Hundstrümmerl bis Bettelei

Linzer Stadtwache im Test - Auch "brenzlige" Situationen

5. Oktober 2010, 19:36

Linz - Pseudo-Polizei, Hundstrümmerl-Force, Anti-Bettler-Kommando - der "Kreativität" der Gegner waren in der Debatte um die Linzer Stadtwache keine Grenzen gesetzt. Doch trotz massiver Proteste und dem letztlich gescheiterten Versuch, die Stadtwächter mittels Unterschriftenaktion zu verhindern, gehören die Ordnungshüter mit dunkler Kappe, roter Jacke und schwarzer Hose nun seit 1. September zum Stadtbild. 30 Tage später war es für die politischen Initiatoren nun Zeit, eine erste Bilanz zu ziehen - die erwartungsgemäß positiv ausfiel.

Zwei "brenzlige" Situationen

"Meiner Einschätzung nach sind die ersten Tage gut verlaufen, bis auf wenige Vorfälle, die öffentliches Interesse erweckt haben", zeigt sich der Linzer Bürgermeister Franz Dobusch (SP) zufrieden. Konkret habe es zwei "brenzlige" Situation gegeben. Dobusch: "Eine Bedrohung mit einem Messer und einen Kopfstoß eines Schwarzfahrers. Beides ist aber glimpflich ausgegangen."

472 Mal im Einsatz

Insgesamt waren die 16 Mitarbeiter des Ordnungsdienstes im letzten Monat 472 Mal im Einsatz. Am häufigsten hatten es die Wächter mit illegalen Müllablagerungen zu tun (152 Fälle). An zweiter Stelle folgten Service und Information mit 122 Aufzeichnungen sowie Verstöße gegen Leinen- und Beißkorbpflicht mit 95. Illegale Bettelei schlug mit 61 Fällen zu Buche, 52 davon in der Innenstadt. Fünfmal galt es eine Verschmutzung durch Hundekot zu beanstanden.

Per pedes oder mit Öffis unterwegs

Hauptsächlich in der Innenstadt und in Urfahr sei der Ordnungsdienst präsent, dort seien 350 Fälle aufgezeichnet worden, bilanziert Sicherheitsstadtrat Detlef Wimmer (FP). Für ihn habe sich "das Konzept des Gutzuredens bewährt" und die Mitarbeiter hätten auch in brenzligen Situationen "im Sinne der Vorgaben" reagiert. Jeder Stadtwächter muss übrigens seine täglichen 20 Kilometer per pedes oder mit den Öffis bewältigen. Dobusch: "Die Leute müssen präsent sein, da bringt ein Auto nichts." Ob sich nun das Sicherheitsgefühl gesteigert hat? Dobusch: "Das traue ich mir jetzt noch nicht zu sagen."

Personaldebatte

Doch abseits der roten-blauen Harmonie rund um ein sicheres Linz birgt das Thema Stadtwache nach wie vor politischen Diskussionsstoff. So ist Dobusch weiter strikt gegen den von VP und FP geforderten Pfefferspray für die Stadtwache: "Wenn ich mir die bisherigen Einsätze anschaue, sehe ich keinen Bedarf für einen Pfefferspray."

Aufstockung noch unklar

Offen scheint auch noch der künftige Personalstand zu sein. Fixiert wurden von Rot, Schwarz und Blau per Gemeinderatsbeschluss dreißig Ordnungshüter. Aktuell patrouillieren 16 Personen, 18 sollen es bis Ende Oktober sein. Aber: "Über die geplante Aufstockung auf 30 Personen werden wir noch reden müssen, da gibt es sicher noch einiges zu diskutieren", glaubt Dobusch. (mro, DER STANDARD Printausgabe 6.102010)

Kommentar posten
17 Postings
der Soudis
16
6.10.2010, 10:33
irre geldverschwendung

Die Stadtwache kostet fast 2 Millionen € im Jahr, vergleicht man das mit dem Budget von zB dem Sozialverein B37, der zig Anlaufstellen für Obdachlose in der Stadt betreut (Notschlafstelle, Übgergangswohnheim Schumannstrasse, Alkoholberatungsstelle, ALOA, ...), mit Streetworkern wirklich konstruktiv arbeitet und jedes Jahr vielen Menschen hilft wieder auf die Füsse zu kommen, die bekommen nur gut 2 mal so viel wie die paar sinnlosen Hanseln von der Stadtwache. Nicht dass man das geld jetzt einfach ins B37 stecken soll, aber das zeigt was mit dem Geld eigentlich gutes passieren könnte! Wenn der Dobuch wirklich sozial wäre, dann würde er so einen Blödsinn nicht zulassen!

