Drei Polizisten wegen Mordversuchs an Correa verhaftet

2. Oktober 2010, 08:17

In Quito kehrte am Freitag wieder Ruhe ein - Verhängter Ausnahmezustand aber aufrechterhalten - Bilanz: Acht Tote, 274 Verletzte

Quito - Der ecuadorianische Präsident Rafael Correa hat nach der Niederschlagung einer Meuterei von Teilen der Polizei und des Militärs mit acht Toten und 278 Verletzten schwere Vorwürfe erhoben. Es habe sich um einen versuchten Putsch gehandelt, bei dem nicht genannte Hintermänner die meuternden Polizisten benutzt hätten, um ihn und andere Regierungsmitglieder umzubringen, berichteten nationale Medien am Samstag.

Vor den Außenministern der südamerikanischen Staatenunion Unasur, die am Freitag nach Quito gereist waren, machte der linksgerichtete Staatschef "Verschwörer, die uns an den Wahlurnen nicht besiegen können und uns umbringen wollen", für die Gewalt vom Donnerstag verantwortlich. Ziel des Aufstandes sei ein "Bürgerkrieg mit unabsehbaren Folgen" gewesen. Namen nannte Correa nicht. Drei Polizeioffiziere wurden festgenommen.

Correa war am Donnerstag von meuternden Polizisten stundenlang in einem Hospital in Quito festgehalten worden. Erst in der Nacht war er von loyalen Eliteeinheiten befreit worden. Die Beamten hatten nach Angaben eines ihrer Sprecher gegen befürchtete Einkommensverluste protestiert, aber keine politischen Ziele verfolgt oder gar einen Putsch geplant. Nach der Befreiung Correas beruhigte sich die Lage, und die Polizisten nahmen ihren Dienst wieder auf.

Correa kündigte auch eine radikale Säuberung des Polizeiapparates an. Am Freitag war bereits die Polizeiführung ausgetauscht worden. Polizeichef Freddy Martínez verlor seinen Posten und wurde von Fausto Franco ersetzt. Weitere personelle Konsequenzen bei den Sicherheitskräften und auch im Kabinett wurden erwartet.

Die katholische Kirche des Andenstaates rief unterdessen beide Seiten zu einem Dialog auf. Weder die Regierung noch das Parlament sollten versuchen, ihren Willen anderen einfach aufzudrängen, warnte die Kirchenführung. Correa hatte während der Meuterei jeden Dialog abgelehnt, sich jedoch grundsätzlich zu Gesprächen bereiterklärt: "Zwang niemals, Dialog immer."

"Wenn Ihr den Präsidenten töten wollt, hier ist er"

Die meuternden Sicherheitskräfte hatten am Donnerstag gegen die vom Parlament beschlossene Streichung von Gehaltszuschlägen protestiert. Sie besetzten Kasernen und Kommissariate, blockierten in Quito den Flughafen und stürmten das Parlamentsgebäude. Correa begab sich nach Beginn der Proteste in eine Polizeikaserne, um die Aufständischen zu besänftigen. Dort forderte er die Menge heraus: "Wenn Ihr den Präsidenten töten wollt, hier ist er", sagte er.

Als die Stimmung sich immer weiter aufheizte und eine Tränengasbombe vor Correa explodierte, wurde er eilig in ein Krankenhaus gebracht. Dort konnte er stundenlang nicht heraus, weil wütende Polizisten das Gebäude umstellten. Correa sprach von einem "Putschversuch" und sagte, sein Leben sei in Gefahr. Vor dem Krankenhaus kam es zu Zusammenstößen zwischen Polizisten und Anhängern des Präsidenten. Unter heftigen Schusswechseln zwischen Soldaten und Polizisten befreiten Spezialkräfte der Armee Correa und brachten ihn zum Präsidentenpalast. Auch das Auto, in dem sich der Staatschef befand, wurde von Kugeln getroffen.

Acht Tote, 274 Verletzte

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums kamen bei den Protesten acht Menschen ums Leben, 274 weitere wurden verletzt. Drei Todesopfer wurden demnach in der Hauptstadt Quito gezählt, die fünf anderen in der zweitgrößten Stadt des Landes, Guayaquil. Zwei der Toten seien Polizisten, die sechs anderen Zivilisten.

