Warum gefällt der Filzlaus das Haupthaar nicht?

  • Männer werden häufiger von Filzläusen befallen als Frauen.
Foto: Rainer Jochens/www.pixelio.de
    foto: rainer jochens/pixelio.de

    Männer werden häufiger von Filzläusen befallen als Frauen.

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Läuse auf dem Kopf sind nicht mehr peinlich, der Filzlausbefall ist immer noch ein Tabu

Liebesschmetterling - "papillon d'amour" nennen die Franzosen auch zärtlich die Filzlaus und umgeben sie so mit einem Hauch von Romantik. Dabei ist der Sympathiefaktor dieser Parasiten alles andere als hoch. Mehr noch ist das beschämende Gefühl von Peinlichkeit, für den der sich in Gesellschaft von Filzläusen befindet, nach wie vor kaum zu überbieten.

Die Kopflaus ist im Gegensatz zur Filzlaus gesellschaftlich nahezu akzeptiert. Es hat sich nämlich mittlerweile herumgesprochen, dass dieser Ektoparasit, vollkommen unabhängig von hygienischen Verhältnissen, das Haupthaar befällt. Grund genug eine Infektion nicht mehr zwingend als peinlich zu empfinden.

Apokrine Schweißdrüsen

Auch der Filzlausangriff ist keine grundsätzliche Frage der Hygiene, jedoch macht das öffentliche Reden darüber eine Tatsache verdammt schwer: Die Phthirus pubis-Infektion zählt zu den sexuell übertragbaren Erkrankungen (STD-Sexual transmitted diseases), da der Parasit bevorzugt bei intensivem Körperkontakt, wie dem Geschlechtsverkehr, sein Revier wechselt. Das Haupthaar ist für die Filzlaus von äußerst geringem Interesse. Sie hält sich bevorzugt in Regionen auf, wo apokrine Schweißdrüsen (Duftdrüsen) zu finden sind. „Entwicklungsgeschichtlich ist der Genitalbereich der erfolgreichste Aufenthaltsort der Filzlaus. Ihr Überleben ist dort am ehesten gesichert", weiß Franz Reinthaler, stellvertretender Vorstand am Institut für Hygiene, Mikrobiologie und Umweltmedizin in Graz. Weniger frequentierte Bereiche: Achselhöhle, Brust- Bauch- und Bartregion beim Mann, sowie selten bei Kindern in den Augenbrauen und Wimpern. 

„Da sich apokrine Schweißdrüsen erst in der Pubertät ausbilden, wird bei einer Filzlausübertragung auf Kinder gelegentlich über sexuellen Missbrauch diskutiert. Publikationen darüber sind mir aber keine bekannt", betont Reinthaler. Ob eine Infektion über gemeinsam verwendete Handtücher oder Kleidungsstücke möglich ist, darüber sind sich Experten nicht einig.

Träger Schmarotzer

Wie alle Läuse, ist auch die Filzlaus ein Schmarotzer, der ausschließlich auf Kosten des Menschen existiert. Flügellos klammert sich der ein bis zwei Millimeter lange sechsbeinige Parasit mit zangenartigen Fußkrallen am Haarschaft nahe der Hautoberfläche fest, um dort oft über Stunden seine Mahlzeiten zu genießen. Das erwachsene Weibchen klebt täglich drei bis vier Nissen an den Schamhaarbasen fest. Innerhalb von 18 Tagen entwickeln sich aus den Larven geschlechtsreife Insekten - vorausgesetzt die Umgebungstemperatur liegt bei rund 27°C. Geringfügige Temperaturveränderungen verzögern die Entwicklung erheblich. Fiebert der Mensch beispielsweise, dann wandern die Filzläuse ab. 

Allerdings tun sie das ungern, denn Filzläuse sind verglichen mit Kopfläusen ein relativ träges Volk. Sie bewegen sich langsam und verbringen für gewöhnlich ihr gesamtes circa dreiwöchiges Leben an Ort und Stelle. Während ihrer Nahrungsaufnahme sondern die Läuse ein blutgerinnungshemmendes Sekret ab, welches für den nachfolgenden Juckreiz verantwortlich gemacht wird. Um die Einstichstellen entstehen gelegentlich kleine blaue Flecken, sogenannte Maculae caeruleae oder „taches bleues". „Das sind kleine Hauteinblutungen, die möglicherweise durch die Einwirkung des Filzlausspeichels auf das menschliche Hämoglobin entstehen", so der Grazer Parasitologe.

Keine Meldepflicht

Durch Kratzen gelangen manchmal Läusekot, Bakterien oder Pilze in die betroffenen Stellen und es kann zu sekundären Hauterkrankungen und -infektionen kommen. Als Überträger von Infektionskrankheiten besitzen die Filzläuse in unseren Breiten keine Bedeutung.

Medizinisch betrachtet, also ein relativ harmloser Parasit und wahrscheinlich auch der Grund warum es für die Phthiriasis pedis in Österreich keine Meldepflicht gibt. In Hinblick auf die Ansteckungsgefahr empfiehlt es sich aber die Biester möglichst rasch wieder loszuwerden. Die Behandlung der Filzläuse unterscheidet sich dabei nicht vom Kopflausbefall. Neben der Anwendung gängiger Antiläuseshampoos, verhindern Wechsel und Reinigung von Kleidungsstücken und Bettwäsche die weitere Ausbreitung der Ektoparasiten. Wer den Filzläusen alleine nicht Herr wird, kann in Wien die Desinfektionsanstalt im Arsenal aufsuchen. Dort werden neben Kopf- auch Filzentlausungen angeboten. (derStandard.at, 06.10.2010)

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