Magnificent

27. Jänner 2011, 09:52

derStandard.at und ÖFAI (Österreichisches Forschungsinstitut für Artificial Intelligence) starten eine Testreihe, um den Lesegenuss für LeserInnen zu optimieren.

Online-Medien decken mittlerweile ein großes Spektrum ab, angefangen bei der Diversität der Artikel oder die Art und Weise wie diese präsentiert werden. Die Vielfalt und die Komplexität der Inhalte macht es LeserInnen nicht immer leicht sich durch das Medium zu navigieren. Jede/r UserIn ist allerdings an bestimmten (auch oft mehreren) Themenbereichen interessiert.
Aus diesem Grund stellte sich das ÖFAI-Team eine konkrete Frage in diesem Zusammenhang: Wie kann die Komplexität des modernen Medienkonsums gebändigt werden, sodass sich der/die BenutzerIn auf das Wesentliche – Lesen und Betrachten der Inhalte – konzentrieren kann?

Das Team rund um dieses Projekt besteht aus WissenschafterInnen des Österreichischen Forschungsinstituts für Artificial Intelligence (ÖFAI) und einem Entwicklungsteam von derStandard.at. Gemeinsam wird daran gearbeitet UserInnen gezielter mit Information zu beliefern. Dies geschieht im Rahmen des FIT-IT-Projekts „Magnificent“. Weitere Details dazu finden Sie auf http://www.magnificent.or.at.

Wie gehen wir vor?
Es wird eine Liste mit Artikel-Vorschlägen erzeugt, die Ihnen angezeigt wird. Für die Auswahl der Artikel werden vielfältige Kriterien herangezogen, wesentlich ist, dass Sie diese Vorschläge bewerten. Nach und nach lernt das System Sie und Ihre Interessen sowie Lesegewohnheiten besser kennen. Wir gehen – im Gegensatz von klassischen Newsfiltering-Ansätzen – davon aus, dass nicht primär die thematische Relevanz, sondern verstärkt der aktuelle Kontext (Tageszeit, zuvor gelesene Artikel, etc.) und stilistische Merkmale wie Humor, Sarkasmus oder Subjektivität ausschlaggebend sind für den individuellen Lesegenuss.

Um diesem Ziel näher zu kommen sind UserInnen notwendig, die uns bei diesem Vorhaben unterstützen und an der Testreihe teilnehmen. An dieser Stelle möchten wir betonen, dass wir die Wahrung Ihrer Rechte sehr ernst nehmen. Das Projekt dient ausschließlich dazu einen Mehrwert für LeserInnen zu schaffen. Aus diesem Grund setzen wir verschiedene Maßnahmen, um den vertraulichen Umgang mit Ihren Daten zu gewährleisten. 
Zum einen handelt es sich bei der neuen Funktionalität um ein reines "opt-in"-Feature, das heißt, Sie müssen sich explizit für unser Testprogramm registrieren, um die Analyse Ihres Leseverhaltens zu aktivieren. Nach Ablauf der 4-wöchigen Testphase werden Sie automatisch wieder ausgetragen. Zum anderen werden auch während der Testphase Ihre Daten nur dann gesammelt, wenn Sie als Benutzer auf derStandard.at tatsächlich angemeldet sind. Sie können also die Auswertung vorübergehend anhalten. Außerdem wird Ihre Benutzer-ID von derStandard.at nur anonymisiert an das System übertragen, das Ihr Profil speichert, Rückschlüsse auf Ihren Account sind daher unmöglich.

So funktioniert ihr "persönliches" Online-Medium

Wenn Sie sich bereits für unser Testprogramm registriert haben (den notwendigen Link dazu finden Sie im entsprechenden E-Mail) und mit Ihrem Account auf derStandard.at angemeldet sind, finden Sie beim Lesen von Artikeln im linken unteren Bildschirmbereich (meist unter etwaigen Fotos oder Abbildungen) eine Liste mit Vorschlägen. Diese basieren auf dem Wissen über Ihr Leseverhalten, das sich das System bereits angeeignet hat. Die Vorschläge müssen daher nicht mit dem Artikel, den sie gerade lesen, thematisch verwandt sein (falls Sie solche Artikel suchen, steht Ihnen wie gehabt die Leiste rechts neben dem Artikel zur Verfügung). Vorschläge werden Ihnen derzeit nur auf derStandard.at präsentiert, die Medien daStandard.at und dieStandard.at sind vorerst von der Funktionalität ausgenommen.

Direkt über den Vorschlägen bietet sich die Möglichkeit, den aktuellen Artikel zu bewerten. Beantworten Sie die Frage "Ist dieser Artikel lesenswert?" in Hinblick darauf, ob Sie einen solchen Artikel wieder vorgeschlagen bekommen möchten. Wir vertrauen hier auf Ihre Fähigkeit zur Selbstreflexion: Bewerten Sie etwa einen gut geschriebenen Kommentar nicht nur deshalb negativ, weil Sie mit der Meinung des Verfassers nicht übereinstimmen! Bedenken Sie, dass es schnell langweilig wird, nur die eigene Meinung zu hören. Negatives und positives Feedback sind für das System gleichermaßen wichtig, um sich an Ihre Vorlieben anzupassen. Explizites Feedback ist die wichtigste Informationsquelle, die das System berücksichtigt, und Sie können so mithelfen, die Qualität der Vorschläge zu verbessern.

Basierend auf Ihren Bewertungen und gemessenen Metriken ihres Navigationsverhaltens auf derStandard.at werden Gewichte für bestimmte Charakteristika von Artikeln und ihrem aktuellen Lesekontext adaptiert. Es kann daher eine Weile dauern, bis die Vorschläge tatsächlich ihren Vorlieben entsprechen. Geben Sie dem System eine Chance, Sie kennenzulernen.

Wie es weitergeht

Die erste Testphase fand bereits im Oktober 2010 statt. Dabei wurden Erkenntnisse darüber gewonnen, welche Charakteristika von Artikeln die Präferenz von BenutzerInnen maßgeblich beeinflussen, und welche Systemparameter für unsere Algorithmen am besten geeignet sind. Dadurch konnten wir unser System "unter der Haube" maßgeblich verbessern.

In einer zweiten Testphase zu Beginn des Jahres 2011 möchten wir nun, basierend auf dem optimierten System, Erfolgskennzahlen (wie etwa die Benutzerakzeptanz oder die sinkende Anzahl an negativ bewerteten vorgeschlagenen Artikeln) berechnen. Diese werden die Zukunft der neuen Technologie über das wissenschaftliche Projekt hinaus bestimmen. Da sich diese Form der automatischen Aufbereitung von Inhalten insbesondere für reduzierte Benutzerschnittstellen anbietet, ist längerfristig auch die Anpassung an mobile Endgeräte wie Smartphones naheliegend.

Wir danken für Ihr Vertrauen und werden Sie selbstverständlich über die weitere Entwicklung auf dem Laufenden halten.

(Jeremy Jancsary, ÖFAI, 26.1.2011)

Share if you care.