Nostalgie, Parodie, Travestie

4. Oktober 2010, 19:36
posten

Und jetzt "Die fesche Lola": Das "Letzte erfreuliche Operntheater" in Wien bringt eine schrille Marlene-Dietrich-Revue

Wien - Ein Leben, so groß, reich, kriegsgeprägt und tragisch wie das Jahrhundert, in dem es sich abspielte: Leutnantstochter, Geigenstudentin und Ufa-Star war diese Marlene Dietrich, Anzugträgerin, Hollywood-Ikone und Truppenbetreuerin, Diseuse und sagenumwobene, die Öffentlichkeit meidende "Telefonistin" in der Avenue Montaigne.

Klar, dass das Letzte Erfreuliche Operntheater, welches ansonsten hauptsächlich in Sachen parodistischer Bewältigung des Posen-Parnasses Oper produziert, bei dieser schillernden und facettenreichen Glamour-Göttin in Schwarz-Weiß irgendwann einmal zuschlagen würde.

Konkreter Anlass war ein neues Buch über den blonden Engel: Marie-Theres Arnbom wartet in ihrem eleganten Doppelpfünder Marlene Dietrich mit - wie sie bei der Premiere verriet - bisher weitgehend unbekannten Fotos der Deutschen von ihren Wiener Aufenthalten und Auftritten (u. a. am Theater in der Josefstadt, an den Kammerspielen oder bei Dreharbeiten zu Café Elektric mit Willi Forst) auf.

Das LEO, Wiens führendes Opernhinterzimmer, wartet ad Dietrich mit einer bunten, bizarren, im magischen Dreieck von Nostalgie, Parodie und Travestie situierten Revue auf.

In der neuen Produktion Die fesche Lola suchen LEO-Capo Stefan Fleischhacker, LEO-Urgesteine Elena Schreiber und Martin Thoma sowie Werner Riegler alle, aber auch wirklich alle Gesichter und Kostüme der Legende Dietrich in knapp zwei Stunden - nun ja: Revue passieren zu lassen. Solcherart switcht Elena Schreiber blitzschnell zwischen Witwe und Vamp; für ihre Darstellung der grenzgeriatrischen Diseuse (Falling In Love Again) sei ihr Bewunderung und Dank kundgetan.

Martin Thoma vermag seine travestierenden Darstellungen mit zerknittertem Bella-Block-Stoizismus à la Hannelore Hoger zu adeln, wohingegen Werner Riegler auf dem Terrain der Travestie so ungenierte wie ausgedehnte Grenzwanderungen in den Bereich des Dilettantismus unternimmt (am Klavier tätig: Andreas Brencic).

Stefan Fleischhacker erntet die größten Lacher bei den finalen Spielplanhinweisen: C'est la vie. (Stefan Ender/ DER STANDARD, Printausgabe, 5.10.2010)

 

Letztes erfreuliches Operntheater, Ungargasse 18, 3. Wieder am 13., 16., 18. 11. Karten unter: 01/712 14 27. 20.00

  • Das unermüdliche LEO-Ensemble - diesmal auf den Spuren einer vielschichtigen Künstlerin.
 
    foto: leo


    Das unermüdliche LEO-Ensemble - diesmal auf den Spuren einer vielschichtigen Künstlerin.

     

Share if you care.