Ein guter Büro-Tag beginnt mit einem funktionierenden Getränkeautomaten

4. Oktober 2010, 17:00
28 Postings

daStandard-Redakteurin Meri Disoski verwendet über 20 Maschinen pro Tag - Ein Protokoll

Um sieben Uhr früh geht der Alarm meines Handyweckers los und reißt mich aus dem Schlaf. Die Schlummerfunktion verschafft mir noch ein paar zusätzliche Minuten unter der warmen Bettdecke, aber spätestens nach der dritten Snooze-Phase ertrage ich die Melodie des Alarms nicht mehr. Absichtlich habe ich das grauenerregendste Lied, das auf meinem Handy zu finden war, für die Weckfunktion ausgesucht. Der Erfolg lässt sich sehen: Dankbar, die Melodie nicht mehr hören zu müssen, beginnt mein Tag. Selbstquälerischer könnte man sich vermutlich nur von „Clocky“ wecken lassen, überlege ich auf meinem Weg ins Badezimmer.

Zwei an „Clocky“ angebrachte Gummiräder ermöglichen es diesem unkonventionell-originellen Wecker, davon zu rollen und sich zu verstecken. Möchte man also den Alarm ausschalten, muss man erst aufstehen, den Wecker suchen und auch finden.

Morgenroutine

Nach der Dusche folgt der Griff zum Fön: Lufttrocknen mag ja im Sommer vielleicht funktionieren, herbsttauglich ist diese Methode allerdings nicht. Gute 20 Minuten später geht es mit halbwegs trockenen Haaren in die Küche. Da ich vergessen habe, Tabs für die Kaffemaschine (nein, es ist keine Nespresso) zu kaufen, bereite ich den Kaffee heute – ganz old school – mit meiner Caffettiera am Herd zu. Wasser und Kaffeepulver sind schnell eingefüllt, die Espressokanne flott auf die Gasflamme gestellt. Aus der am Herd erhitzten Milch zaubert der batteriebetriebene Stabmilchschäumer im Nu dichten Milchschaum. Wenig später steht ein perfekter Caffe latte am Frühstückstisch, daneben „Guten Morgen-Tee“ mit Wasser aus dem Wasserkocher und frisch getoastetes Brot.

„Kaufen’s ans beim Automaten“

Nach dem Frühstück geht es wieder ins Badezimmer, wo ich die neue elektrische Zahnbürste teste. Mit Handy, kompakter Digitalkamera und Diktiergerät in der Tasche und den Kopfhörern meines mp3-Players im Ohr verlasse ich später meine Wohnung. Weil es mir zum Motorradfahren schon zu kalt ist, werden mich heute die Wiener Linien hoffentlich schnell ins Büro bringen. Bei der Busfahrerin möchte ich einen Fahrschein kaufen, erhalte statt eines Tickets aber ein launisches „Kaufen’s ans beim Automaten“. Dumm, dass der Automat im Bus nur mit Münzen funktioniert, ich aber kein Bargeld eingesteckt habe. Bevor ich später in die U-Bahn umsteige, kaufe ich mit meiner Bankomatkarte am Fahrkartenautomat in der Ubahn-Station ein Ticket.

Bereitwillig und fehleranfällig

Auf dem Weg ins Büro mache ich bei einem Bankomaten halt, der bereitwillig mehrere Scheine ausspuckt. An meinem Arbeitsplatz ist mit einem Knopfdruck mein Computer aufgedreht, während das System hochgefahren wird, frage ich meine KollegInnen, wer von ihnen einen Fünf-fünf Euro-Schein in Münzen wechseln kann. Die fehleranfälligen Getränkeautomaten im Aufenthaltsraum scheinen heute einen guten Tag zu haben – mit Cappuccino und Cola-Light komme ich glücklich zu meinem Computer zurück. Die nächsten Stunden verbringe ich vor dem Rechner, schreibe und beantworte Mails, telefoniere, recherchiere im Internet, trinke noch einen Automatencafé, esse eine Kleinigkeit, schmeiße fast die Nerven, weil der Kopierer aus unerklärlichen Gründen einfach nicht funktionieren will und komme fast zu spät zum Interview mit Dino Šoše von BUM Media, das ich mit dem Diktiergerät aufzeichne.

Fertiggericht oder Gemüsewok?

Stunden später bin ich zu Hause und hungrig, kann aber der Versuchung, schnell ein Fertiggericht in die Mikrowelle zu schieben, tapfer widerstehen und koche stattdessen Gemüsewok mit Nudeln. Das benutzte Geschirr räume ich satt in den Spüler, der voll ist und jetzt aufgedreht werden kann. Das Duell Laufen gegen Staubsaugen kann Laufen knapp für sich entscheiden: Mit Pulsuhr inklusive Brustgurt und mp3-Player geht es los. Als ich zurückkomme, ist nicht nur der Geschirrspüler fertig – erschöpft gönne ich mir eine lange Dusche.

TV, DVD oder doch lieber Playstation?

Auf den ORF ist zumindest in einer Hinsicht Verlass: Das gebotene Programm lässt meistens zu wünschen übrig, so auch heute. Während ich überlege, ob ich Ice Age 3, das mir meine Nichte als DVD geschenkt hat, ansehen oder doch lieber Tony Hawk’s Proving Ground auf der Playstation spielen soll, fällt mir ein, dass ich nochmals meine Emails abrufen muss, weil ich auf eine dringende Terminbestätigung warte. Mit dem Laptop am Schoß auf der Couch sitzend vergeht die nächste Stunde, was ich erst merke, nachdem das Gerät abgedreht und verstaut ist. Mit elektrozahnbürstengeputzten Zähnen liege ich später im Bett, stelle den Alarm des Handyweckers auf sieben Uhr früh ein und bin froh darüber, dass ich auch morgen von der grauenhaften Melodie meines Telefons, nicht aber von „Clocky“ geweckt werde. (Meri Disoski, derStandard.at, 4.10.2010)

  • Alltagsmaschinen - Eine Auswahl.
    foto: derstandard.at/meri disoski

    Alltagsmaschinen - Eine Auswahl.

  • Die Maschine, mit welcher der Mensch Meri Disoski diesen Artikel gefertigt hat.
    foto: derstandard.at/meri disoski

    Die Maschine, mit welcher der Mensch Meri Disoski diesen Artikel gefertigt hat.

  • Der Getränkeautomat: Die Maschine, die über Glück und Unglück von durstigen derStandard.at-MitarbeiterInnen entscheidet.
    foto: derstandard.at

    Der Getränkeautomat: Die Maschine, die über Glück und Unglück von durstigen derStandard.at-MitarbeiterInnen entscheidet.

Share if you care.