Verkehrspsychologie

Alkohol am Steuer: Abschreckung ist nutzlos

6. Oktober 2010, 10:40

Bilder von Alkoholtoten im Straßenverkehr werden verdrängt

Wien  - Autofahrer, die sich auch nach dem Konsum von Bier oder Wein hinters Steuer setzen, lassen sich von Bildern der schrecklichen Folgen von Alkoholunfällen nicht beeindrucken. "Weder entsprechende Medienkampagnen noch Verkehrscoaching ändern das Verhalten", erklärt Werner Ortner, Leiter der Fachsektion Verkehrspsychologie beim Berufsverband der Psychologen. Sechs renommierte verkehrspsychologische Einrichtungen haben dazu eine entsprechende Studie durchgeführt.

Verdrängung

Schuld daran ist das Verdrängen. "Aggressive Inhalte verdrängen wir aus Selbstschutz aus dem Bewusstsein, sobald sie unserem Verhalten widersprechen", so Ortner. Nur so gelinge es, täglich in der Zeitung von Unfällen mit Alkohol zu lesen und trotzdem Lust am Autofahren zu verspüren. Ausreden werden gesucht, etwa "es wird eh nix passieren", "andere tun es ja auch" oder "ist ja nur ein kurzes Stück". "Man schützt sich damit vor Schuldgefühlen, genau wie sich Raucher trotz erwiesenem Zusammenhang von Rauchen und Lungenkrebs gerne an Bekannte erinnern, die trotz Zigarette alt wurden." Zusätzlich wirkt der Alkohol bereits ab geringen Mengen besonders auf das Großhirn und vermindert somit die Kritikfähigkeit und den klaren Kopf.

Medienkampagnen ohne Wirkung

Anlass der Studie ist die Strafverschärfung für Alkohol-Fahrer, die in Österreich vor einem Jahr in Kraft getreten ist. So droht seither bei 0,8 bis 1,19 Promille Führerscheinentzug und ein vierstündiges Verkehrscoaching, bei dem abschreckende Unfallbilder gezeigt werden. Erst von 1,2 bis 1,6 Promille gibt es zusätzlich Nachschulungen mit Verkehrspsychologen im Ausmaß von 15 Einheiten, darüber hinaus zusätzlich auch eine amtsärztliche und verkehrspsychologische Untersuchung. Eine Medienkampagne sollte die abschreckende Wirkung erhöhen. Ohne Erfolg, wie die Forscher in einer Befragung zeigten, und auch die Statistik gibt ihnen Recht. Die Verkehrsunfälle gingen insgesamt um 5,4 Prozent zurück, jene mit Alkohol im Spiel nur um 1,3 Prozent.

Psychologen starten Reflexionsprozess

Die Experten drängen darauf, dass Psychologen schon ab 0,8 Promille eingebunden werden. "Viele Lenker mit diesem Alkoholgehalt haben bereits eingeschliffene Trinkfahrgewohnheiten. Manche sind gesellschaftliche Trinker, bei manchen gibt es das Problem über den Straßenverkehr hinaus. Man muss hier natürlich auf den Einzelnen eingehen", erklärt Ortner. Der Verkehrspsychologe könne mit seinem "speziellen Handwerkszeug" einen Reflexionsprozess bei den Kursteilnehmern starten und eine entsprechende Einstellungs- und Verhaltensänderung bewirken.

Gesellschaftliches Umdenken müsse jedoch umfassender sein und schon im Kindes- und Jugendalter ansetzen. "18-Jährige verstehen nicht, dass Alkohol zwar stets bagatellisiert wurde, in Verbindung mit dem Auto jedoch plötzlich ein Problem darstellt", so der Verkehrspsychologe. Zielführend sei Suchtprävention, die den Schwerpunkt auf positive Aspekte legt, nach dem Motto "cool, lässig, erfolgreich und attraktiv - das ohne Alkohol!" Bei der Jugendarbeit und im Gesundheitsbereich habe man dies zum Glück schon erkannt.

