Kundgebung

55.000 Gegner erneut auf der Straße

4. Oktober 2010, 20:37

Friedliche Demo am Montagabend im Schlosspark - Ministerpräsident will Wogen glätten - Abrissarbeiten bis zur Landtagswahl gestoppt

Nach der Eskalation des Konflikts um das Bahnprojekt Stuttgart 21 sind in der baden-württembergischen Landeshauptstadt erneut zehntausende Gegner des Bauprojekts zusammengekommen. Die Veranstalter zählten bei der Kundgebung am Montagabend etwa 55.000 Demonstranten, die sich bei mildem Herbstwetter im Stuttgarter Schlossgarten einfanden. Erwartet worden waren zunächst nur 20.000 Teilnehmer.

Bei der Kundgebung bezifferte Gangolf Stocker vom Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 die Zahl der bei dem Polizeieinsatz am vergangenen Donnerstag verletzten Demonstranten auf rund 400. Bei zweien von ihnen drohe nach der Verletzung durch Pfefferspray ein Erblinden. Weiter in der Kritik steht Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU), der das milliardenschwere Bahnprojekt befürwortet. Mehrfach skandierten die Demonstranten "Mappus weg!".

Die Stuttgart-21-Gegner wollen ihren Protest auch in die Bundeshauptstadt tragen. Geplant sind Aktionen und Kundgebungen gegen das 4,1 Milliarden Euro teure Projekt am 26. Oktober in Berlin.

Ministerpräsident will Wogen glätten

Baden-Württembergs Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) will den Konflikt um das Bahnprojekt Stuttgart 21 mit einem Bündel von Maßnahmen befrieden. "Ich werde alles dafür tun, dass deeskaliert wird", sagte er am Montag. Wir sind an einem Punkt, wo man miteinander reden muss." In der Sache blieb er jedoch hart: Das Gesamtprojekt stehe nicht zur Disposition. "Alles, was entlang der Planfeststellung möglich ist, muss diskutiert werden können - da bin ich für jede Veränderung und Verbesserung offen."

Der 44-jährige Regierungschef bot an, bei einer Demonstration zu sprechen, wenn er eingeladen werde. "Zu einer Deeskalation gehören immer zwei", sagte er. "Wenn die Gegner, denen ich das Gespräch anbiete, es am gleichen Tag ablehnen, dann ist das bedauerlich und hoffentlich nicht das letzte Wort." Am Mittwoch werde er in seiner Regierungserklärung im Landtag den Gegnern Angebote machen. Bis dahin liege auch das Gutachten des Verfassungsrechtlers Paul Kirchhof über die Zulässigkeit eines Volksentscheids über Stuttgart 21 vor. "Wir haben da ziemlich auf die Tube gedrückt."

Abrissarbeiten gestoppt

Zur Deeskalation werde auch beitragen, dass es bis zur Landtagswahl am 27. März 2011 keine weiteren Abrissarbeiten mehr gebe. "Da ist in den nächsten Monaten nichts notwendig, was in irgendeiner Weise provozieren könnte", sagte der CDU-Politiker.

Klarheit über den Polizeieinsatz erwartet sich Mappus von Videos, die am Dienstag im Innenausschuss des Landtages gezeigt werden sollen. "Nach allem, was mir vorliegt, kann ich nicht daraus schließen, dass die Polizei überreagiert hat." Bei den Zusammenstößen im Stuttgarter Schlossgarten hatte die Polizei einen Wasserwerfer, Schlagstöcke und Pfefferspray eingesetzt, um einem Lastwagen den Weg durch den Park zu bahnen. Es gab hunderte verletzte Demonstranten - darunter auch Schüler und Rentner. Es wurde eine Baufläche für das Milliarden-Bahnprojekt Stuttgart 21 geräumt.

Mappus zeigte sich zufrieden darüber, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sich entschieden für Stuttgart 21 ausgesprochen hat. "Die Bundeskanzlerin steht. Sie weiß, dass das bei uns ein schwieriges Thema ist." Mappus warf den Grünen vor, den Konflikt um das Bahnprojekt bis zur Landtagswahl zu schieben. Er gehe davon aus, dass dies vom Wähler durchschaut werde. (APA)

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Posting 1 bis 25 von 82
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Mario Rutar
00
5.10.2010, 18:18
55.000?

Hui, da werden wir aber sehr viel Duschgel brauchen! Am Ende wird ganz Stuttgart im Schaum verschwinden...

MCU
53
5.10.2010, 13:07
Was ist an zig Mill m² Gleisanlagen innerhalb der Stadt Stuttgart so schön ???

