Talentmanagement und Führungskräfteentwicklung sind die größten Herausforderungen, unterschätzt werde das demografische Risiko
Der Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeiter erreicht die Chefetagen. Talentmanagement und Führungskräfteentwicklung. werden zwar von Unternehmen als hoch erfolgskritisch, aber derzeit unzureichend gemanagt bewertet. In vielen Firmen misslingt der interne Aufbau von künftigen Führungskräften, weil Mitarbeiter nicht gezielt weiterentwickelt werden. Zu diesen Ergebnissen kommt die Studie Creating People Advantage 2010 - How Companies Can Adapt Their HR Practices for Volatile Time, für die die Boston Consulting Group (BCG) gemeinsam mit der World Federation of People Management Associations (WFPMA) eine Umfrage unter 5561 Führungskräften in 109 Ländern durchführte.
Knapp zwei Drittel der befragten Führungskräfte stellen der Studie zufolge bereits jetzt einen Mangel an Nachfolgern für die oberen Führungsebenen fest. Rund die Hälfte der Unternehmen besetzt daher Führungspositionen extern. Frauen spielen im Talentmanagement nach wie vor eine untergeordnete Rolle. In der Hälfte der untersuchten Unternehmen stellen sie gerade einmal zehn Prozent des internen Talentpools dar.
Strategische Personalplanung und Mitarbeiterengagement werden an Bedeutung in der künftige HR-Arbeit gewinnen, so die Studie. Dennoch mangelt es in vielen Unternehmen an geeigneten Instrumenten der strategischen Personalplanung, die den Bedarf an qualifizierten Mitarbeitern verlässlich ermitteln und dabei auch Unternehmensentwicklungen wie eine geänderte Geschäftsstrategie berücksichtigen.
Demografischer Wandel
In der Wahrnehmung der Befragten weniger wichtig sind hingegen Work-Life-Balance und Demografie-Management. Doch gerade vor dem demografischen Risiko warnt das BCG seit Jahren eindringlich. Sinkende Geburtenraten und eine bevorstehende Welle an Pensionierungen würden schon heute zu Personalengpässen in einigen Branchen führen. "Momentan drängen andere Themen auf die Agenden. Aber das Management demografischer Risiken steigt von Jahr zu Jahr", ergänzt Rainer Starck, Senior Partner bei BCG.
Ein weiterer Grund für den künftigen Führungskräftemangel ist auch eine zu kurz gegriffene Personalplanung. So mangelt es in vielen Personalabteilungen nach eigener Einschätzung an ausreichenden Kenntnissen über die Fähigkeiten, das Potenzial oder sogar die Altersstruktur der Belegschaft.
Die Professionalisierung des eigenen Aufgabenbereichs stellte eine weitere Herausforderung der Personalverantwortlichen dar. Die Studie zeigt, dass Personaler ihre eigene Leistung und die strategische Bedeutung im Unternehmen deutlich höher einschätzen, als sie von anderen Führungskräften bewertet werden. Die Positionierung als strategische Einheit scheint in vielen Firmen noch nicht vollzogen. Nachholbedarf sehen die Personaler selbst vor allem im analytischen Bereich, dem Umgang mit Kennzahlen und der langfristigen Unternehmensplanung. (ost/DER STANDARD; Printausgabe, 2./3.10.2010)