Drohnen-Krieg gegen einen Bienenstock

5. Oktober 2010, 18:37

Mit unbemannten Flugzeugen führen die USA praktisch weltweit einen geheimen Krieg gegen Terrorverdächtige. Er wurde von Präsident George W. Bush begonnen und von Nachfolger Barack Obama ausgeweitet.

Im CIA-Jargon heißen sie rückwärtige Bediener. Sie sitzen in einem hochgesicherten Raum in der Geheimdienstzentrale in Langley, den Blick auf eine Wand von Monitoren gerichtet, eine Hand am Joystick. Während ein unbemanntes Flugzeug rund um die Uhr Bilder liefert, nachts via Infrarotkamera, können sie die Drohne steuern wie bei einem Videospiel. Das Objektiv holt Gehöfte irgendwo in den kahlen Bergen Pakistans so nah heran, dass sich Gesichter erkennen lassen. Glauben die rückwärtigen Bediener, die gesuchte Person gefunden zu haben, schießen sie per Knopfdruck eine Hellfire-Rakete ins Ziel.

Es ist eine Kriegführung, die skeptische Beobachter von einer Play-Station-Mentalität sprechen lässt. Die Akteure riechen keinen Pulverdampf, sehen kein Blut und brauchen keine direkte Gegenattacke zu fürchten. Allein die riesige Entfernung, geben Kritiker zu bedenken, dürfte die Hemmschwelle vor dem Knopfdruck erheblich senken. Für CIA-Chef Leon Panetta dagegen sind die ferngesteuerten Drohnen die beste Waffe im Ringen mit Al-Kaida.

Was nach dem Terrorschock des 11. September 2001 begann, ist heute Routine. Allein im vergangenen September, berichtet die New York Times, startete die CIA 21 Drohnen-Attacken, mehr als je zuvor in einem Monat. Die Ziele lagen zumeist in Wasiristan, dem zerklüfteten Bergland im Nordwesten Pakistans, wo Stammesführer herrschen und wo Osama Bin Laden Unterschlupf gefunden haben soll.

Hochbrisante Mission

Wie heikel die Mission ist, ist jedem Politiker am Potomac klar: Eine US-Regierungsbehörde bedient sich fliegender Roboter, um gezielt zu töten, in einem Land, mit dem die USA nicht im Krieg stehen. Offiziell gilt Pakistan als Verbündeter.

Genau genommen gibt es zwei Arten von Drohnen-Einsätzen. Bei der einen macht das Militär Jagd auf Aufständische in Afghanistan und im Irak. Die andere hat Terrorverdächtige im Visier. Nicht das Pentagon führt dabei Regie, sondern die CIA, unter dem Mantel tiefster Verschwiegenheit. Die Geheimdienstler erklären nicht, wen sie warum auf die Abschussliste setzen, wer den Befehl zum Feuern gibt, wie viele Menschen getötet wurden. Nach Schätzungen der New America Foundation, einer Denkfabrik in Washington, sind es 750 seit 2006, unter ihnen 250 unschuldige Zivilisten. Dabei hat der Geheimdienst nicht nur Al-Kaida-Terroristen im Visier, sondern auch Talibankämpfer und Rebellen, die der pakistanische Präsident Asif Ali Zardari als Bedrohung versteht. "Viele Ziele werden von den Pakistanis nominiert, damit die kooperieren", weiß Bruce Riedel, ein früherer CIA-Offizier, der Barack Obama kurz nach dessen Amtsantritt ein Antiterrorkonzept vorlegte.

Vor 9/11 wurden Drohnen nur zur Aufklärung eingesetzt. Dann erteilte George W. Bush seinem Auslandsgeheimdienst die Vollmacht, praktisch überall in der Welt Jagd auf Mitglieder und Komplizen von Al-Kaida zu machen. Der Kongress segnete den Einsatz ab, worauf sich das Weiße Haus noch heute beruft. Barack Obama ließ das rechtlich umstrittene Programm nicht nur weiterlaufen, er weitete es spürbar aus.

Indessen können nur acht Prozent der pakistanischen Bevölkerung den Operationen etwas Gutes abgewinnen. Und auch in Washington fürchten Antiterrorexperten, dass es am Ende mehr Schaden anrichtet als Nutzen bringt, schon wegen seiner Fehlerquote. "Es ist, als wollte man einem Bienenstock den Garaus machen, Biene für Biene", sagt Riedel. Das Problem sei, dass der Bienenstock dennoch - oder gerade deshalb - immer mehr Bienen produziere.  (Frank Herrmann aus Washington/DER STANDARD, Printausgabe, 6.10.2010)

Kommentar posten
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Brücke
21
6.10.2010, 19:44

T.Error = Total Error

égalité, fraternité
67
6.10.2010, 19:29
So ist es richtig:

Diese "chirurgischen" Eingriffe könnten der Schlüssel
zur Vernichtung des Terrornetzwerks sein.

