U2 fährt über die Donau

2. Oktober 2010, 14:50
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490 Millionen Euro teures Teilstück ab sofort betriebsbereit

Wien - Acht Tage vor dem Urnengang ist ganz Wien Wahlkampfzone. So waren auch am Samstag bei den Eröffnungsfeierlichkeiten für das neue U2-Teilstück bis Aspernstraße so gut wie alle politischen Parteien vertreten. Die meiste Präsenz zeigte freilich die Mehrheitsfraktion SPÖ. Sie war bei der Hauptbühne unweit der neuen Endstation nicht nur mit eigenem Stand vertreten, zahlreiche Aktivisten beschenkten die Jungfernfahrer auch mit diversen Wahlgoodies.

So verteilte das Team rund um den Donaustädter Bezirksvorsteher Gerhard Kubik (SPÖ) rote Nelken, während das Nockalm Quintett gerade Kostproben seines Oeuvres live darbot. Kugelschreiber und Infofolder wurden ebenfalls unters Volk gebracht, auch mit dem "Häupl"-Schriftzug gebrandete Äpfel fanden Abnehmer. In Sachen Luftballons sah sich die Sozialdemokratie allerdings großer Konkurrenz ausgesetzt. Schließlich wollten auch andere Parteien den großen Auflauf für Werbung in eigener Sache nutzen.

Bunte Ballons

Folglich mischten sich unter die roten Ballons auch solche von Grünen und dem BZÖ. Die am Eröffnungsakt teilnehmenden Wiener - vorrangig bereits im Pensionsalter - schienen ob der Volksfeststimmung kaum auf parteipolitische Präferenzen wertzulegen, wodurch sich ballontechnisch durchaus visionäre Koalitionen ergaben. An Kinderwägen und Handgelenken fanden sich Rot und Grün friedlich nebeneinander, anderswo schwebten orange und rote mit Helium befüllte Gummis Seite an Seite unter dem grautrüben Himmel. Mancherorts fand sich gar eine rot-grün-orange Dreierkoalition.

Die FPÖ war mit Aufgeblasenem nicht vertreten, jedoch suchten einige mit "Team für HC Strache" bemäntelte Parteifunktionäre den Kontakt zu den Wienern. Blaue Luftballons gab es trotzdem zuhauf - sie zierten allerdings das U-Bahn-Logo. Außerdem baumelte von einigen Rucksäcken und Taschen der Zuhörerschaft Häupls, der das Teilstück offiziell eröffnete, ein HC-Stoffbär. Die KPÖ zeigte mehr Zurückhaltung und positionierte ihr Hüttchen gegenüber der Station Stadion.

"Zurückbleiben, bitte!"

Prominenter platziert war freilich der Stand der Wiener Linien. Dort konnten Öffi-Fans nicht nur Bücher über einzelne U-Bahnlinien, Regenschirme und Info-DVDs erstehen, sondern auch eine 80 Euro teure Hufeisenskulptur, die anlässlich der U2-Verlängerung angefertigt wurde. In den Zügen und Stationen selbst wurden bereits ab den Morgenstunden die Fahrgäste auf die neuen Zugabfertigungsdurchsagen aufmerksam gemacht. Ab sofort ertönt vor dem Schließen der Türen nämlich die Aufforderung "Zurückbleiben, bitte!". Das vertraute "Zug fährt ab" - nun von einer Frauenstimme gesprochen - ist erst dann zu hören, wenn das Einsteigen bereits nicht mehr möglich ist (APA).

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    Bürgermeister Häupl badet in der Menge

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