Kriminalisieren bringt Probleme

Das deutsche System ist ähnlich, wobei die Nachschulungen "Aufbauseminare" heißen und der Führerscheinentzug länger dauert. Bei der medizinisch-psychologischen Untersuchung (MPU) ist die Nichteignungsquote deutlich höher, sodass vielen Lenkern die Lenkberechtigung nicht wiedererteilt wird.

Für Ortner ist auch das kein wünschenswerter Zustand. "Ein Alkoholproblem ist eine Erkrankung und sollte nicht kriminalisiert werden. Längerdauernde Führerscheinentzüge wirken sich natürlich auf die Erwerbsfähigkeit aus und führen zu sozialen Schädigungen. Ziel sollte sein, dass das problematische Alkoholkonsumverhalten behandelt und der Lenker wieder in den Straßenverkehr integriert wird. Ohne Perspektive, ohne Arbeit und Aussicht auf den Führerschein fehlt auch ein Grund, die Flasche endgültig wegzustellen." (pte)

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Posting 1 bis 25 von 30
1 2
Kapitalismus Luege
11
7.10.2010, 10:17
wie kommt der Spiegeltrinker in die Arbeit?

Wenn man alle aus dem Verkehr zieht steht Oesterreich.

geordie
00
6.10.2010, 23:15

das einzige, das wirklich etwas bringt, sind harte Geldstrafen, langer Führerscheinentzug, und im Härtefall Haftstrafen. Man muss die Übeltäter dort treffen, wo es ihnen unmittelbar wehtut: Im eigenen Geldbörsel oder bei der eigenen Freiheit.

Grausliche Bilder sind zwar schön und gut, aber die vergißt man schnell wieder. Ist bei den Tschickpackerln ja genauso: Kenne nicht einen einzigen Raucher, der sich durch "Rauchen tötet" in Blockbuckstaben oder Bilder von verkohlten Lungen auf den Packerln auch nur ansatzweise abschrecken läßt!

Poldi Fesch
00
13.2.2012, 18:38
vor allem muesste

man sie treffen

aRoma
01
7.10.2010, 11:08
Alkohol hilft beim Verdrängen!

Aber so eine Gruppentherapie vor möglichst vielen Leuten ist auch abschreckend (Peinlichkeitsfaktor).

Außerdem gehörten die Alkolenker öffentlich an den Pranger gestellt (zB ein monatliche Liste in der Tageszeitung)

Ceterum Censeo2
04
6.10.2010, 18:53
Wer alkoholisiert Auto fährt begeht vorsätzliche Gemeingefährdung

Das ist kriminell und sollte entsprechend geahndet werden

Da ist es mir lieber, als Spaßbremse zu gelten und dafür wird viel Leid verhindert.

jade
00
13.10.2010, 13:46
ICD-10

Ein AlkoLenker /Raser ist lebenslang ein Solcher.
daher: Führerscheinentzug ( 6monate- Lebenslängl.)
+ 4stellige Strafe + Vormerkung + Sachwalter.
Vorausetzung zur Wiedererlangung der Lenker berechtigung: FS.Befristung (oder neu) 5-10Jahre, PS begrenztes Kfz.regelmässige psycholog kognitive Beurteilung ähnlich einer Bewährungauflage. Daher meine ich: Erst wenn die Mündigkeit dieser LenkerInn auf dem Spiel steht, wird sich in den Köpfen etwas bewegen.

aRoma
03
7.10.2010, 11:10
ja, aber

wer nur mit Alkohol Spaß haben kann, gehört in die Psychiatrie

geordie
11
8.10.2010, 09:45

also ca. 90% der österreichischen Bevölkerung?

aRoma
10
8.10.2010, 09:54
sagen wir 90 % der Bevölkerung >14 Jahre

fischkopp
05
6.10.2010, 14:42

Nach Alkoholkosum gilt - Hände weg von Gaspedal !

aRoma
03
7.10.2010, 11:11
wer so besoffen ist, dass er die Hände zum Gasgeben braucht

gehört aus dem Verkehr gezogen

misanthropie
01
6.10.2010, 13:48
"Ein Alkoholproblem ist eine Erkrankung und sollte nicht kriminalisiert werden. Längerdauernde Führerscheinentzüge wirken sich natürlich auf die Erwerbsfähigkeit aus und führen zu sozialen Schädigungen.

