Wenn die Stadt den Ölhahn zudreht

5. Oktober 2010, 17:36
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    foto: ap

    Sonnenenergie statt Ölförderung. Für einen Ausstieg aus der Nutzung fossiler Energieträger müsste in viele Lebensbereiche der Stadt radikal eingegriffen werden.

Experten bezweifeln, ob ein rascher Ausstieg aus Öl und Gas überhaupt möglich ist - Trotzdem ist dies ein zentraler Slogan der Wiener Grünen im Wahlkampf

Wien - "Bis der Übergang von den nichterneuerbaren zu den erneuerbaren Energien tatsächlich vollzogen ist, wird es Jahrzehnte dauern - und wir haben nicht jahrzehntelang Zeit, bevor die Förderspitzen von Öl und Erdgas erreicht sind", prognostizierte Richard Heinberg in seinem Buch Öl-Ende. Der Energieexperte Michael Cerveny von der Österreichischen Gesellschaft für Umwelt und Technik (Ögut) ergänzt in Vorträgen: Würde der derzeitige "Boom" von rund 30 Prozent an Wachstumsraten bei Wind und Fotovoltaik andauern, würden diese Energieformen erst zwischen 2015 (Windkraft) und 2027 (Fotovoltaik) die Ein-Prozent-Marke des Weltenergiebedarfes überschreiten. In Österreich sei der Umstieg zwar leichter möglich - "aber nicht kurzfristig, sondern in ein, zwei Generationen".

Und nun ziehen die Wiener Grünen mit dem zentralen Slogan "Raus aus Öl und Gas" in den Wahlkampf. Den Zeithorizont für diesen radikalen Wandel legen sie auf 15 bis 20 Jahre fest. Auf die Frage, ob Wien nach einem derart massiven Umbruch noch lebenswert sei, antwortet Christoph Chorherr, Energiesprecher der Wiener Grünen: "Ja, sogar noch mehr als jetzt." Ob Wien in 15 bis 20 Jahren seine Energie ohne Öl und Gas produzieren könne, will Chorherr nicht endgültig fixieren: "Wichtig sind die Richtung und die Zielvorgabe." Und die beträfen fast alle Lebensbereiche. Etwa:

  • Verkehr Für die Öffi-Nutzer locken die Grünen mit dem Slogan "100 Euro für die Jahreskarte - ein Euro pro Tag". Gleichzeitig heißt es aber auch laut Chorherr: "Man muss den Mut haben zu sagen: Autos mit Verbrennungsmotoren sind die Ausnahme in der Stadt." Ziel sei daher nach wie vor eine "intelligente City-Maut": Ein gestaffeltes Mautsystem, das zur Peripherie hin teurer wird. Allerdings: Die Diskussion um eine City-Maut wurde gerade erst von der SP-Regierung per Volksbefragung beendet. Und: "Garagenbau ist freier Markt und nicht öffentliches Gut. Ja, es ist zumutbar, einem, der sich in der Stadt ein Auto kauft, zu sagen, er soll sich selbst um einen Stellplatz kümmern. Eine "massive Förderung" sollten Car-Sharing-Modelle bekommen.
  • Energie "Verbrauch runter, solare Stromerzeugung rauf", lautet Chorherrs Formel: Ziel sei es, dass in zehn, fünfzehn Jahren die Stromerzeugung an Hausfassaden und Außenflächen die Regel ist. Ein erstes Projekt: Ein Fotovoltaik-Kraftwerk auf den Industrie-Dächern von Liesing. "Wien zahlt derzeit pro Jahr zwei Milliarden Euro ans Ausland für den Import von Öl und Gas. Damit soll das bezahlt werden." Bei der Wärmegewinnung soll im Althausbestand verstärkt auf Fernwärme gesetzt werden. Was allerdings bei der Stromproduktion gegen einen kompletten Gasausstieg binnen 15 Jahren spricht: Im Kraftwerk Simmering etwa wurde der Block 1 vor zwei Jahren erst "empowert" - Block 4 ist in Planung.
  • Wohnbau "Ab sofort werden im Neubau nicht nur Wohnhäuser, sondern auch öffentliche Gebäude wie Schulen, aber auch Einkaufszentren im Passivhaus- oder Plusenergie-Standard errichtet."
  • Sanierung "Was derzeit fehlt, ist eine Passivhaus-Sanierung" - und den gewichtigsten Einwand, dass dies gerade im Gründerzeitviertel massive Probleme mit den historischen Fassaden mit sich brächte, will Chorherr nicht gelten lassen: "Technisch ist eine Innen-Dämmung bereits möglich. Und im Bereich der Innenhöfe gäbe es genug Flächen, vor allem ungedämmte Feuermauern." Hier wollen die Grünen eine Sanierungspflicht mit Fristen einführen. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD, Printausgabe, 6.10.2010)
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gas karl
01
23.11.2010, 10:10
grober unfinanzierbarer Unfug