Irgendeinen Verräter gibt es immer wieder unter ihnen und schon sind sie durch die Drohen unschädlich gemacht, ohne dass auch nur ein Soldat gefährdet wird!

Bitte Bitte
32
7.10.2010, 02:10
Die USA ist gerade intensiv bemüht online Zugriff

auf Ihre Polizei- und biometrischen Daten zu erhalten, um jederzeit entscheiden zu können, ob Sie, ein Mr.Tuttle oder Buttle oder so ähnlich gefährlich sind oder nicht.

Aber keine Angst. So zuverlässig, wie man tut, ist weder die Technologie noch der Mann am Joystick:

Tragen Sie eine Schirmmütze und glotzen Sie nicht dumm in den Himmel und die Gesichtserkennung kann sich brausen. Vermeiden Sie Kontakte. Die Chancen, dass es eher Ihren Nachbarn oder gar Ihre Erbtante trifft, stehen damit schon sehr gut.

Die beiden Videos kennen Sie ja:

http://www.youtube.com/watch?v=n... re=related

http://english.aljazeera.net/news/midd... 26667.html

Übrigens ein Einsatz ohne offiziellen Kolateralschaden ;-)

short cut
34
6.10.2010, 20:29
eaglite, fraternite

Mit weiterfuehrenden Links:
http://www.radio-utopie.de/2010/06/0... ten-toten/
Der Einsatz von Drohnen zum Toeten ist FALSCH !
Eine moderne Spielart des Terrors.

Fritz Wunderlich
61
7.10.2010, 09:59

das radio zur täglichen entschuldigung des islamistischen terrors, der selbstverständlich einer der cia ist, laut daniel neun, ein exemplarischer querfrontler zwischen rechts- und linksextrem und apologet der mittalalterlichen moolahs

dass antisemitismus und antiamerikanismus dort jeden tag abgefeiert werden, gehört zum selbstverständnis der neuen sa im deutschsprachigen internet
siehe die postings bei dem angegebenen link

und auch sein interview mit eng verbündeten islamisten
http://www.muslim-markt.de/interview... 9/neun.htm

short cut
21
7.10.2010, 19:47
@Fritz Wunderlich

Na, vielleicht hilft ihnen dieser Link ihrem eindimensionalen Deken weiter.
http://www.humanrights.ch/home/de/I... ntent.html
Mit der Toetungsmaschine Drohne werden die Menschenrechte weiter erodiert. Denken sie vorher nach, bevor sie ihre ueblichen Keulen schwingen (Nazi haben sie uebrigens vergessen).
Schoenen Tag.

Fritz Wunderlich
00
7.10.2010, 20:23

http://derstandard.at/128098407... -Abzug-aus

und was ist mit ihren menschenrechten?
wann verurteilen sie nur einmal wenigstens die islamisten?

Fritz Wunderlich
10
7.10.2010, 20:22

die menschenrechte zu verteidigen, heißt sie zuerst durchzusetzen
wer kann das?
islamisten kennen nicht einmal bürgerrechte

short cut
00
7.10.2010, 22:06
@Fritz Wunderlich

Das die radikalen Islamisten eine andere Rechtsauffassung haben und Menschenrechte mit Fuessen treten ist nicht von der Hand zu weisen, aber gerade deshalb sollten sich die westlichen Demokratien nicht auf diese Ebene begeben.
Es muss ein anderer Weg gefunden werden, sonst findet diese Gewaltspirale kein Ende. Einfaches schwarz/weiss Denken ist dabei kein Loesungsansatz.
GWB ist dafuer exemplarisch, wer nicht fuer uns ist, ist gegen uns. Durch diese Politik kam es zur Ausweitung des Terrors und Kritiker der US-Politik wurden zu Symphatisanten des Terrors stigmatisiert.

Fritz Wunderlich
20
8.10.2010, 13:28

welchen weg zur durchsetzung von zumindest einmal bürgerrechten schlagen sie denn vor???

Fritz Wunderlich
10
8.10.2010, 17:18

tja, das rote stricherl ist sicherlich das einzige, was sie anbieten können
was nicht weiter verwundert, denn ihre nähe zur fpö-denke (gudenus) ist ja klar
http://derstandard.at/plink/128... id18413460

Durus
 
00
6.10.2010, 16:48
Perfekte Kriegsführung

ich glaube die Amis haben endlich einen System der (beinahe)perfekten Kriegsführung erfunden. Wenn sie die Drohnen und die Waffen in den Staaten produzieren lassen und nur Amerikaner diese Dinger steuern, ist die ganze Drohnen Kriegsführung nichts anderes als eine riesiege Wirtschaftshilfe für die amerikanische Wirtschaft. Aber bei den Drohnen haben sie keine schlechte Publicity, keine Toten Soldaten in den Abendnachrichten, keine psychisch labilen Frontsoldaten, keine oder geringere Tötungshemmung, dazu sind diese Dinger verteufelt schwer zu bekämpfen. Ich glaube das ist der Beginn einer ganz neuen Art sich gegenseitig umzubringen. Btw. Österreich (Firma Schiebel-PIDSO) ist Weltmarktführer bei unbemannten Drohnen.
!Felix austria!

