Vorfälle aus den 60-er Jahren in katholischem Internat in Graz
Wien - Der Republik Österreich droht, wie DER STANDARD berichtete, erstmals eine Klage wegen sexuellen Missbrauchs in der Katholischen Kirche in einem verjährten Fall. Der Steirer habe laut Ö1-Morgenjournal auch seine Pensionierung abgewartet, um rechtliche Schritte zu setzen.
Ein heute 60-jähriger Mann soll als Zwölfjähriger von einem leitenden Geistlichen in einem von der Kirche geführten Internat in Graz missbraucht worden sein. Der Mann fordert 686.875,49 Euro für den erlittenen Schaden, der sein Leben zerstört habe, erklärte die Anwältin des Mannes, Vera Weld.
Der Kläger war durch seine Erlebnisse etwa nicht in der Lage, sein Studium
erfolgreich zu absolvieren. Die Forderung sei nach einem Parallelstudenten des Betroffenen berechnet, der das Studium an der
Technischen Universität zur gleichen Zeit begonnen und auch abgeschlossen hatte. Allein 100.000 Euro habe der Kläger für Therapien aufbringen müssen. Er habe einen Selbstmordversuch überlebt und sei beruflich stark beeinträchtigt gewesen.
Für die Juristin existierten "Sonderprivilegien für die katholische
Kirche durch das Konkordat" mit dem Vatikan. Die Klage gegen die
Republik ergebe sich daraus, dass jemand haften müsse, wenn Fehler im
System passieren. Der Staat habe eine Verantwortung gegenüber Jugendlichen auch in kirchlichen Einrichtungen. Aus diesem Grund soll das Opfer auch entschädigt werden, obwohl der Fall eigentlich verjährt sei. Wenn die katholische Kirche sich völlig der Kontrolle entziehen könne, dann seien die rechtlichen Hintergründe hinterfragenswürdig.
Die Republik Österreich hat drei Monate Zeit, darauf zu reagieren. Eine Stellungsnahme zum Fall will man noch nicht abgeben. (APA,red, derStandard.at)