zwecks verhältnismässigkeit und gleichberechtigung:
das muss auch für alle anderen giftE/drogen gelten..

aRoma
02
7.10.2010, 11:13
dann haben wir sehr viele kranke in Ö

bin für Sozialversicherungssteuer auf Alkohol

markusM.
00
6.10.2010, 15:50

nicht unbedingt. die gesetzgebung hat in dem fall das problem, dass die gesetzgebung festgelegt hat, dass alkohol legal ist.

markusM.
01
6.10.2010, 13:09

es wird ja nicht das alkoholproblem kriminalisiert, sondern das fahren unter alkoholeinfluss und das muss es nicht erst werden, weil es schon kriminell ist. warum muss überhaupt akohol am steuer erlaubt sein? ich kann doch auch stocknüchtern von einer party nach hause fahren und wegen einem bier brauch ich nicht anzufangen.
jemand der alkoholkrank ist, ist sowieso nur bedingt erwerbsfähig, ob mit führerschein oder ohne. das kann man also kaum als grund anführen. die soziale schädigung sollte dadurch schon entstehen, dass ich betrunken fahren will und nicht erst dann, wenn ich keinen führerschein mehr habe. das gilt auch für die personen, die mich in entsprechendem zustand nicht vom fahren abhalten.

Linkslinke Atheistenhippiegruftiehobbitpunkemanze
00
6.10.2010, 20:57

ich kenn einige Alkoholiker die ihr Privat- und Berufsleben hervorragend meistern. Das kann Jahre, sogar Jahrzehnte gutgehen, ohne dass es außer der engeren Familie wer merkt.

santa fe
 
08
6.10.2010, 12:59

alkohol verdrängt die gesamte realität. und wir leben in einer alkohol-"kultur". deshalb ist in wirklichkeit alles kaputt.

Möchtegern der goldenen Zeit
01
6.10.2010, 15:45
Danke!

Peter Widzky
01
6.10.2010, 12:57
da die unfälle die wirklich auf alkohol zurückzuführen sind

alle bei werten > 1 promille passieren, sollte man die kirche im dorf lassen und nicht wieder dem alarmismus frönen.

der brave kamel
02
6.10.2010, 11:05

einmal ueber 0.5 und fuehrerschein auf lebenszeit weg. ende der debatte. wer das saufen nicht lassen kann, wenn er faehrt, hat im strassenverkehr nichts verloren.

El Bulli
11
6.10.2010, 15:26

lustig. ungefähr die gleichen leute, die am liebsten cannabis freigeben würden, bei jeder gelegenheit den repressiven staat beklagen und noch in jedem terroristen ein opfer des kapitalistischen gesellschaftssystems sehen, lassen beim thema "alkohol am steuer" den hardliner raushängen, gegen den sogar donald rumsfeld wie ein 68er-hippie wirkt.

Peter Widzky
10
6.10.2010, 16:15
das eigentliche problem ist

dass es den leuten zu gut geht.

die essentiellen sorgen sind weg, jetzt suchen die immer mehr werdenden hardliner ein neues dampf-ablass-ventil...

und btw.: ja zur cannabis freigabe, weniger reglementierung, es ist schon viel zu viel bis ins kleinste detail gesetzlich geregelt.

Dr. Heloise Silberberg
01
6.10.2010, 14:25
Alolol makst disysipiniert !

Stimme dem zu, könnte mir aber auch 0.0 Promille vorstellen.

rica s.
10
6.10.2010, 14:43

...dann dürfen Sie aber kein Apferl vorm Autofahren essen - das gärt nämlich im Magen auch: schon sind Sie über 0,0 Promille und weg ist der Zettel.

markusM.
01
6.10.2010, 16:06

während der probezeit haben sie auch 0,0 und ich hätte noch nicht davon gehört, dass jemand wegen eines apfels der schein genommen wurde.

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