Mehr Effekt als viele Chemotherapeutika durch palliative Betreuung bei nicht heilbaren Lungenkrebspatienten
Wien - Pro Jahr werden in Österreich rund 3.900 Diagnosen auf Lungenkrebs gestellt. Bei jährlich rund 3.300 Todesopfern ist klar, dass die Heilungschancen gering sind. Jetzt könnte es aber - bei allen Fortschritten der medikamentösen Behandlung - einen Paradigmenwechsel geben. Eine optimal lindernde Rundum-Betreuung (palliative Versorgung) von Patienten mit bereits unheilbarer Erkrankung verlängert auch deren Überlebenszeit, erklärt die Österreichische Gesellschaft für Pneumologie (ÖPG) aus Anlass ihres bevorstehenden Jahreskongresses in Graz (7. bis 9. November).
"Die Onkologie in der Pneumologie ist im Aufwind. Was aber besonders aufgeregt hat, war eine Arbeit im New England Journal of Medicine. Sie betont die Wichtigkeit der Palliation - lindernden und zugleich therapeutischen Behandlung. Das heißt: Leiden lindern und die Lebensqualität erhöhen", sagte Otto Burghuber, Vorstand der 1. Internen Abteilung am Otto Wagner Spital in Wien.
Nur Bruchteil wird rechtzeitig entdeckt
Nur 20 bis 25 Prozent der Lungenkarzinom-Erkrankungen werden in einem heilbaren Stadium entdeckt. Bei der überwiegenden Mehrheit der Patienten kann die Überlebenszeit vor allem mit Strahlen- und medikamentöser Therapie nur verlängert werden. Die Betreuung durch ein Palliativteam mit Ärzten, Pflegepersonal, Psychologen, Diätberatern und eventuell auch Seelsorgern kann hier schon sehr früh ansetzen.
Ein Wissenschafterteam hat die Ergebnisse einer Studie mit rund 150 Lungenkrebspatienten - die Hälfte erhielt eine Standardbetreuung, die andere Hälfte auch eine Versorgung durch ein Palliativteam - vor kurzem in der führenden Medizin-Fachzeitschrift publiziert. Burghuber: "Die Überlebenszeit erhöhte sich um durchschnittlich 2,7 Monate." Das sei mehr, als viele Chemotherapeutika schafften. Der Experte: "Das Unglück eines Patienten zu lindern, erhöht die Überlebenszeit."
Unspezifische Symptome bei Lungenembolie
Bei der Tagung mit rund 600 Teilnehmern in Graz geht es auch um die Lungenembolie. ÖGP-Präsident Horst Olschewski: "Die Lungenembolie gehört zu den Killern. Es kommt sehr darauf an, dass Ärzte sensibel sind und Wissen haben, um Konstellationen, die nach einer Lungenembolie 'riechen', zu erkennen." Oft stellen sich Symptome nämlich zunächst sehr unspezifisch dar, was auch fatal enden kann. Erst vergangene Woche wurde der Fall einer 18-jährigen Steirerin bekannt, die an einer nicht erkannten Lungenembolie verstarb, obwohl sie bei einem Hausarzt und einem Lungenfacharzt gewesen war.
"Wie ist die Versorgungsstruktur? Was passiert tatsächlich? Was geschieht bei einem stationären Aufenthalt?" - Das sind Fragen, für deren Beantwortung an teilnehmenden Spezialabteilungen (Pneumologie), in Schwerpunkt- und Standardkrankenhäusern Österreichs acht Wochen lang Daten über behandelte Patienten mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) im Rahmen eines sogenannten Audit gesammelt werden sollen, kündigte Sylvia Hartl, Generalsekretärin der European Respiratory Society (ERS), an. Zusätzlich wird bei jedem Patienten nach 90 Tagen nachgefragt, ob er wieder wegen seiner COPD ins Krankenhaus kam oder gar verstorben ist. Damit könnten auch im Europa-Vergleich Daten über die Qualität der Versorgung - natürlich anonymisiert - analysiert werden. (APA)