die Story mit der Fotovoltaik als Gebäude-Standardausrüstung

Gerhard Schwarz
 
04
19.11.2010, 20:13

Find das grüne Vorhaben energiepolitisch und umweltschonend okay. Nur: die Mieten plus Betriebskosten werden explodieren. Und fianziell abgesicherter Press-Herausgeber-Sohn bin ich nicht.

mann
 
04
7.10.2010, 09:02
ja eh.

"Experten bezweifeln, ob ein rascher Ausstieg aus Öl und Gas überhaupt möglich ist ..."

lass ma's doch ruhig a bisserl (ver)zweifeln die exbberten ...

w e a r e r u n n i n g o u t o f t i m e .

Hundeknochen
08
6.10.2010, 19:47
Öl wird immer geben...

1960: 3 Mrd Menschen
1974: 4 Mrd (14 a)
1987: 5 Mrd (13 a)
1999: 6 Mrd (12 a)

China wird bald der weltgrößte Automarkt sein, Indien ist nicht weit weg! Jährliche Wachstumsraten von 7 bis 10%!

Mit dem Argument "Das Öl geht uns seit 40 Jahren in 30 aus" das Thema vom Tisch zu wischen, übersieht diese wesentlichen, historisch einmaligen Entwicklungen!

Das Thema Energie sollte unser absoluter Hauptfokus sein.

Yudhistira
05
6.10.2010, 16:52
An die "Experten":

Die Münchner Stadtwerke wollen in den nächsten paar Jahren (vor 2015!) soweit in erneuerbare Energien investieren, dass ganz München damit versorgt werden könnte.

Im Zuge der von Merkel beschlossenen Reduzierung der Förderung von Solarenergie kam eine Studie zu einem interessanten Ergebnis: Die Förderung ist auch für den Staat ein Gewinn, da durch die lukrierten Steuereinnahmen der zusätzlich installierten Anlagen die Förderungen mehr als nur wettgemacht wurden: win-win!

Unmöglich?

bleak_vision
49
6.10.2010, 16:23

Klar könnte ein Ausstieg aus dem Öl möglich sein, aber sicher nicht wenn man daneben hobbymäßig Wasserkraftprojekte verhindert. Gell, liebe Grüne;)

Andreas Mittermayer
54
6.10.2010, 22:00
Tun sie ja nicht!

.
Sie wehren sich nur gegen ökologisch problematische Großwasserkraftwerke.

Sie sind nämlich FÜR Kleinwasserkraftwerke (etwa Ausleitungskraftwerke), FÜR Strombojen, FÜR Wasserkraftschnecken und FÜR die Verwendung von Matrixturbinen!

Und sie treten vor allem dafür ein, Energie wesentlich effizienter zu nützen, als wir dies derzeit tun!

bleak_vision
20
6.10.2010, 22:21

Kleinwasserkraftwerke stellen genauso einen Eingriff in die Flussökologie da. Mit dem zusätzlichen Nachteil, dass man mehr Kraftwerke an verschiedenen Stellen bauen muss (inkl. Baustraßen, Materialdeponien, Erschließungsmaßnahmen) um auf die gleiche Energieausbeute zu kommen.