(°)(°)
00
6.10.2010, 14:06
Mit

dem Geld könnten wir alle unser Obdachlosen in Saus und Braus auf Phuket leben lassen!

(°)(°)
01
6.10.2010, 08:26
Besser wäre

ein Assistenzeinsatz des Heeres in Linz!

Gehoarg
21
6.10.2010, 07:40
Letzten Samstag vormittag...

...habe ich sie zu dritt (!) auf dem Linzer Südbahnhofmarkt gesehen - ist ja durchaus ein gefährliches Pflaster voller Randalierer! ;-)

Lexibald
11
6.10.2010, 08:58
Naja, gefährlich

hohe Preise beim Gemüsestand vielleicht?
Oder gefährlich niedriges Niveau beim Arcimboldo?

Susanne_B
22
6.10.2010, 08:53

Na bitte - ein Kopfstoß. Die Herren leben mindestens so gefährlich wie zB eine Frau im Bikini in Afghanistan. Und Sie machen sich über diese Helden lustig. Schämen Sie sich!

TanteMitzi
00
6.10.2010, 02:43
Kreatives Denken

Wir dürfen uns Ausdenken, was das Foto mit dem Beitrag zu tun hat.

TanteMitzi
00
6.10.2010, 03:04

Hat schon gewirkt: "brenzlig" abgeleitet von "brennen"; "verbrannt riechen"

faust
01
5.10.2010, 23:44
"service und information"

zählt da auch dazu, touristen den weg zu erklären oder leuten beim wili/vor/öbb-automaten zu helfen? dann hab ich als ziviler an einem normalen tag in wien schon eine handvoll einsätze zu "service und information"...

Cavaliere Huscher
00
13.10.2010, 09:55

vor in Linz?

herr berthummler
02
5.10.2010, 22:31
als deklarierter gegner

der stadtwache (ordnungsdienst) hab ich durchaus auch einiges interessant positives über die jungs und mädels gehört (münzen an bettelnde punks, freundlichkeit, ...)

nichts desto trotz finde ich es rein ideologisch nach wie vor äußerst bedenklich, diese pseudo-uniformierten (btw: die anzüge hätte man optisch auch hübscher gestalten können) bei einem fpö-sicherheitsstadtrat angesiedelt zu sehen.

wer weiß, was da noch kommt...

Gerhard Blab
 
00
5.10.2010, 22:23
1 Einsatz pro Mann und Tag

Angesichts der (verfassungrechtlich bedingten) minimalen Befugnisse dieses Ordnungsdienstes und der ebenso marginalen Einsatzzahlen frage ich mich, ob man die Million Euro nicht für Besseres verwenden hätte können.

verinus
00
6.10.2010, 10:32

sicher sogar: indem man echte polizisten eingestellt hätt ;)

theEdge
 
00
5.10.2010, 21:13

Und was genau dürfen die jetzt? Welche Rechte haben sie?

Susanne_B
01
6.10.2010, 08:54

Sie dürfen böse schauen.

Der sich den Wolf tanzt
01
6.10.2010, 00:33
wenn sie sich eine schwarze hose und eine rote jacke anziehen...

dürfen sie genausoviel wie die stadtwache.

gut, man muss dazusagen: wenn sie eine gelbe strumpfhose, ein grünes jackerl mit rosa elefanten anziehen und eine narrenkappe mit glöckchen aufsetzen... sind sie mit denselben rechten und pflichten ausgestattet!

rrudi
00
5.10.2010, 22:01

dieselben wie jeder andere Einwohner auch.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.