Milorad Dodik wird gestärkt - Bakir Izetbegović statt Silajdžić, womit er in die Fußstapfen seines Vaters Alija tritt
Sarajevo / Banja Luka - Die Bosnier wählten so unterschiedlich, wie sie uneins sind. In der Föderation (dem mehrheitlich von Bosniaken und Kroaten bewohnten Landesteil) gewann am Sonntag die multiethnische sozialdemokratische Partei SDP unter Zlatko Lagumdžija Stimmen hinzu. Sie lag am Montag in vier Wahlkreisen vor der bosniakischen Partei der Demokratischen Aktion (SDA) in Führung. In der Republika Srpska (dem mehrheitlich von Serben bewohnten Landesteil) gewannen hingegen die nationalistischen Populisten unter Milorad Dodik.
Dodiks Bund der Unabhängigen Sozialdemokraten (SNSD) wurde nicht nur stärkste Partei in der Republika Srpska (RS), sondern auch landesweit stärkste serbische Partei. Der bisherige Premier Dodik wurde am Sonntag mit 68 Prozent der Stimmen zum Präsidenten der RS gewählt. Gleich nach der Wahl provozierte er wieder mit Sezessionsbestrebungen: "Republika Srpska für immer, Bosnien-Herzegowina nur so lange es sein muss", sagte er.
Überraschend war, dass nicht der bisherige bosniakischen Vertreter Haris Silajdžić, sondern der Sohn des verstorbenen bosnischen Präsidenten Alija Izetbegović, Bakir Izetbegović, ins dreiköpfige Staatspräsidium gewählt wurde. Die internationale Gemeinschaft hofft, dass Izetbegoviæ eine kooperativere Haltung einnehmen wird als sein Vorgänger. Silajdžić hatte 2006 eine notwendige Verfassungsreform verhindert.
Izetbegović statt Silajdzić
Izetbegović versprach eine konstruktivere Politik, er gilt aber selbst innerhalb seiner Partei der Demokratischen Aktion (SDA) als Hardliner. Er erhielt 34,65 Prozent der Stimmen, gefolgt von dem Medienzaren Fahrudin Radonèić (30,26 Prozent). Silajdzić kam nur auf 25,23 Prozent der Stimmen. Die Vertreter der Serben und der Kroaten im Staatspräsidium, Nebojsa Radmanović und Zeljko Komsić, wurden wieder gewählt. Der Sieg von Radmanoviæ könnte allerdings angefochten werden. (awö, DERSTANDARD-Printausgabe, 05.10.2010)