Radiolar
00
6.10.2010, 17:36
"Weltmarktführer"

Unsinn. Die sind nur auf einem kleinen Sektor tätig.

Alles was sich bewegt, zu Luft, (auf, unter) Wasser und am Land, gross und winzig wird derzeit als unbemannter
Roboter entwickelt.
http://tinyurl.com/y9hxyb6
http://tinyurl.com/62793f

Durus
 
00
6.10.2010, 20:02
Stimmt

ich meinte natürlich die unbemannte, bewaffnete, fliegende Drohne. Entschuldigung Sie die Unklarheit.

3ch0
01
6.10.2010, 16:22

Die deutliche Assymetrie des modernen Krieges:
die einen sprengen sich selbst im Getümmel in die Luft; die anderen bunkern sich weit vom Geschehen ein, fingern am Joystick und verballern Raketen.

Der Zweck heiligt die Mittel.
dass in beiden Fällen Kinder etc sterben, sollte einem 'ordentlichen' Bürger teilnehmender Fraktionen egal sein.

nadal
00
6.10.2010, 15:30
Court Hears of U.S. Unit Killing Afghan Civilians at Random

Members of an American Army unit consumed with drug use randomly chose Afghan civilians to kill and then failed to report the abuses out of fear they would suffer retaliation from their commander, according to testimony in military court here on Monday.

http://www.nytimes.com/2010/09/2... ml?_r=2&hp

neueboeing797
00
6.10.2010, 15:14
Kriege, Waffen allgemein sind sinnlos und leider scheint die Menschheit nicht ohne dies auszukommen, aber

diese Hi Tech Waffen, auf die richtigen Ziele gerichtet, sind sicher besser als Streubomben, Minen, etc.

Fritz Wunderlich
63
6.10.2010, 14:27
antiterror schadet, terror nicht?

das erstaunliche an diesen "analysen" ist doch, dass die taliban die meisten ermorden, ob in afgahnistan oder pakistan: selbstmordanschläge, bombenfallen, etc.
nun könnte man daraus mit fug und recht ebenso schließen: weil die taliban viel mehr umbringen als die nato, werden sie als viel erfolgreicher und beängstigender empfunden
und die bevölkerung sucht daher bei ihnen schutz, vor ihnen
im umkehrschluss bedeutet es, die nato bietet ihnen zuwenig schutz

oder sind beide "analysen" unfug und unrecht
http://derstandard.at/128520009... Jihadisten

JP M
95
6.10.2010, 14:06
Finde ich OK...

...solange die Terroristen ohne Uniform kaempfen und Frauen und Kinder in die Luft sprengen sollte man mit der Wahl der Mittel nicht zimperlich sein!

Tower Hill
01
7.10.2010, 07:36
Mhm, nachdem

der CIA-Operator in Langley keine Uniform trägt und ein Drittel der Getöteten Zivilisten sind, darf man davon ausgehen, daß Terroristen eine ebenso legitime Bezeichnung für die Involvierten Amerikaner ist. Also legen Sie nahe, daß die Taliban richtig damit liegen, nicht zimperlich zu sein?

Gendo
00
7.10.2010, 10:17

Nun, dann müßten die Taliban dies als Ziel aussuchen und nicht einen Marktplatz, wo vielleicht mal irgendwann ein CIA Agend vorbeigekommen sein könnte.

Tower Hill
00
7.10.2010, 10:24
Naja, derzeit sieht es danach aus,

daß die Strategie geändert wurde. Überfälle auf die Nachschubrouten, dazu tägliche Schuß- und Sprenganschläge auf Natotruppen.

Captain Smoker
00
6.10.2010, 17:00

Ob sich nicht genau das auch die Leute in Pakistan denken?
"So lange die Amerikaner einfach von oben herab auf einen Verdacht hin alles niederbomben und dabei auch auf Frauen und Kinder keine Rücksicht nehmen, sollte man mit der Wahl der Mittel nicht zimperlich sein!" Steht ja schon im Artikel das ca. ein Drittel der getöteten Personen Zivilisten waren. Damit schürt man nur den Hass und erzieht eine neue Generation von Terroristen.

Ich denke jedenfalls nicht, dass man mit den Drohnen langfristigen Erfolg haben wird. Die Terroristen werden sich eben auch an diese Art der Kriegsführung anpassen so wie sie es bisher auch immer getan haben.

dlang
33
6.10.2010, 15:50
Jawohl!

Die Kritiker solcher neuen Technologien sind ohnehin fast immer diejenigen, die niemals als US-Soldat in diesen Regionen kämpfen würden, geschweige denn im Ernstfall für ihre eigene Sicherheit zur Waffe griffen...
Es ist halt einfach, von seinem Schreibtisch aus die US-Armee zu kritisieren.

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