Resistenzen

Antibiotika oft falsch verschrieben

4. Oktober 2010, 12:15

Eine Wunderwaffe wird stumpf, Resistenzen entstehen - Bei Erkältungen werden Antibiotika oft fälschlicherweise gegen Viren eingesetzt

Köln - Immer öfter tauchen Meldungen über Krankheitserreger auf, die gegen Antibiotika immun sind. Zugleich fordern Patienten diese Arzneien von ihren Ärzten, die sie oft auch bereitwillig verschreiben. Nur ein Umdenken auf beiden Seiten stellt sicher, dass die Wunderwaffen nicht endgültig stumpf werden. Die Entdeckung der Antibiotika gehört zu den wichtigsten Errungenschaften der Medizingeschichte. Denn sie nahmen vielen bis dahin gefährlichen, durch Bakterien ausgelösten Infektionskrankheiten den Schrecken. Doch inzwischen verliert die Wunderwaffe ihre Wirkung, da sie zu oft und häufig falsch eingesetzt wird. Oftmals bekommen Patienten bei einer Erkältung ein Antibiotikum verschrieben, obwohl diese Erkrankungen zu mehr als 80 Prozent durch Viren hervorgerufen werden.

Sinnvoll wird der Einsatz der hochwirksamen Medikamente erst, wenn zu der Erkältung noch eine bakterielle Infektion hinzu kommt. Zu erkennen ist dies meist daran, dass sich das sonst klare Nasen- und Hustensekret verfärbt. Die Ursache für die zu häufige Verordnung von Antibiotika liegt zum einen in der Erwartungshaltung der Patienten an ihren Arzt. Andererseits greifen Mediziner oft auch zu schnell zu den Arzneien, wie kürzlich beispielsweise eine Stichprobe des ARD-Magazins 'Plusminus' zeigte: Sechs von zehn besuchten Ärzten verschrieben den gesunden Testerinnen die hochwirksamen Arzneimittel. 

Reserveantibiotika nur im Notfall

Das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) hat bei einer Untersuchung der Verschreibungen zudem herausgefunden, dass bei 46,5 Prozent der Verordnungen zu sogenannten 'Reserveantibiotika' gegriffen wurde. 'Therapiert werden sollte mit Reserveantibiotika jedoch nur dann, wenn Standardantibiotika nicht mehr helfen', erklärt Helmut Schröder vom WIdO. Die goldene Regel sei: So wenig wie nötig und so gezielt wie möglich. Denn beim intensiven Einsatz von Antibiotika entwickeln Bakterien Resistenzen gegen die Wirkstoffe, die Arzneimittel werden nutzlos. Patienten sollten daher bei einfachen Erkrankungen nicht auf die Verordnung von Antibiotika bestehen oder sie im Internet oder im Ausland eigenmächtig ohne Verschreibung kaufen. Werden diese Medikamente jedoch vom Arzt verschrieben, müssen sie immer genau nach Anweisung eingenommen werden. Das bedeutet, sie über die verordnete Zeit hinweg in der vorgegebenen Menge einzusetzen, auch wenn die Krankheitssymptome bereits verschwunden sind. Denn ein Nachlassen der Beschwerden bedeutet nicht, dass alle Erreger abgetötet sind. 

Zerstörte Darmflora

Wird die Dosis des Antibiotikums verringert, können die verbliebenen Keime sich leichter an den Wirkmechanismus anpassen, sie werden immun (resistent) und geben diese Eigenschaft an ihre Nachkommen weiter. Das Arzneimittel verliert seine Funktion. So hilfreich Antibiotika im Kampf gegen Infektionen sind, ohne Nebenwirkungen bleibt ihr Einsatz selten. So leiden viele Patienten während der Einnahme unter Durchfall. Denn die Medikamente töten nicht nur Infektionserreger ab, sie beeinflussen zudem die natürliche Besiedlung des Darms und schädigen seine Schleimhaut. Eine US-amerikanische Studie hat gezeigt, dass der Einfluss auf die Schleimhaut sogar zwei Monate nach Absetzen der Arzneimittel noch besteht. Die Studienteilnehmer hatten im Abstand von sechs Monaten wiederholt ein Antibiotikum erhalten. Daher kann es nach der Einnahme dieser Medikamenten sinnvoll sein, die erwünschte natürliche Darmflora mit Probiotika oder entsprechenden vom Arzt verordneten Produkten wieder aufzubauen. Sowohl die Nebenwirkungen als auch die Gefahr von Resistenzen sollten Ärzte und Patienten davon abhalten, die hochwirksamen Mittel zur Vorbeugung einzusetzen. Ausnahmen gelten bei bestimmten Erkrankungen wie Herzklappenfehlern, bei denen Antibiotika vor Operationen oder bei Eingriffen des Zahnarztes auf ärztliche Anweisung hin eingenommen werden müssen. (sid)