Der Generalsekretär der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS), Jose Miguel Insulza, forderte eine harte Bestrafung der für die Unruhen Verantwortlichen. Was in Ecuador geschehen sei, gehe "weit über eine einfache Demonstration hinaus", sagte der Chilene bei einem Besuch in Quito. "Der Putschversuch von gestern muss untersucht werden und die Verantwortlichen müssen bestraft werden." Es seien "schwere Menschenrechtsverletzungen" begangen worden. US-Außenministerin Hillary Clinton rief Correa an und sicherte ihm die Unterstützung der USA zu, wie ihr Sprecher mitteilte. (APA/AFP)

 

Kommentar posten
24 Postings
E. Wart.
00
14.10.2010, 18:49
http://www.rtve.es/alacarta/#897645

Exklusivinterview mit Rafael Correa von radio televisión española - rtve: Minute 16 bis 30
wie der Putschversuch ablief

Horst Holger
00
10.10.2010, 23:37
bei Putschversuch, auch wenn nicht über die Gerichte nachweisbar

bzw. auch ohne echtes Gerichtsverfahren gibt´s in Venezuela seit Hugo zumeist 30 Jahre Knast, da wir sich sein compadre Correa sicherlich ein paar Tipps abholen...

Horst Holzinger
01
13.10.2010, 01:40
Schon klar,

wenn die Rechten beim Errichten eines ihrer faschistischen Regime scheitern werden sie unterdrückt.

Das ist so in Ecuador nun, das war so in Venezuela 2002.

Aber Chile und Honduras ist für euch gut aufgegangen.

Wenn der Putsch in Honduras gescheitert wäre, würdet ihr auch die armen unterdrückten Faschisterl beweinen, die einfach ihre Todeskarawane nicht durchführen können.

Ihr armen Opfer.

Der Neue Mensch
10
12.10.2010, 14:08
hihi

"Muy elocuentes fueron las palabras del presidente Rafael Correa, inmediatamente después de su liberación del secuestro por la Policía en el hospital, al agradecer a José Luis Rodríguez Zapatero ?implícitamente un mensaje a la gran comunidad ecuatoriana en España?, y otros homólogos latinoamericanos y mundiales, que no a Chávez ni Evo. Fidel y Raúl Castro no sonaron en su voz, y ni siquiera una referencia a Cuba."

http://www.cubaencuentro.com/opinion/a... smo-246680

Traumpass - Spieler
02
4.10.2010, 16:47

"Weder die Regierung noch das Parlament sollten versuchen, ihren Willen anderen einfach aufzudrängen, warnte die Kirchenführung." - ist das parlament nicht die gewählte volksvertretung?

wenn die kirche sich mal vorsichtig vor die putschisten stellt wird einiges klarer...

Horst Holger
00
10.10.2010, 23:40
Recht auf freie Meinungsäußerung?

Haben Sie davon schon mal was gehört, Hr. Traumspieler? Solls in der einen oder anderen Demokratie geben. Was ist also an den Aussagen der Kirchenführung auszusetzen? Kritik nicht gewünscht? Kann es vielleicht sein, daß die Kirche sich sogar vor das Volk und deren Rechte stellt?

E. Wart.
00
4.10.2010, 10:29
www.presidencia.gov.ec/

für die standard-Redakteure und andere Interessierte

hansito
80
4.10.2010, 07:16
Na, was hamma denn da?

http://www.elcomercio.com/web/notic... dente.html

Correa wurde nicht entführt!

GG22
04
5.10.2010, 21:54
Ich empfehle Ihnen mal diesen Link, der rechtskonservativen Zeitung El Mundo

http://www.elmundo.es/america/2... 06741.html

Es gibt also mehrere aufgezeichnete Meldungen der Aufständischen den Präsidenten ermorden zu wollen.

edson arantes do nascimento
01
5.10.2010, 18:47
aber sicher doch, hansi!

link zu einer weiteren glaubwürdigen informationsquelle:

http://www.elga-friedrich.de/images/We... tsmann.gif

Horst Holzinger
05
4.10.2010, 15:26
Die Putschistenpresse und ihre Anhänger melden: es war keine Entführung, es war kein Putsch.

