Baustopp: Israel gegen US-Zauberformel

1. Oktober 2010, 20:33

Washington nach Netanjahu-Rückzieher offenbar verärgert

Um den Zusammenbruch der israelisch-palästinensischen Gespräche abzufangen, pendelte US-Vermittler George Mitchell seit Donnerstag zwischen Jerusalem, Ramallah und Cäsaräa, wo Israels Premier Benjamin Netanjahu seinen Privatwohnsitz hat. Laut Medienberichten war Washington verärgert darüber, dass Netanjahu einen US-Kompromissvorschlag, der eine Verlängerung des Siedlungsausbaustopps um zwei Monate vorgesehen hätte, zurückgewiesen habe. Die Zeit drohte knapp zu werden, weil führende Palästinenservertreter schon heute, Samstag, eine Grundsatzentscheidung über die Fortsetzung der Verhandlungen treffen wollen. Etwas Spielraum blieb aber noch, da ein Treffen der Arabischen Liga in Kairo von Montag auf Mittwoch verschoben worden war.

Netanjahus Vertreter sollen vorige Woche an dem Text mitgearbeitet haben, den das Weiße Haus als Zauberformel präsentieren wollte. Versprechungen im politischen und im Sicherheitsbereich sollten den Israelis die bittere Pille eines abermaligen Ausbaustopps versüßen. So wollte Präsident Barack Obama die Forderung nach Stationierung israelischer Soldaten im Jordantal auch nach der Gründung eines Palästinenserstaats unterstützen, für Israel unbequeme Resolutionen im UN-Sicherheitsrat blockieren, arabische Staaten zu Schritten gegen den Iran vergattern und Israel mit Kampfjets ausstatten.

Doch Netanjahu machte einen Rückzieher, ein weiterer Ausbaustopp gilt in Israel als politisch undurchsetzbar. Die Amerikaner verstärkten daraufhin den Druck, indem sie Einzelheiten des Pakets an einen Washingtoner Thinktank durchsickern ließen. Meldungen, wonach es einen fertigen Brief Obamas an Netanjahu gegeben habe, wurden aber dementiert: "Es gab keinen derartigen Brief" , sagte P. J. Crowley, der Sprecher des State Department. Im Weißen Haus war das Wording dagegen etwas anders: "Es wurde kein Brief abgeschickt." (Ben Segenreich aus Tel Aviv/DER STANDARD, Printausgabe, 2.10.2010)

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Paolo Callito
 
51
2.10.2010, 14:31
Israel hat schlechte Erfahrungen gemacht mit Rückzug!

2000: Israel zieht sich aus dem Süden vom Libanon zurück.
Konsequenz: Hisbollah startet einen Guerrilla-Krieg gegen Israel, so dass der IDF gezwungen ist, 2006 den Zweiten Libanonkrieg zu führen.
2005: Rückzug aus Gaza
Konsequenz: Qassam-Raketen prasseln fast täglich auf den Süden Israels nieder, so dass der IDF 2008 Operation "Gegossenes Blei" führen muss.

Israel hat gar keine andere Wahl, es muss aus strategischen Gründen im Westjordanland bleiben.
Kleine Erinnerung: Israel hat das Westjordanland 1967 erobert, NACHDEM die arabischen Länder den 6-Tage-Krieg begonnen haben.

Wabadoo
11
2.10.2010, 16:55

es gibt nur eine Frage: was geschieht mit den Palästinensern, die im WJL leben? Welche Antwort haben Sie darauf? Eine Kolonialherrschaft mit unterschiedlichen Rechten (Strassen und Siedlungen nur für Juden) wird langfristig nicht klappen zeigt die Geschichte (und dagegen gibt es 1. ein Recht auf Widerstand und 2. werden die Palästinenser bald im gesamten Gebiet inklusive Israel die Mehrheit sein - spätestens dann haben wir ein Apartheidregime!), die Zweistaatenlösung sehen Sie als unmöglich, also was bleibt? Einstaatenlösung mit einer jüdischen Minderheit? Ein Unostaat? ODER WAS? Ohne Alternativen ist auch aus Israelischer Perspektive die Zweistaatenlösung das einzig Sinnvolle - wird aber unmöglich durch die illegalen Siedlungen!

Veuliah
10
2.10.2010, 19:15

was spricht gegen eine Zweistaatenlösung, die PAL finanziell zu entschädigen, damit sie aus dem WJL ausziehen, wäre z.B. eine Möglichkeit, was spricht denn dagegen, dahingehende Gespräche gibt es doch ohnehin schon seit ewig langer Zeit, man wartet doch nur den richtigen Zeitpunkt ab

Tower Hill
00
3.10.2010, 09:11
Und wo sollen die bis zu 2 Mio. Pal. hin?