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10 Postings
missknowledge
00
26.10.2010, 18:46
Da google ich mich durch die Welt der Probiotika

und stoße auf diesen Artikel hier. Ist zwar schon ein bisschen älter, aber ich kommentier ihn trotzdem noch. Beschäftige mich des öfteren mit solchen Produkten und nehme selber regelmäßig Omni Biotic. Finds gut, dass hier angesprochen wird, dass Ärzte immer nur Antibiotika verschreiben - mir ging es damals genauso. mein Arzt wusste noch nicht mal was Probiotika jetzt wirklich sind und wofür sie helfen. War dann gottseidank in der Apotheke meines Vertrauens und die haben mich rundum beraten. Besser gehn mit allem drum und dran tuts mir mittlerweile auf alle Fälle. Nur zur Info, hatte nach längerer Antibiotika Einnahme Riesenprobleme mit meiner Verdauung und hab dringend Abhilfe geuscht!

Lavinya
00
14.10.2010, 14:04

Nach ernsthafte Blasen- und Darmprobleme nach Antibiotikaeinnahme, nehme ich regelmäßig Probiotika.
In Wien habe ich nämlich die Erfahrung gemacht, dass viele praktische Ärzte sehr gerne, ohne vorher gründlich zu untersuchen, Antibiotika verschreiben. Ich frage mich, wo alle diese Ärzte studiert haben und warum die Krankenkasse es duldet. Aber, ein guter Patient sollte keine Fragen stellen und brav das nehmen, was der Arzt verschreibt.

guggi102
01
5.10.2010, 07:30

Wenn man einmal gesehen hat, was auf Intensivstationen alles hineingeschüttet wird, bezweifelt man, daß resistente Keime ausgerechnet vom kleinen Landpraktiker gezüchtet werden sollen...

fertigprodukt
00
5.10.2010, 10:58

es stimmt aber schon, dass der ARZT antibiotika dann verordnen sollte, wenn er es für nötig hält und nicht, wenn patienten welche wollen.

van Korff
02
4.10.2010, 16:33
Und noch ein Bericht aus eigener Erfahrung.

Dienstreise Deutschland 5 Tage. Am 2. Tag Krankheitsgefühl, ... in der Folge krank. Typischer grippaler Infekt. Für mich als Laien erkennbar. Ich komme heim, und will mich noch für 2 Tage krankschreiben lassen um mich auszukurieren. Sage das auch dem behandelnden Arzt. Die Sache sei eigentlich schon wieder vorbei, ich fühle mich schon wieder besser, aber will's halt noch auskurieren. Was bekomme ich - ohne nähere Untersuchung. Antibiotika. Wie kann so etwas sein? Zwar habe ich den Hausarzt inzwischen gewechselt, aber der gute Mann verschreibt weiterhin skrupellos Antibiotika an praktisch jeden Patienten.
Ich denke so etwas muss bei den Krankenkassen doch auffallen, wird aber offenbar toleriert.

doc1412
10
5.10.2010, 10:35
Viel Glück

mit deinem Schwiegervater und deinem Umgang mit hochpotenten Medikamenten - ich hoffe nur, du wirst nicht einmal doch ernstlich krank!

van Korff
04
4.10.2010, 16:25
Rat von meinem lieben Schwiegervater, einem Arzt ...

... wenn man krank ist, sollte man:
1. zum Arzt gehen, damit der Arzt gut leben kann,
2. die verschriebenen Medikamente kaufen damit der Apotheker gut leben kann und dann
3. die Medikamente wegwerfen, damit man selbst auch gut leben kann.

AmnesIC
00
28.10.2010, 23:33

im Ernst, gehen Sie zu einem Arzt? Wenn ja, wer zwingt Sie, wenn nein, warum schimpfens dann?

van Korff
00
29.10.2010, 00:02
Ihr Posting ist etwas ... kryptisch.

1. Wer schimpft?
2. Keiner zwingt mich, denn ...
3. ... meistens gehe ich zum Arzt, wenn ich krank bin.
4. Es ist zunehmend traurig, dass Menschen Humor nur noch als solchen erkennen, wenn er mit ";-)" und "lol" gekennzeichnet ist.
Wünsche noch einen guten Abend.

fertigprodukt
00
5.10.2010, 10:57

ohne bakterienbestimmung sollten sowieso keine antibiotika verschrieben werden.
breitbandantibiotika verordnen ist wie mit schrot auf spatzen schießen, sagt mein hausarzt.

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