Interessant aber die Tatsache dass eine Militäreinheit das Krankenhaus unter Schusswechsel stürmen musste und dabei einer der Männer umkam.
Interessant auch, dass das gepanzerte Fahrzeug, mit dem der Präsident befreit wurde, vier Einschüsse aufwies: Man hat also auf das Fahrzeug noch geschossen, in dem der Präsident weggebracht wurde.

Nein, es war natürlich keine Entführung. Erklärt uns die Putschistenpresse und ihre Anhänger.
Deshalb kann man die Putschisten natürlich nicht wegen des Putsches und der Verschleppung belangen - es war ja nichts.

Das ist die Botschaft der Medien.
In Ecuador teilen sich die Medien übrigens zwei Familien auf, denen gleichzeitig die beiden grössten Banken des Landes gehören.

Nicolas Castillo
41
4.10.2010, 15:56
Sie müssen denen ...

unbedingt amerika.21 in's Hirn hämmern

Horst Holzinger
13
4.10.2010, 02:44
Die drei verhafteten Polizeioffiziere

sind übrigens mittlerweile von einem Gericht bis zu Verhandlung auf freien Fuss gesetzt worden.

Sie dürften das Land offiziell nicht verlassen, werden aber sicher innerhalb einer Woche in USA oder den Vasallen (Kolumbien, Peru) Asyl beantragen und auch kriegen.

Ich bin überzeugt das Konto des Richters wird eine gewisse positive Veränderung erfahren.

hansito
10
4.10.2010, 07:16

Gibts auch einen Link dazu?

Horst Holger
00
10.10.2010, 23:35
3x diarrhea machts nicht 3x besser, Herr/Frau Wart!

denn wie schon in der Vergangenheit: was des Hugos Privatzeitung so von sich gibt, nimmt ausser ein paar Fehlegleiteten hier im Forum Ihnen keiner ab!

theEdge
 
00
2.10.2010, 23:44

Und immer noch: Quito ist die zweitgrößte Stadt nach Guayaquil. Nicht umgekehrt.

Robert Fien
13
2.10.2010, 18:12
Clinton sichert ihre Unterstützung zu... wäre der Putsch anders ausgegangen hätte sie diese noch viel lieber zugesichert!

Horst Holzinger
27
2.10.2010, 15:08
Meuterei, Unruhe oder ... Putschversuch?

Selbst der US-hörige OAS-Vorsitzende, der Chilene Insulza, bezeichnet die Vorgänge als Putschversuch.

http://confirmado.net/nacionale... 80%9D.html

Insulza: "Es war ein versuchter Putsch, es ist sicher, dass es dies war".

Wirft natürlich die Frage auf, warum sich "unsere" Medien so schwer tun dies als solches zu bezeichnen.

Antwort: Das Wort Putsch ist negativ belegt und jeder Versuch die Linksregierungen zu beseitigen stösst auf Zustimmung unserer Medienkonzerne.

Ob nun Honduras oder Ecuador.

Koba
06
2.10.2010, 06:50
Gegen die verlogene Presse!

Da ist von Sparkurs und Lohnkürzungen die Rede, wo es tatsächlich um eine Umverteilung von bisher in Prämien investierte Gelder geht. Und der Standard betet die Lügen der Agenturen nach!

"Ursprünglicher Hintergrund der Proteste war eine Gesetzesänderung, die das Parlament am Mittwoch beschlossen hatte. Die meuternden Polizisten sahen darin eine Gehaltskürzung. Correa wies dies zurück. Tatsächlich seien finanzielle Prämien gestrichen worden, die bei Beförderungen ausgezahlt wurden. Die dafür bislang aufgewendeten 15 Millionen US-Dollar im Jahr sollten statt dessen in eine Verbesserung der Lebensbedingungen aller Polizisten investiert werden. Ecuadors Polizeichef Freddy Martínez erklärte am Freitag seinen Rücktritt, nachdem es ihm am Donnerst

sevet
211
1.10.2010, 23:33
CIA behind failed Ecuador coup?

http://www.youtube.com/user/RTAm... uWpgRQuXU4

napfiatgott
01
2.10.2010, 14:45
...um den Kontext zu vertiefen...

...http://www.icai-online.org/

permanent marker
03
2.10.2010, 08:44

geil

Dr.Winter - Institut für angewandte Psychatrie
03
2.10.2010, 00:32

Sehr interessant.
Danke.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.