Glück und Unglück bei der Jagd nach dem Dollar

4. Oktober 2010, 22:20
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Der Soul-Newcomer Aloe Blacc spielt am Dienstag im Porgy & Bess in Wien

Wien - Miss Fortune und die Femme Fatale haben einiges gemeinsam. Beide Damen bringen Unglück. Dennoch ist der Weg zwischen den beiden auf Aloe Blaccs Album Good Things weit. Stilistisch betrachtet. Miss Fortune ist ein der Coolness der Trägheit entsprechendes Stück Funk, das klingt, als würde der Jahreskalender immer noch 1973 anzeigen.

Femme Fatale wiederum ist eine Coverversion des aus 1967 stammenden Stücks von The Velvet Underground. Ein eher sperriges Lied, das er in Richtung Soul deutet. Kein einfaches Unterfangen, aber Blacc scheint im Moment nicht viel falsch zu machen. Er versieht es einfach mit einem die Nase rümpfenden Idiom - und schon kommt er damit durch: Lou Reed auf Soul.

Sein Debütalbum veröffentlichte der als Egbert Nathaniel Dawkins III geborene Kalifornier 2006 noch im Zeichen eines eher futuristischen Soul-Gedankens. Den hat er mittlerweile abgelegt. Der 31-jährige präsentiert auf Good Things klassischen Soul.

Lediglich die Spielweise seiner Band verrät das Werk als Zeitgenossen, der Dancefloor-Ästhetiken ebenso verinnerlicht hat wie die HipHop-Revolution. Immerhin war Blacc davor einige Jahre Rapper bei der HipHop-Formation Emanon.

Am Dienstag wird Aloe Blacc mit seiner Band im Wiener Porgy & Bess auftreten.

Auf Erfolgskurs gebracht hat ihn die am US-amerikanischen TV-Sender HBO ausgestrahlte Serie How To Make It In America. Darin geht es um zwei Twentysomethings, die es in der New York Modebranche schaffen wollen.

Blaccs I Need A Dollar empfing die Gnade für diese Serie als Titelsong ausgewählt zu werden - und wurde zum Hit. Eine infizierende Klaviermelodie, ein hüpfender Bass und seine Stimme ergeben einen Minimal Soul - mit maximaler Wirkung.

Der Vinyl-Single des Ohrwurms war jener Dollar beigelegt, nach dem sich Blacc in diesem Song verzehrt - eine nette Geste an die Käufer seiner Musik. Zur klassischen Ausrichtung seines Sounds passen seine politische Ansinnen. Seine unterschwellige Sozialkritik lassen an den ähnlich klingenden Soul-Star Bill Withers denken, der einst mit Use Me, Ain‘t No Sunshine oder Lean On Me Welthits hatte.

Blaccs Stück Mama Hold My Hand steht in direkter Erbfolge wie Withers Grandma‘s Hands. Eine intime Ballade, die über private Erinnerungen größere Zusammenhang herstellt.

Blacc reicht seine Kunst mit der Eleganz des Modern Soul. Auch optisch. In hellen Anzügen, mit roter Fliege, in Schuhen, in denen man sich spiegeln kann. Ein Newcomer mit Stil und einem überzeugenden zweiten Album, das am 15. Oktober erscheint. (Karl Fluch/DER STANDARD, Printausgabe, 5.10.2010)

 

Aloe Blacc live: 5. 10. Porgy & Bess - Riemergasse 11, 20.00 Uhr

  • Aloe Blacc, sein Soul-Kalender steht auf 1973.
    foto: universal

    Aloe Blacc, sein Soul-Kalender steht auf 1973.

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