Mehr Saat für eine bessere Ernte

5. Oktober 2010, 20:19
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Eine Expertenrunde sprach über Forschungspolitik in Österreich - und war sich einig, dass weniger Geld für Forschung und Entwicklung fatale Folgen für die Zukunft des Landes hätte

Wenn es um die österreichische Forschung geht, wird Hannes Androsch gern grundsätzlich: "Wer nichts sät, wird nichts ernten". Mit dieser "agrarischen Weisheit" blickte der Industrielle am Dienstag im Rahmen der parlamentarischen Enquete "Wie viel Strategie braucht Forschung?" in die Zukunft der Forschungsförderung in Österreich. Angesichts der Finanzierungspläne der Regierung, die eine "moderate" Kürzung der Budgets vorsehen, ist Androschs Sprachbild nicht allzu weit hergeholt. "Wir verspielen die Zukunft, wenn kein anderer Weg eingeschlagen wird", sagte der Aufsichtsratschef des Austrian Institute of Technology (AIT).

Dass die Mittel knapp sind und knapp bleiben, weiß aber auch Androsch, der zuletzt von Verkehrsministerin Doris Bures auch in den neu zusammengesetzten Rat für Forschung und Technologieentwicklung berufen wurde. Deswegen schlug er während der von den Grünen organisierten Enquete inhaltliche Schwerpunktsetzung vor. Man brauche "lokal kritische Masse und global eine Netzwerkstruktur". Ein Sparkonzept, das schon dem Austrian Institute of Technology auferlegt wurde, als es noch Austrian Research Centers Seibersdorf hieß und in den roten Zahlen war. Heute verbucht das AIT Gewinne. Androsch plädierte wie so oft auch für den Ausbau des Kompetenzzentrumsprogramms Comet, meinte, dass die wissenschaftliche Forschung in den letzten Jahren zu kurz gekommen sei - und wiederholte schließlich einen weiteren, von ihm schon mehrfach gehörten Wunsch: Eine unbürokratische Erhöhung der Forschungsprämie von acht auf zwölf Prozent, um den Unternehmenssektor in der Forschung weiter zu stärken.

Dem konnte der Ökonom Andreas Schibany von Joanneum Research wenig abgewinnen. Die Förderpolitik sei im Unternehmensbereich in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich gewesen, sagte er. Es sei logisch, sich einem Sektor zu widmen, in dem Österreich vergleichbaren Staaten wie der Schweiz weit hinterher hinke, der Grundlagenforschung. In einem anderen Zusammenhang meinte der Wissenschafter schon, zwölf Prozent Forschungsprämie würden einige wenige große Unternehmen stärken, aber nicht die Mehrzahl der kleinen und mittleren Unternehmen.

Von der hinterherhinkenden Grundlagenforschung konnte auch Hans Sünkel, Präsident der österreichischen Universitätenkonferenz (Uniko), ein Lied singen. Man sei weit vom Ziel entfernt, ein Prozent des BIP im Jahr 2020 für Grundlagenforschung auszugeben. Derzeit liege man bei 0,4 Prozent. Auch Sünkel plädierte für Schwerpunktsetzung. "Wir müssen uns darauf konzentrieren, was wir können und wo wir eine kritische Größe erreichen." Vielleicht würde auch die vom Mathematiker Bruno Buchberger, dem Gründer des Softwareparks Hagenberg, geforderte Internationalisierung naturwissenschaftlicher Studien, die Lage der Grundlagenforschung verbessern. Österreich müsse ein F&E-Einwanderungsland werden, die Studiensprache sollte Englisch werden. Die bürokratischen Hindernisse beim Zuzug von Wissenschaftern und ihren Familien seien hierzulande noch immer viel zu groß. Buchberger bezeichnete die USA als vorbildhaftes F&E-Einwanderungsland.

Dort ist aber auch das gesellschaftliche Innovationsklima deutlich besser als hierzulande. Rahel Falk vom Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) präsentierte eine Reihung, wonach Österreich abgeschlagen hinter Staaten liege, die weniger vom BIP für F&E ausgeben. Sie sieht angesichts der Krise in Österreich ein Zögern bei der Umsetzung von Forschungspolitik, aber ein rasches Handeln bei Konjunkturpaketen - die im Vergleich zu anderen Staaten nur wenig mit Zukunftsinvestitionen zu tun hatten. (pi/DER STANDARD, Printausgabe, 06.10.2010)

 

  • Moderatorin Sigrid Pilz (Die Grünen), Bruno Buchberger, Rahel Falk, Hans Sünkel lauschen den Worten von Hannes Androsch.
    foto: standard/corn

    Moderatorin Sigrid Pilz (Die Grünen), Bruno Buchberger, Rahel Falk, Hans Sünkel lauschen den Worten von Hannes Androsch.

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