Weltherrschaft, erreicht

Betriebssysteme sind irrelevant - und Unix / Linux hat gewonnen

Andreas Proschofsky, 4. Oktober 2010, 12:55
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    foto: archiv

    Während andere noch nach der Weltherrschaft streben, hat Unix/Linux diese längst erreicht - so zumindest sieht es Jean-Louis Gassée

Meint BeOS-Gründer Jean-Louis Gassée - Windows sei eine auf die PC-Welt beschränkte Anomalie

Bereits Ende der Achtziger-Jahre war Jean-Louis Gassée zum Entwicklungschef bei Apple aufgestiegen - und in Folge gar kurzfristig als neuer Apple-Boss im Gespräch. Statt dessen brach der gebürtige Franzose zu neuen Ufern auf und gründete im Jahr 1991 Be Inc. und damit jenes Unternehmen, das mit BeOS ein Betriebssystem schaffen sollte, das seiner Zeit in vielerlei Hinsicht um Längen voraus war. Insofern darf wohl getrost behauptet werden, dass Gassée durchaus weiß, wovon er spricht, wenn er sich zu Betriebssystemen zu Wort meldet - und dies tut er nun mit einem durchaus kontroversen Artikel.

Adieu

So stellt der BeOS-Gründer in einem aktuellen Blog-Eintrag die These auf, dass all die Diskussionen über die Vorzüge unterschiedlicher Betriebssystem mittlerweile längst an der Realität vorbeigehen - dies schlicht weil Betriebssysteme selbst längst irrelevant seien. Die mystisch anmutende Aura, die einem OS in den frühen Jahren des Computerzeitalters zuteil wurde, sei schon vor rund 20 Jahren verloren gegangen, als das grundlegende Wissen über das Zusammenspiel von Hard- und Software soweit verbreitet war, dass es zu einem Hobby wurde einen eigenen Kernel schnell mal in den Ferien zu schreiben.

Unix

Eine Realität, die für die heutige Betriebssystemwelt eine entscheidende Konsequenz habe: De fakto gebe es nur mehr ein einziges Betriebssystem - und das sei Unix, zeigt sich Gassée überzeugt. Eine Behauptung, die der Ex-Apple-Manager mit einem Blick auf das aktuelle Software-Ökosystem zu untermauern sucht: Der Umstand, dass Blackberry sein kommendes Tablet auf Basis des bereits seit 1982 in Entwicklung seienden Unix-Systems QNX ausliefert, liest Gassée als Kapitulation des Herstellers RIM vor der Realität - einer Realität die da heißt, dass vollständige Eigenentwicklungen über die Zeit kaum mehr wartbar sind.

Linux

Auch sonst ist Unix bzw. Linux mittlerweile praktisch überall: Unix bildet die Basis von Mac OS X und damit auch jene des iPhone-Betriebssystems iOS. Android ist ebenso ein Linux-basiertes System wie WebOS, das wohl nicht ohne Grund einem vollständig proprietären System von Palm gefolgt sei. Auch Nokias kommendes MeeGo setzt im Hintergrund voll und ganz auf Linux.

Die Windows-Anomalie

Freilich vergisst der BeOS-Gründer in seinem Beitrag nicht auf das recht offensichtliche Gegenbeispiel einzugehen, immerhin ist Windows noch immer das - mit weitem Abstand - dominante Betriebssystem im PC-Markt. Ein Umstand, den Gassée zwar durchaus anerkennt, aber als simple Anomalie klassifiziert. Denn so sehr sich Microsoft auch bemühe das eigene OS relevant und funktionstüchtig zu halten (mit geteiltem Erfolg, wie Windows Vista zeige), sei die Realität doch, dass Windows auf einen ganz spezifischen Bereich beschränkt bleibe - noch dazu einem, der an seinem Plateau angekommen sei. In allen anderen Sparten - von der Cloud bis zum Smartphone - präsentiere sich eine durchgängige Unix/Linux-Weltordnung.