Veuliah
00
3.10.2010, 12:31

wo ein Wille wäre, wäre auch ein Weg, und wie heißt es so schön "Viele Wege führen nach Rom" (bzw. ins WJL)

Tower Hill
00
4.10.2010, 05:59
Na, das ist doch schön.

Dann wird sich ja auch ein Weg für die 300.000 Isr. in WJL finden lassen. Oder fehlt da der Wille?

Veuliah
00
4.10.2010, 20:37

Der Wille der PA stand nie zur Diskussion, jedenfalls nicht für PA selbst. Die Willensfrage liegt und lag doch bei IL, dessen Taktik bereits seit einem halben Jahr die Verhandlungen erfolgreich hinauszögert.

jd1212
00
5.10.2010, 19:10

Welche IL taktik?

Etwa das weigern von Abbas, waerend dem Siedlungsstopp, zum Verhandlungstisch zu kommen.

Veuliah
00
5.10.2010, 21:45

Obwohl es vielleicht so aussehen mag; das ist keine Taktik der PAL; das hängt damit zusammen, dass die mobile techn. PAL-Ausrüstung vermutlich nicht ganz dem Standard von IL entspricht, sie wiedereinmal in einer VO bzw. VH festgesessen sind und aufgrund der schlechten Infrastruktur zw. Ariel und Ramallah zeitlich verspätet sind.

Tower Hill
00
5.10.2010, 09:53
Die Pal. tragen genauso ihren Teil daran,

daß nichts weitergeht. Ich kann nicht beurteilen, inwieweit Olmerts Aussagen über die Verhandlungsfortschritte von 2008 der Wahrheit entsprechen. Stimmen sie, haben die Pal. mM einen schweren Fehler gemacht. Mehr werden sie nicht kriegen.

Path of Wisdom #5
10
2.10.2010, 16:18

gerade vorhin war noch folgendes zu lesen:

<6-Tage Krieg war ein israelischer Angriffskrieg
Der 6-Tagekrieg war ein israelischer 'Präventivkrieg'.Die Araber haben Israeli nicht angegriffen...>

also was stimmt denn nun, kann man sich denn da mal einig werden, man kann sich die Geschichte doch nicht so zurechtbiegen, wie man's gerade braucht, in der Hoffnung, dass es eh keiner merkt.

Tower Hill
22
2.10.2010, 14:57
Aha, und Isr. muß auch aus strategischen Gründen siedeln?

Merkwürdige Sicherheitspolitik, jemanden das Recht auf bewaffneten Widerstand einzuräumen.

Paolo Callito
 
30
2.10.2010, 15:14
Wenn der Gegner keine andere Wahl lässt, ist Siedeln legitim!

1948, 1967, 1973: 3 Kriege welche alle von den Arabern gestartet wurden.
Vor diesen Kriegen versprachen die arabischen Führer, alle Juden ins Meer zu werfen und Hitlers "Werk" zu vollenden.
Ist Ihnen aufgefallen, dass seither keine kriegerischen Aktivitäten mehr von der Ostflanke Israels (sprich Westjordanland) gestartet wurden? Die "Pälästinenser" (oder besser gesagt, die Araber) aus dem Westjordanland inklusive Jordanien haben sich abgefunden, keinen Krieg zu führen, da Israel diesen gewinnen würde (vor allem dank der "strategische Tiefe" der Westbank).

Will Israel keinen Krieg, darf es sich nicht zurückziehen!

Tower Hill
02
2.10.2010, 15:33
Das Siedeln ist nicht legitim.

Isr. hat die entsprechenden völkerrechtlichen Verträge unterzeichnet, also kann man erwarten, daß es sich daran hält.

Falls es Ihnen nicht aufgefallen ist, kamen beide Intifaden aus dem WJL. Und im Gegenteil zum Siedeln waren diese legitim, ausgenommen die Angriffe auf Zivilisten.

jd1212
00
5.10.2010, 19:30

Um etwas ihre Antwort zu erweitern.

Die Angriffe der PA auf israelische Zivilisten, inklusive der Siedler, waren/sind Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen der Menschlichkeit.

Derzeit wurde aber noch niemand von der PA oder Hamas zu einem Internationalen Gericht geladen, oder zumindest zu einer der Gerichte die Universale Juridiktion Gesetze haben.

Tower Hill
00
5.10.2010, 20:01
Mhm, bei den Angriffen auf Siedler müssen Sie ein wenig differenzieren:

Diejenigen, die Waffen trugen, waren ein legitimes Ziel. Ansonsten haben Sie natürlich recht.