Ein sinnloses Nullsummenspiel also. Die Konzepte die Sie erwähnen, sind zwar alle innovativ, aber keineswegs praxiserprobt bzw. praktikabel. Diese Konzepte tauchen eigentlich nur von grüner Seite auf um so zu tun als ob man für Wasserkraft wäre, aber jedes tatsächliche konkrete Karftwerk wird verhindert. Eine äußerst fragwürdige, wenn nicht heuchlerische Strategie, wenn Sie mich fragen.

Andreas Mittermayer
61
6.10.2010, 23:26
Hätten Sie sich etwas mehr mit ökologischen Zusammenhängen bescchäftigt, wüssten Sie, dass

.
es KEIN Nullsummenspiel ist. Denn kleine Wasserkrafterke - ökologisch optimiert - greifen (in Summe) nicht in einer Wiese in die ökologischen Zusammenhänge ein wie dies ein großes Kraftwerk tut.

Und natürlich sind alle diese Möglichkeiten (denn es sind keine Konzepte mehr) praktikabel. Sie sind ja alle bereits - wenn auch noch in viel zu geringer Zahl - im Einsatz.

Übrigens: Ich frage Sie nicht! Denn wenn Sie auf diese Weise argumentieren, lege ich auf Ihre Meinung keinen Wert!

Räudiger Straßenköter
03
7.10.2010, 01:56

Die Grünen waren vehement gegen das Donau-Kraftwerk Wien-Freudenau. Wo ist die ökologische Katastrophe geblieben, vor der immer gewarnt wurde? Die horrenden Kosten für Solarstromanlagen mit 1050GWh Leistung als Ersatz für Freudenau wären nur schwer zu rechtfertigen, weil das Geld z.B. für viel wirksamere Energiesparprojekte eingesetzt werden könnte.

Andreas Mittermayer
62
7.10.2010, 11:56
Ergänzung zu unten:

.
Wo ist die "ökologische Katastrophe" geblieben?

Die Antwort: In der Veränderung der gesamten Flussökologie einschließlich des Aussterbens ganzer Arten!

Andreas Mittermayer
51
7.10.2010, 11:55
Wei wär´s zuallererst einmal mit Maßnahmen zur Effizienzsteigerung?!

.
Derzeit gehen wir äußerst gedankenlos und verschwenderisch mit Energie um! Die Potenziale sind enorm!

Siehe etwa:

http://www.vol.at/news/co:a... 8-01025445

http://www.wupperinst.org/uploads/t... nziale.pdf

Weiters: Um die Frage der Energeiversorgung der Zukunft zu lösen, wird die Solarenergie eine wesentliche Rolle spielen müssen! Die Förderung der Photovoltaik ist hier als Investition zu sehen. Darüber hinaus gibt es auch noch andere Arten der ökologischen Stromerzeugung.

bleak_vision
01
7.10.2010, 00:06

Mein eigentlicher Punkt ist folgender: Wir wollen die Energieerzeugung von Öl und Kohle auf erneuerbare Energie umstellen. Egal ob wir jetzt tausende Kleinkraftwerke bauen oder dutzende Großkraftwerke, die Eingriffe in die geliebte und heilige Flussökologie werden spürbar sein. Aber die Alternative (Klimawandel) rechtfertigt meiner Meinung nach diese Maßnahmen.

Die Aussage, dass viele kleine Kraftwerke in Summe ökologischer sein sollen kaufe ich Ihnen einfach nicht ab und ich vermute ideologische Überlegungen dáhinter. (Kleine, kommunale Projekte und autarke Gemeinden vs. große Energiekonzerne)

Das ist ja nichts böses, aber mir ist die Strategie der Grünen zu halbherzig, denn wo gehobelt wird fallen bekanntlich Späne.

