Google beschleunigt verschlüsselte Verbindungen

5. Oktober 2010, 14:50
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In Chrome bereits integriert - Blacklist für 0,05 Prozent der verschlüsselten Webseiten

Viele der Bemühungen Googles im Web stehen unter einer gemeinsamen Klammer: Der Verbesserung der Performance. Dies trifft auf Optimierung am eigenen Browser Google Chrome ebenso zu, wie auf das kürzlich eingeführt Bildformat WebP, das durch - im Vergleich zu JPEG - kleineren Dateigrößen das Transfervolumen minimieren soll. Manche dieser Bestrebungen betreffen dabei recht spezielle und auf den ersten Blick wenig relevante Bereiche der Web-Infrastruktur, und könnten sich doch in Summe spürbar auswirken.

Austausch

Dieser Umstand gilt zweifelsfrei für "False Start", eine Technologie, die Google bereits vor einigen Monaten ohne große Ankündigung in Chrome integriert hat, wie CNET aufgespürt hat. Dabei handelt es sich um Optimierungen am bei der Initiierung einer verschlüsselten TLS-Verbindung benutzten Protokoll. Diese führen dazu, dass die Latenzen reduziert werden, indem eine gesamt Austauschrunde entfällt, in der Realität beschleunigt dies eine entsprechende Anfrage zwischen den USA und Europa um rund 0,15 Sekunden, eine Zahl die sich bei komplexen Webseiten allerdings multipliziert und entsprechend erheblich relevanter wird.

Probleme

Allerdings verweisen die EntwicklerInnen auch auf einen durchaus problematischen Punkt in diesem Zusammenhang, und zwar eine Altlast aus früheren Zeiten des Internets: Als TLS 1.0 entworfen wurde, wollte man sicherstellen,  dass Browser auch mit älteren SSL 3.0-Seiten kommunizieren können. Also wurde ein Fallback implementiert, der nun aber - rund 12 Jahre später - mehr Probleme als Lösungen erzeugt, und der entsprechend auch nicht mit False Start zusammenarbeitet.

Blacklist

Um das zu Umgehen greift man bei Google zu einer für das Unternehmen eher ungewöhnlichen Lösung: In einer Blacklist sollen all jene betroffenen 0,05 Prozent aller Webseiten, die von dieser Problematik betroffen sind, von der Nutzung von "False Start" ausgenommen werden. Google will in Folge mit den SeitenbetreiberInnen zusammenarbeiten, um sie von der Aktualisierung ihrer Software / der Einstellungen zu überzeugen, und so nach und nach zumindest eine der Altlasten im modernen Web zu entfernen.

Anzumerken bleibt, dass False Start mittlerweile auch in Firefox 4 aufgenommen wurde, in den aktuellen Betas ist diese Funktion allerdings von Haus aus deaktiviert. (apo, derStandard.at, 05.10.10)

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