Neue Ufer

Aus dem Umstand, dass nun die Systemfunktionen bei praktisch allen Plattformen gleich seien, resultiere zugleich aber  auch eine weitergehende Umschichtung im Softwaremarkt: Statt sich auf Treiber und Co. zu konzentrieren, stünden nun verstärkt die User Experience und die Entwicklungs-Tools im Vordergrund. Mit diesen gelte es sich künftig von der Konkurrenz abzusetzen - und nicht mehr mit der korrekten Ansteuerung von Hardware. (apo, derStandard.at, 04.10.10)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 173
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dejanowitsch
00
16.10.2010, 22:02
Stimmt auffällig!

Der größte Dreck ist das dooferl.
Was da ab und zu ohne Erklärung nicht geht, oder an updates kommt weil lauter Sicherheitslücken drinnen sind geht auf keine Kuhhaut mehr.
Sperrt den Laden zu und schreibt alles neu so wie in UNIX/LINUX, sonst ist da ja nichts mehr zu machen.

Pi der Grieche
53
6.10.2010, 09:57

Dieser Artikel scheint eine beschränkte Anomalie zu sein.

iTea
40
5.10.2010, 22:26

Was man dieser Anomalie jedoch zugute halten muss, ist das es eigentlich erst diese Verbreitung von PCs wie wir sie heute kennen ermöglich hat.

AngelusNoctis
03
7.10.2010, 13:47
Quark...

Es gab und gibt einige Alternativen die einiges besser waren/sind als MS-DOS/Windows.

Wenn IBM nicht den Deal mit Billy gemacht hätte, hätte sich jemand anderes durchgesetzt oder vielleicht mehrere.

Auswahl gab es genug

schokojunkie
00
6.10.2010, 00:23

Naja, die Aussage ist aber schon recht gewagt. Immerhin hatte die Anomalie immer schon potente Konkurrenz. Und mit oder dank der Anomalie musste man oft schon einiges mitmachen ^^

iTea
00
6.10.2010, 12:13

Wie erklärst du dir dann sonst die Tatsache das auf dem Großteil der Rechner heutzutage Windows rennt?

E Pie
 
00
11.11.2010, 05:16
gates und co waren bzw. sind lausige

programmierer aber clevere geschäftsleute bzw. anwälte. und um an aufträge (öffentliche) zu kommen benötigt man einen guten vertrieb der im zweifel finanziell überzeugen kann...

schokojunkie
00
6.10.2010, 14:36

Für mich ist das leicht zu erklären:
* Werbung (sowohl gezielt als auch ungezielt)
* Kundenbindung (die Kunden kommen nicht mehr weg davon)

Jerry Garcia
 
01
8.10.2010, 08:20
Diese Kundenbindung

ging mit proprietären Formaten einher, die bewusst inkompatibel mit anderen Systemen gehalten wurden.
Sogar der Internetexplorer hielt sich nicht an internationale Vorgaben. So kamen viele nicht mehr um ihn herum.

Some_Guy
30
6.10.2010, 17:35

Das erklärts für mich nur bedingt, weil demnach erklärt sich nicht warum der Internet Explorer dann inzwischen auf unter 50% gefallen is.

Die User erwarten sich, dass alles so funktioniert wie sie gewohnt sind - also ohne irgendwelche zusätzlichen Konfigurationen - und zudem eine offensichtliche Verbesserung dem alten System gegenübersteht.

Firefox kann beispielsweise alles was der IE kann und hat zudem mit Sicherheit und Add-Ons punkten können. Perfekt.

Linux und MacOSX können zwar beide mit Sicherheit punkten aber die Kompatibilität mit vorhandenen Windows Programmen, insbesondere aber mit Spielen is nur teilweise bis garnicht gewährleistet. zumindest nicht ohne weiteres.

AngelusNoctis
02
7.10.2010, 13:45
Sag mal haste gesoffen?