Wenn man das nun großteils unter die Erde verlegt und die Fläche oberirdisch städtebaulich besser nützen und sicher schöner gestalten kann, sind diese fanatischen Prodeste für mich nicht nachvollziehbar.

Der wahre Prodestgrund scheint mir einfach nur extrem linkspolitisch motiviert zu sein: Schließlich gibt es ja auch bald Wahlen.

Agnostiker1
20
5.10.2010, 12:23
Ich kann mich nur wundern, warum keine deutsche Zeitung....

...Stuttgart 21 so excessiv ausschlachtet, wie es der Standard für angemessen hält. Geht sonst der Stoff aus oder sind Sie sich der einheimischen Skandale überdrüssig? Am Presserecht kann die angemessene deutsche Berichterstattung nicht liegen, denn das ist tausendmal liberaler als die österreichische Gesetzeslage. Solche Diskussion um den Informantenschutz, wie es in Österreich offenbar notwendig ist, kennen die Deutschen nicht, weil der Informantenschutz sakrosant ist.

Totaler Durchblicksstrudel
01
5.10.2010, 15:49

Auf Spiegel.de momentan die erste Meldung, bei Bild zumindest auf er ersten Seite im oberen Drittel,
faz.de die dritte Meldung, focus.de die Spitzenmeldung.

Toni Blaher
 
03
5.10.2010, 12:19
Bei zweien von ihnen drohe nach der Verletzung durch Pfefferspray ein Erblinden.

Kann man bitte die Verantwortlichen in den Knast stecken? Das ist eine kriminelle Vereinigung wie die Mafia die Menschen verkauft oder umbringt.

Michail Bakunin
01
5.10.2010, 14:31

In der Schweiz geht die Zahl der "Augenverluste" durch Polizeiwaffen seit den 80er-Jahren in die Dutzende.

Zu den Folgen von Polizeiwaffen gibt`s auf pigbrother ganz gute Dossiers, auch wenn die Seite grafisch furchtbar aufgebaut und fast unlesbar ist.

Folgen von Tränengas: http://www.ssi-media.com/pigbrothe... 1.2.02.htm

http://www.ssi-media.com/pigbrothe... htm#praxis

Folgen von Gummischrot: http://www.ssi-media.com/pigbrothe... /Gummi.htm

http://www.ssi-media.com/pigbrothe... 2003.htm#1

dreyfusard
12
5.10.2010, 11:50

wegen einer depperten schnapsidee sich gleich mit der bevölkerung anlegen. pfui deibel grube, pfui deibel schwarz-gelb, pfui deibel wirtschaftsdiktatur!

Jürgen Rembremerding
32
5.10.2010, 13:13
Wieso Schnapidee?

Ich kann der Beschleunigung des Bahnverkehrs ebenso positive Seiten abgewinnen wie der Idee, die riesigen Flächen, die in den Innestädten von Schienen und Bahnanlagen belegt sind, schöner und menschenfreundlicher zu nutzen.

hed
00
5.10.2010, 16:00
aber urgroßvater baum muss doch dafür sterben

und die bösen kapitalistenschw***e schieben sich das geld in die taschen.

Totaler Durchblicksstrudel
00
5.10.2010, 15:54

Aber dafür den Konflikt suchen? Deswegen Blut sehen wollen? Kann man das nicht demokratischer unter Einbeziehung der Bevölkerung hin bekommen? Warum glauben die korrupten Staatseliten aus Politik und Wirtschaft, dass ihnen die Staatsgewalt ihre Profite sichern muss? Nur so ein paar Ideen.
Dass es auch anders geht, konnte man in Österreich in den letzten 20 Jahren ganz gut erleben. Aber der Schock von Hainburg und Zwentendorf dürfte den öst. Eliten noch in den Knochen stecken!

Mathias
 
06
5.10.2010, 11:15
Einmal in vier Jahren

Jeden Tag wird uns erzählt,
dass die Stunde X bald kommt
und dass dann alles besser wird,
wir bräuchten nur Geduld.
Im Sessel weit zurück gelehnt verfolgt das ganze Land
jede Endlos-Nutzlos-Diskussion im Fernsehprogramm.

Wir sitzen in der ersten Reihe, als ob wir alle scheintot sind,
hörn auf leere Worte und klammern uns daran fest.

Wie letztes Mal, wie letztes Mal...

Wir lassen uns gern für dumm erklärn,
als würden wir nichts verstehen
von den ungeschriebenen Gesetzen,
um die die Welt sich dreht.
Keinen Reichtum ohne Armut,
kein Gewinn ohne Betrug,
und ständig redet man uns ein,
dass man alles dagegen tut.