Andreas Mittermayer
31
7.10.2010, 11:49
Sehr richtig: Wo gehobelt wird, fallen Späne!

.
So gesehen stellt jede Art von Energieerzeugung einen ökologischen Eingriff dar. Die Frage ist nur: wie kann man ihn minimieren. Und im Sinne der Zukunft der Menschen ist das Gesamtinteresse vor die Interessen einzelner Firmen und Konzerne zu stellen.

Bezüglich der Gewässerökologie kann ich Sie nur auf (Gewässer-)Ökologen verweisen. Sie können Ihnen die Zusammenhänge beschreiben. Eine Darstellung meinerseits hier im Forum würde den Rahmen sprengen.

Bez. Ideologie: Kann sein. Ich kann Ihnen meine leicht erklären: Sie kann in einem Sprichwort zusammengefasst werden: "Was Du nicht willst, das man dir tu, das füg´ auch keinem anderen zu!"

Dahinter steckt das Prinzip Rücksichtnahme - auch auf die nächsten Generationen.

alterfuchs1
515
6.10.2010, 14:43
Öl wird es noch sehr lange geben

1946 geboren > 1960 Öl gibt es maximal bis zum
Jahr 2000!
2000 Öl gibt es maximal bis 2030!
2010 Öl gibt es maximal bis 2050!
2020 Öl gibt es maximal bis (2100)?

"Grüne" eure Sorgen möchte ich haben!

Andreas Mittermayer
61
6.10.2010, 22:01
Alter Fuchs! Träumen Sie weiter!

.
Oder sehen Sie sich das an:

http://www.oekonews.at/index.php... id=1042062

alterfuchs1
38
7.10.2010, 06:59
Oekonews

herausgegeben von "grünen Kasperl Organisationen"!

Andreas Mittermayer
22
7.10.2010, 11:12
Haben Sie auch inhaltlich etwas zum Thema beizutragen, oder begnügen Sie sich damit,

.
Informationen, die Ihnen nicht passen, als lächerlich abzutun??

Offensichtlich haben Sie aus inhaltlichem Mangel nur diese Möglichkeit.

alterfuchs1
34
7.10.2010, 15:03
Was haben Sie zu dem Thema bisher beigetragen?

"Grünes bla, bla", sonst nichts!

Andreas Mittermayer
01
7.10.2010, 21:17
Auch wenn Sie es (an Mangel an Argumenten) als "Grünes bla bla" abtun:

.
Ich habe zumindest inhaltlich zum Thema beigetragen und Argumente angeführt.

Wenn Sie diese nicht teilen, könnten Sie ja (theoretisch!) dagegen ebenfalls argumentativ Stellung beziehen!

;-))

bleak_vision
32
7.10.2010, 00:32

Hochinteressant!

RogerRabbit
05
6.10.2010, 16:49

Das Problem ist nicht, dass es kein Öl mehr gibt. Sie haben schon Recht, dass man die Ölreserven im Laufe der Jahre nach "hinten" korrigiert. Es geht aber vielmehr darum, dass sowohl die Förderung von Öl & gas, als auch der Verbrauch (=Verbrennung) der Umwelt schaden. Darum muss der Wechsel zu erneuerbaren Energien erfolgen.

oberspirito
39
6.10.2010, 17:00
Jede "Verbrennung" schadet der Umwelt!

Eine der Umwelt freundlichsten Energien ist Heizöl in Verbindung mit einem Brennwertkessel!
Abgastemperaturen von 80°C!

wakman
03
6.10.2010, 16:39

Also ich wär froh,
wenn sich der Trend fortsetzt.
Allerdings muss man schon was
dafür tun. Stichwort "Golf von
Mexico".

dankwart
09
6.10.2010, 15:08
Öl wirds immer geben

Ja, Erdöl wirds noch lange geben. Die Frage ist zu welchen Preisen.
Und das könnte in den nächsten Jahren bei derzeitigen Konsumgewohnheiten schon ungemütlich werden.

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