1) Der IE hat verschlafen und ist nun mal kein OS. Zudem fällt der IE kontinuierlich seit der User in Europa ne Auswahl hat, was wieder die These mit der Bindung stüzt.

2) Der User erwartet... wie gewohnt... funktioniert..
2.1) Was alle bestätigt das der User von klein an an Windows gewöhnt wurde und gebunden.

3) Umgekehrt! Die Software für Windows und Windows sind inkompatibel zum Rest der Welt! Schliesslich kann man unter z.B. Linux/BSD/SOLARIS/OSX mit kaum Aufwand die selbe Software untereinander nutzen.

Tancredo
 
00
5.10.2010, 18:02
Liebe Standard Redaktion,

ich habe schon von mehreren Journalisten gehört, dass die Überschrift das Schwerste an einem Artikel sein soll. Gilt bestimmt erst recht, wenn diese aus zwei Teilen besteht. Einzeln sind Euch beide Teile ja ganz gut gelungen. Im Ganzen hingegen ist diese Überschrift, nun ja, suboptimal. Ich meine, macht das erste Statement im Titel nicht die zweite Aussage überflüssig?

Nur so ein Gefühl.

saka jamahatsu
00
5.10.2010, 23:01

ich hab mal von einem Stilmittel gehört, dass "ironie" heißen soll ...

Matt Canalegrande
02
5.10.2010, 16:51
Betriebssysteme sind irrelavant

...nicht ganz.
Wer die Geschwindigkeits - Brauserkriege der letzten Zeit verfolgt hat wird wahrscheinlich Firefox 3.6 mit seinen vielen Erweiterungen gegenüber Safari / Chrome / Chromium lahm finden.
In Windows 7 (Neuinstallation) stimmts auch.
Im neuen Maverick - Ubuntu (RC) startet der selbe Firefox aber fast doppelt so schnell.
Ists also wurscht, das OS?

schokojunkie
22
5.10.2010, 18:46

Ja. Weil er davon ausgeht, dass ein kluger Mensch -- wenn er nicht zu etwas anderem gezwungen wird -- ohnehin Ubuntu verwendet ;-)

schokojunkie
00
5.10.2010, 16:00
Wenn die Windows-Anomalie mich nicht permanent tangieren würde, dann wär sie mir egal.

schokojunkie
00
6.10.2010, 15:00

Der rote Balken stammt sicher von beleidigten Mac-Nutzern ^^

Nilpferd
06
5.10.2010, 13:24
Jean-Louis Gassée visualisiert den Sieg von Linux.

go-east
00
5.10.2010, 12:52
Kernel am Wochenende...

stimmt doch etwas, habe mir ende der 90er einen kernel für den H8 Prozessor von Hitachi adaptiert, inkl. preemptivem Multitasking, Dauer ca. 1 Woche (welches auf einem 68ooo'er seit ca. 20 Jahren läuft).
Mircosoft hatte das zu dem Zeitpunkt nicht geschafft ins Windows zu importieren, Armutszeugnis für ein so grosses und marktbeherrschendes Untenehmen...

Parkschwein
00
5.10.2010, 16:17

was zu "importieren"? präemptives multitasking? gibts bei windows seit windows nt 3.1, also seit 93.

Jerry Garcia
 
00
8.10.2010, 08:27
Es geht um einen andern Prozesseor. H8, nicht x86.

posaunist
00
7.10.2010, 09:00
!! "teilwese" !!

"Windows beherrscht erstmals in den 3.x-Versionen teilweise präemptives Multitasking, dort allerdings nur für DOS-Programme und das auch nur dann, wenn sie auf einem System mit einem 80386-kompatiblen Prozessor ausgeführt werden"

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Multitasking

Parkschwein
00
7.10.2010, 09:48

windows *NT* 3.1
nicht das normale 3.1

posaunist
00
7.10.2010, 10:38
oK!

posaunist
00
7.10.2010, 08:58
was?

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