Das Problem, Verantwortliche vor den ICC zu bringen, liegt auch daran, daß Täter meist unbekannt sind. Diejenigen, die bekannt waren, hat Isr. entweder liquidiert oder selbst vor Gericht gebracht.

franz der freie
 
25
2.10.2010, 09:11
die palästinenser sind nur die bauern am schachbrett.

gespielt werden sie von israel und den usa. da soll mir noch irgendwer von fairness und chancengleichheit reden.

Ringelspielprofessor
00
2.10.2010, 10:11

klingt jetzt vielleicht sehr radikal aber wo sollten die palästinenser mitbestimmen? sie haben keinen staat, somit keine fixe regierung und, so hart wie es ist, wenn israel nicht zufrieden gestellt wird, wird es keine einigung geben. Sollten die palästinenser jetzt noch extra forderungen stellen bzw gleich in die verhandlungen eingebaut werden wie die usa und israel wird es nie zu einer zwei staaten lösung kommen.

Herbert Wippel1
 
04
2.10.2010, 06:02

Wenn die USA und der Westen den Baustopp wollen, warum drehen sie nicht einfach denann merkt Israel vielleich, Geldhahn ab.

philidor85
00
2.10.2010, 09:36
bis dato sieht der druck halt so aus

"Doch Netanjahu machte einen Rückzieher, ein weiterer Ausbaustopp gilt in Israel als politisch undurchsetzbar. Die Amerikaner verstärkten daraufhin den Druck, indem sie Einzelheiten des Pakets an einen Washingtoner Thinktank durchsickern ließen. Meldungen, wonach es einen fertigen Brief Obamas an Netanjahu gegeben habe, wurden aber dementiert"

ein fertiger brief...ja wo ist er bloß?

philidor85
11
2.10.2010, 09:28

die regierung von obama ist aber nicht gleichzusetzen mit dem westen...noch nicht mal mit den usa

geldhahn abdrehen ist eine gute idee, dann würde das nicht nur nicht mitfinanziert werden sondern endlich mal eine ausreichende motivation für friedensverhandlungen darstellen

es ist aber offensichtlich, dass die mehrheit der us-parlamentarier das nicht so sieht...ansonsten würde es ja gemacht werden

und die erst mal zu motivieren ein bißchen druck auszuüben...da hat obama momentan wichtigeres für seine wiederwahl zu tun (arbeitslosigkeitsbekämpfung usw.)

Cyber Motzer
11
2.10.2010, 03:39
ja wo sind die

Abschlagszahlungen pro Siedlerhuette ueber ne Million Dollar ? Die alten Vertriebenen hinzu gerrechnet, aber das kann man ja auch wieder nicht diskutieren, deswegen weil man ja zum Thema Israel gar nichts diskutieren darf, wie mit den Moslem Karikaturen...so sitzt nun jeder in der Tinte der nur Gutes will und helfen will... er wird ausgeschlossen, gebrandmarkt, als Judenfeindlicher ausgeschlossen. Deswegen wird es UNS irgend wann, wie einen jedem Ami, Europaeer und Anderen vollkommen wurscht sein was die Isis so zu Stande bringen. Wir sprechen nicht mehr mit Euch Streit Haehnen die nicht wollen oder koennen. Nun liegt der Ball bei Euch, wie auch immer, ist ja egal, wir koennen nicht mehr, wir haben den guten Glauben an Euch verloren, ciao

Odo
01
1.10.2010, 22:56
"Doch Netanjahu machte einen Rückzieher, ein weiterer Ausbaustopp gilt in Israel als politisch undurchsetzbar."

So ist es. Die Mehrheit der Israelis ist schließlich nach Umfragen für ein Ende des Baustopps. Außerdem hat Ministerpräsident Netanjahu ja selber vor einigen Wochen erklärt, dass seine Regierung auseinanderbrechen würde, wenn der Siedlungsbaustopp verlängert würde. Die Folge wären Neuwahlen in Israel, wodurch ein Abkommen zwischen Israelis und Palästinensern in noch weitere Ferne rücken würde denn

a) gäbe es dann rund ein 1/2 Jahr lang keine (ver)handlungsfähige israelische Regierung und

b) würden die rechten Parteien in Israel bei Neuwahlen wahrscheinlich weitere Stimmenzuwächse verzeichnen können und eine noch stärkere Position in der neuen Regierung bekommen

morgen war gestern
10
2.10.2010, 07:17

das ist jetzt etwas zu fundiert und sachlich für dieses forum ))

gladio
00
1.10.2010, 19:54
"So wollte Präsident Barack Obama die Forderung..."

Was heisst hier "wollte"? Er wird es doch trotzdem machen.

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