"Häupl kann unter mir Vize werden"

4. Oktober 2010, 18:15
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FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache erklärt, warum ihm die Aufregung um Comics und Plakate Stimmen bringt

Standard: In der Elefantenrunde auf ATV gab es einen Disput zwischen Ihnen und Bürgermeister Häupl, der sehr empfindlich reagiert hat, als Sie von der "weinseligen Politik" in Wien gesprochen haben. Was haben Sie da gemeint?

Strache: Ich habe gesagt, es nützt nichts, wenn man Probleme schönredet und in einer Weinseligkeit ertränkt. Dass sich der Bürgermeister persönlich angesprochen gefühlt hat, hat mich gewundert. Ich würde als Bürgermeister während meiner Arbeitszeit keinen Tropfen Alkohol trinken.

Standard: Sie behaupten, Häupl trinkt während der Arbeitszeit?

Strache: Das habe ich nicht gesagt, das unterstellen Sie mir jetzt.

Standard: Der Bürgermeister hat gekontert und von Ihren "Konsumgewohnheiten" gesprochen. Hat er Ihnen erklärt, was er damit meint?

Strache: Hat er nicht, aber ich würde mich sehr freuen, wenn er es tut. Seine Mitarbeiter agitieren ja junge Leute an und sagen ihnen, der Strache, der nimmt sicher Drogen. Das zeigt, auf welchem Niveau die SPÖ arbeitet.

Standard: Warum kaprizieren Sie sich in Ihrem Wahlkampf so auf den Bürgermeistersessel? Wäre nicht auch der Job des Vizebürgermeisters interessant?

Strache: Wir müssen sicherstellen, dass die absolute Mehrheit der SPÖ gebrochen wird. Ich kann mir Blau-Rot genauso vorstellen wie Blau-Schwarz. Und wenn wir eine Regierung zustande bringen, werde ich in Wien auch zur Verfügung stehen.

Standard: Falls überhaupt, wäre es aber eine rot-blaue Regierung.

Strache: Wenn die SPÖ deutlich die absolute Mehrheit verliert und Häupl zurücktritt, dann kann es durchaus passieren, dass neue Persönlichkeiten da sind, die bereit sind, Demokratie zu leben. Ja, wir stehen zur Verfügung. Und wir wissen, dass 50 Prozent der SPÖ-Wähler sich eine Koalition mit der FPÖ vorstellen können.

Standard: Stünden Sie dann als Vizebürgermeister zur Verfügung?

Strache: Darüber würde ich in dem Fall auch nachdenken. In der jetzigen Konstellation kann ich mir nur vorstellen, dass Häupl unter mir Vizebürgermeister wird.

Standard: Andere Umfragen besagen, dass nur ein kleiner Teil Ihrer Wähler Sie überhaupt als Bürgermeister sehen möchte.

Strache: Ich glaube nicht, dass uns die Menschen nur aus Protest wählen, sondern weil sie unsere Inhalte unterstützen und möchten, dass diese auch umgesetzt werden.

Standard: Das "Sagen aus Wien"-Comic der FPÖ bedient sich einiger Begriffe, die der rechtsextremen Szene zugeordnet werden können. Die Aufregung ist programmiert - ist das politisches Kalkül?

Strache: Dem muss ich absolut widersprechen.

Standard: Warum wird dann "Odol" zu "Odal"? Diese Rune war das Zeichen der inzwischen verbotenen Wiking-Jugend.

Strache: Wegen des Markenschutzes mussten wir den Namen ein wenig verändern. Aber kein Normalbürger kommt auf die absurde Idee, eine Rune dahinter zu sehen.

Standard: Aber es sind normale Bürger, die den Comic kritisieren.

Strache: Das sind die linkslinken Bürger, die etwas kreieren. Wenn ich ein völlig weißes Plakat affichieren würde, würden die uns Rassismus vorwerfen, weil das Plakat weiß und nicht schwarz ist.

Standard: Ist es in einem Wahlkampf hilfreich oder schädlich, auf diese Art und Weise im Gespräch zu sein?

Strache: Wenn solche Dinge falsch dargestellt und hetzerisch interpretiert werden, dann hilft uns das natürlich, weil die Menschen sagen: Was soll das, warum diffamieren euch die?

Standard: Zu Ihren Veranstaltungen kommen immer wieder Leute aus der rechtsextremen Szene, laut Ihnen ohne Zutun der FPÖ. Ist es nicht trotzdem bedenklich, dass diese Leute sich offenbar von Ihrer Politik angezogen fühlen?

Strache: Ich habe immer sehr deutlich gesagt, dass wir mit dem Nationalsozialismus nichts am Hut haben. Jeder, der sich von totalitären Ideologien angezogen fühlt, ist bei uns falsch. Bei jeder öffentlichen Veranstaltung, gleich bei welcher Partei, werden Sie zwei, drei Personen treffen, die sich die Partei nicht aussuchen kann.

Standard: Ihr Wahlkampf erweckt das Gefühl, dass Sie zwischen guten und schlechten Ausländern unterscheiden und dass die schlechten die Muslime sind.

Strache: Das ist nicht so. Ich unterscheide überall zwischen anständigen und unanständigen Menschen. Österreichische Kriminelle kann ich einsperren, aber nicht abschieben. Ich kann mir aber aussuchen, wer zu uns kommt. (Bettina Fernsebner, Andrea Heigl, DER STANDARD, Printausgabe, 5.10.2010)

HEINZ-CHRISTIAN STRACHE (41) ist als Bundes- und Wiener Landesparteichef der FPÖ im Dauer-Wahlkampf. Er ist geschieden und hat zwei Kinder.

  • Nur "Linkslinke" sehen bei ihm rechtsrechte 
Anspielungen, sagt Heinz-Christian Strache.
    foto: der standard/cremer

    Nur "Linkslinke" sehen bei ihm rechtsrechte Anspielungen, sagt Heinz-Christian Strache.

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