Für die Entwicklung einer Methode zur künstlichen Befruchtung erhält Robert G. Edwards den Nobelpreis für Medizin - Inzwischen stehen unfruchtbaren Paaren verschiedene Methoden zur Verfügung
Köln - Schätzungsweise zehn Prozent aller Paare hoffen weltweit vergeblich auf ein Kind. Für sie ist die künstliche Befruchtung die einzige Möglichkeit, sich den Wunsch nach eigenem Nachwuchs doch noch zu erfüllen. Den Weg für diese Methode ebnete die Arbeit von Robert G. Edwards. Doch vor der ersten erfolgreichen Befruchtung im Reagenzglas (In-vitro-Fertilisation, kurz IVF), aus der mit Louise Brown im Juli 1978 das erste 'Retortenbaby' hervorging, musste er in langjähriger Forschung Grundlegendes über das Reifen menschlicher Eizellen, den Einfluss der Hormone und die Eigenschaften von Samenzellen herausfinden. Je nach zugrunde liegender Störung kann unfruchtbaren Paaren mit Kinderwunsch mittels verschiedener Verfahren geholfen werden.
Liegt beim Mann eine zu geringe Spermienmenge vor, sind die Samenzellen nicht beweglich genug oder kann keine normaler Geschlechtsverkehr ausgeführt werden, ist die sogenannte Insemination meist die Methode der Wahl. Sie wird auch angewandt, wenn bei der Frau Störungen im Bereich des Gebärmutterhalses vorliegen. Bei dieser Form der künstlichen Befruchtung wird das Sperma des Mannes mit einer Spritze oder einem Katheter in die Gebärmutter, den Gebärmutterhals oder den Eileiter gespritzt. Optimalerweise geschieht dies zwölf bis 24 Stunden vor dem Eisprung.
Befruchtung im Reagenzglas und andere Methoden
Bei der In-vitro-Fertilisation (IVF) hingegen findet die Befruchtung außerhalb des Körpers im Reagenzglas statt. Dazu werden der Frau befruchtungsfähige Eizellen entnommen und in eine Nährlösung mit den Samen des Mannes gegeben. Die Samenzelle muss nur selbsttätig in die Eizelle eindringen. Nach 40 bis 50 Stunden werden bis zu drei befruchtete Eizellen in die Gebärmutter der Frau eingesetzt. Um mehrere befruchtungsfähige Eizellen zu gewinnen, wird vor der künstlichen Befruchtung eine Hormonbehandlung durchgeführt, die die Eierstöcke dazu anregt, mehr als die natürlicherweise eine Eizelle heranreifen zu lassen.
Eine selten gewählt Form der künstlichen Befruchtung ist der intratubate Gemetentransfer (GIFT). Hier werden der Frau Eizellen entnommen und zusammen mit dem aufbereiteten Samen des Partners in die Eileiter gespritzt. Bei dieser Methode muss sowohl die Befruchtung als auch das Einwandern der Eizelle in die Gebärmutter auf natürlichem Wege erfolgen. Steht die Ursache für die Unfruchtbarkeit nicht fest, liegt der Grund für die Kinderlosigkeit beim Mann oder leidet die Frau an Endometriose (Schleimhautwucherungen außerhalb der Gebärmutter), kann diese Variante erfolgversprechend sein.
Die komplexeste Form der künstlichen Befruchtung ist die intrazystoplasmatische Spermieninjektion (ICSI), auch Mikroinjektion genannt. Nach der Entnahme der Eizelle wird dieser eine einzelne Samenzelle eingespritzt. So können auch Samenzellen genutzt werden, die von Natur aus nicht zur Befruchtung fähig sind. Einsetzt wird diese Methode beispielsweise bei komplexen Fruchtbarkeitsstörungen beider Partner oder bei einem Verschluss der Samenwege des Mannes. Die Erfolgsaussichten der künstlichen Befruchtung sind von den Voraussetzungen bei den Partnern abhängig. Sie liegen im Durchschnitt bei 20 bis 30 Prozent.(sid)