Beim nächsten Mal, beim nächsten Mal...

Und einmal in vier Jahren...

Dilbert
41
5.10.2010, 10:01

Was ist so schlimm an "Stuttgart 21"?

Totaler Durchblicksstrudel
10
5.10.2010, 12:33

Gar nix; außer dass man keinen ordentlichen, demokratisch legitimierten Entscheidungsprozess gegangen ist. Nun sieht es so aus, als ob die große Mehrheit dagegen wäre und die (korrupte) Elite das Projekt - koste es, was es wolle - durchziehen möchte.
Hat eben viel Ähnlichkeit mit Hainburg und wird vielleicht wie Zwentendorf enden.

Gerhard Ingolf
00
6.10.2010, 08:23

Ist die Mehrheit wirklich dagegen, oder wird das nur von den Organisatoren der Demonstrationen behauptet? Gibt es objektive Umfragen?

Nichtschweiger
 
00
5.10.2010, 15:10
Sie befinden sich tatsächlich in einem "Totalem Durchblicksstrudel"

Totaler Durchblicksstrudel
00
5.10.2010, 15:37

Und du im Argumentationsnotstand, sondern würde auch irgendwas von deiner Seite zum Thema kommen, nicht?

Nichtschweiger
 
00
5.10.2010, 16:59
Bei ihrem "Durchblicksstrudel" haben Argumente nicht viel Sinn!

Sie kapieren es ja doch nicht.

Totaler Durchblicksstrudel
00
5.10.2010, 17:30

Bisher kapiere ich nur, dass du nichts zu sagen hast!

Nichtschweiger
 
00
5.10.2010, 18:33
Ich habe nur dir nichts zu sagen!

Du kannst ja meine 8200 Postings nachlesen....

Jürgen Rembremerding
11
5.10.2010, 13:15
"außer dass man keinen ordentlichen, demokratisch legitimierten Entscheidungsprozess gegangen ist."

Warum? Wurde das per Ermächtigungsgesetz beschlossen oder haben die zuständigen Parlamente abgestimmt und die Sache in das Planfeststellungsverfahren gegeben?

Totaler Durchblicksstrudel
00
5.10.2010, 15:45

Hier möchte ich nur den EU-Rat aus 1985! zitieren:

"Es erscheint ferner erforderlich, eines der Ziele der Gemeinschaft im
Bereich des Schutzes der Umwelt und der Lebensqualität zu verwirklichen."

Ausreichend demokratisch legitimiert bedeutet in diesen Zusammenhang nicht, dass die Mehrheit in einer Vertretung dafür gestimmt hat! Es gibt eben auch Fragen, und diese ist aus meiner Sicht eine, die nicht mehrheitsfähig auf dieser Basis sind!
Das sei dir und den Herren Grube klar und deutlich gesagt.

MCU
01
5.10.2010, 12:54
Der Vergleich hinkt aber gewaltig !

Bei Hainburg wollte man eine einmalige Au zerstören.
Vor Zwentendorf oder der dt. Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf hatte man (wegen Atomkraft) Ängste.

Aber was um alles in der Welt ist an einem unterirdischen Bahnprojekt soooo schrecklich?

Gab es Österr. oder sonst wo, jemals eine Volksabstimmung bzl. Bahnhofsbauten?

Totaler Durchblicksstrudel
00
5.10.2010, 15:36

Gerade was die Einbindung der Bevölkerung in derartige Großprojekte angeht ist (war*) Österreich seit Hainburg und Zwentendorf Spitze.
Die Diskussion in der Obersteiermark hat zum Beispiel die F1-Rennstrecke in Spielfeld vollkommen redimensioniert.

*was die Änderung 2005 am UVP bringen wird, wer weiß. http://de.wikipedia.org/wiki/UVP_... 6sterreich

hed
00
5.10.2010, 12:41
was ist daran nicht demokratisch legitimiert

wenn die vom volk in freien wahlen gewählten politiker das tun wofür sie gewählt wurden?

Totaler Durchblicksstrudel
00
5.10.2010, 15:32

Das ist eben eine Frage, wie du demokratisch legitimiert verstehst. Soweit es nach mir geht, sollten die Rechte der unmittelbar betroffenen Bürger höher eingeschätzt und gegen deren expliziten Willen ein Projekt dieser Größenordnung nicht mit Gewalt durch gesetzt werden!
Das Projekt wird ja nicht mit demokratischen Mitteln, sondern durch den Einsatz der Staatsgewalt weiter voran getrieben.
Nächstes Jahr sind Wahlen und dann wird es u.U. Essig sein mit der Mehrheit. Was dann?

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