr werden rund 40 Trainees aufgenommen, die eine Ausbildung von drei Jahren absolvieren. Der Andrang ist groß.

Auch bei den Flugsimulatoren herrscht Gedränge: Hier ist Geschicklichkeit gefragt. Robert (14) fliegt seine Mission, als würde er schon fertiger Pilot sein. Seit er zehn ist, fliegt er mittels Flugsimulator die verschiedensten Strecken und kann sich keinen anderen Beruf als Pilot vorstellen. "Es macht mir einfach Spaß zu fliegen. Außerdem fotografiere ich gerne, und die Landschaft, die man beim Fliegen immer von oben sieht, bekommt einen noch größeren Reiz, sie abzulichten", schwärmt er. Auf die Frage, wie er mit der Verantwortung umgehe, die man als Pilot habe, meint Robert, dass diese zwar im Unterbewussten existiere, er aber selbst bei einem Viereinhalb-Stunden-Flug vor dem Simulator nicht daran denke, hunderte Menschen im Flugzeug zu haben.

Auch Sirichai Lerdwattanarak, Fluglotse in Ausbildung, ist sich der Verantwortung bewusst, die er mit sich trägt. Doch auch er denke bei der Arbeit nicht daran, sondern habe sich damit abgefunden, eine Art "Computerspiel" zu bedienen, sagt er, während er den Besuchern die Radarstation zeigt.

"Eigentlich wollte ich Pilot werden, bis mich ein Freund auf den Beruf des Fluglotsen aufmerksam machte. Ich dachte dabei immer an diejenigen, die die Flugzeuge mit Warnschildern zurechtweisen", schildert Lerdwattanarak. Doch Fluglotsen sind keineswegs die Flugplatzarbeiter, sondern diejenigen, die dem Pilot die Anweisung zum Start und zur Landung geben sowie das Flugzeug während des Fluges "verfolgen". "Es ist stressig, da man immer zwei Schritte im Voraus denken muss und nie den Überblick verlieren darf. Aber dafür ist es ein umso besseres Gefühl, wenn der Pilot genau das macht, womit man ihn beauftragt", sagt der angehende Fluglotse grinsend. Neben der Überflugskontrolle sind die Lotsen auch in der Flugzeugführung und der Arbeit im Tower tätig.

Den Gewinnern des Gewinnspiels vor Ort winkt schließlich eine Besichtigung des Towers in Schwechat, der eine gigantische Aussicht bietet. Ein hochmoderner Lift bringt uns 24 Stockwerke und 109 Meter in die Höhe. Auch bei Nacht ist der Flughafen hell erleuchtet, während das Licht im Turm gedämpft ist. Die Besucher beobachten das geschäftige Treiben hinter den Bildschirmen, und Supervisor Karl Reischl erklärt, warum seine Arbeit als Lotse nie eintönig werde: "Keine Situation gleicht der anderen."

Physikstudent Fabian (25) sieht das ähnlich: "Ursprünglich wollte ich Pilot werden. Aber bis auf den Abflug und die Landung ist es, als würde man acht Stunden am Tag vor dem Fernseher sitzen." Als Fluglotse sei man in einem stetigen Workflow, sagt Fabian, während er versucht, das Brausen des Windes auf der Aussichtsplattform zu überschreien.

Der Geruch von Kerosin liegt in der Luft, und die Flugzeuge, die gerade abheben oder landen, wirken hautnah. Für die Besucher heißt es nun, wieder in den Shuttlebus zu steigen. Das rege Treiben vor den Bildschirmen im Tower nimmt weiter seinen Lauf. (Aurora Orso, Selina Thale, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5.10.2010)

  • Die Simulation einer echten Tower-Situation erlebten Jugendliche bei ihrem Besuch bei den Fluglotsen der Austro Control. Einige durften auch auf den 109 Meter hohen Tower hinauf.
    foto: der standard/zak

    Die Simulation einer echten Tower-Situation erlebten Jugendliche bei ihrem Besuch bei den Fluglotsen der Austro Control. Einige durften auch auf den 109 Meter hohen Tower hinauf.

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