Aufnahmen aus dem Jahr 2008 jetzt veröffentlicht - Erst in der Nacht auf Dienstag Verdächtiger mit Elektroschock-Pistole getötet
Großer Ärger herrscht in Australien über ein Video, auf dem Polizisten beim Einsatz einer Taser-Pistole gegen einen Aboriginal zu sehen sind, wie die BBC berichtet. Der Vorfall hatte sich bereits im Jahr 2008 in einer Haftanstalt in Perth ereignet. Das Bildmaterial wurde im Zuge eines Berichts veröffentlicht, der sich mit der Verwendung der Elektroschock-Pistolen durch Polizisten im Bundesstaat Western Australia beschäftigt.
Auf dem Video ist zu sehen, wie der Mann aus der Ureinwohner-Volksgruppe Aboriginals 13 Mal mit einer Taser-Pistole attackiert wird, weil er sich gegen eine Leibesvisitation wehrt. In den Vorfall waren insgesamt neun Polizisten involviert.
"Übermäßige Gewalt"
Colin Barnett, Premier der Provinz Western Australia, erklärte, dass das Video das Ansehen der Polizei stark beschädigt habe und einen "unberechtigten Einsatz von übermäßiger Gewalt" darstelle. Der Oberstaatsanwalt des Bundesstaates wiederum war überrascht, warum gegen die am Video zu sehenden Einsatzkräfte keine Anklagen erhoben wurden.
Der Staatsanwalt versprach auch, dass er striktere Richtlinien für die Verwendung von Taser-Pistolen erwirken wolle, sodass sie nur mehr in wirklich gefährlichen und lebendsbedrohenden Situationen eingesetzt werden. Der Gebrauch von Taser-Pistolen war deshalb eingeführt worden, um Polizisten eine Alternative zu Handfeuerwaffen zu geben. Allerdings wurde in dem nun veröffentlichten Bericht herausgefunden, dass die Elektroschock-Waffen immer häufiger auch bei Widerstand gegen Verhaftung und anderen Regelübertretungen zur Verwendung kämen.
Ein Taser-Toter bei Verhaftung in Sydney
Wie die australische Tageszeitung The Australian berichtet, war es erst in der Nacht auf Dienstag in Sydney zu einem tödlichen Einsatz einer Taser-Pistole gegen einen Verdächtigen in Sydney gekommen. Nachdem eine Frau wegen sexueller Misshandlung die Notrufzentrale verständigt hatte, stürmten sechs Polizisten ein Haus im Westen der Stadt. Der Verdächtige sei mit zwei langen Messern auf die Einsatzkräfte losgegangen.
"In Sekundenbruchteilen mussten die Beamten eine Entscheidung treffen, die meiner Meinung nach, ihr Leben gerettet haben dürfte", erklärte Andrew Scipione, Polizeichef des Bundesstaats New South Wales, in dem Sydney liegt. Der Verdächtige sei aus nächster Nähe von den Taser-Projektilen, die sich mittels Widerhaken am Körper verhaften und elektrische Impulse über Drähte aussenden, am Brustkorb getroffen worden.
Die Beamten hätten dem am Boden liegenden Verdächtigen zuerst noch Handschellen angelegt, doch kurz darauf bemerkt, dass er das Bewusstsein verloren hätte. Die Polizisten hätten 20 Minuten lang versucht, den Mann zu reanimieren, bevor Notfallsanitäter am Tatort eingelangt waren. Er wurde daraufhin in ein Spital gebracht, wo er verstarb. Ob die Taser-Attacke tatsächlich für den Tod verantwortlich war, wird durch die Gerichtsmedizin geklärt. Es gibt auch eine polizeiliche Untersuchung zu dem Vorfall. (red, derStandard.at, 5.10.2010).