Argentinische Wortgewalt

1. Oktober 2010, 17:08
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Jenseits von Gaucho-Romantik und Tango-Melancholie präsentiert das Buchmesse-Gastland Autoren, die das Gewaltklima der Militärdiktatur literarisch verarbeiten

"Wir haben ein Schiff versenkt!" Mit diesen Worten wurde Rodolfo Enrique Fogwill eines Morgens im Juni 1982 von seiner Mutter in Buenos Aires empfangen. Damals hatte Argentiniens Militärjunta die Invasion der vor der Küste liegenden, britisch besiedelten Falkland-Inseln befohlen. Die Regierung in London schickte, wie zu Kolonialzeiten, eine Kriegsflotte in den Südatlantik. Argentinische Kampfjets attackierten sie daraufhin, unter dem Beifall der nationalistisch aufgeputschten Bevölkerung, mit Bomben und Raketen.

Fogwill, ein von der Uni gefeuerter Soziologe und zu Exzessen neigender Schriftsteller, setzte sich daheim an seinen Schreibtisch. "Heute hat meine Mutter ein Schiff versenkt" , begann er zu schreiben. Wenige Stunden danach war er schon mitten in seinem Roman über den mörderisch-sinnlosen Krieg um die Falklandinseln, die in Argentinien "Malvinas" heißen. Er habe die 190 Seiten lange Geschichte in drei Tagen und drei Nächten "wie in Trance" und beflügelt von Kokain heruntergeklopft, erzählte der Autor später. Los pichiciegos heißt sie im Original, nach den kleinen argentinischen Gürteltieren, die in unterirdischen Bauen leben.

Wie diese "Gürtelmullen" vergraben sich auch etliche argentinische Soldaten, die von der Truppe desertiert sind, auf einer der eiskalten Inseln in schützenden Erdhöhlen. Dort führen sie absurde Gespräche zwischen Verzweiflung und Überlebenswillen - ein Antikriegsroman auf Speed. Dieser Malvinas-Blues, dessen Manuskript noch vor dem Ende der Diktatur im Jahr 1983 in Buenos Aires kursierte, begründete den Ruf seines Schöpfers als einer der führenden Autoren Argentiniens. Fogwill, wie er sich gern ganz ohne Vornamen nannte, ist heuer im August mit 69 Jahren gestorben. Sein Roman, der soeben bei Rowohlt unter dem Titel Der unterirdische Krieg erstmals auf Deutsch erschienen ist, soll nun ein Glanzstück auf der Frankfurter Buchmesse werden, bei der Argentinien das Gastland ist.

An die 200 Bücher, von denen sich viele mit Argentiniens jüngster Vergangenheit befassen, kommen zu diesem Anlass heraus. An die sechzig argentinische Autorinnen und Autoren werden bei der von 6. bis 10. Oktober stattfindenden Frankfurter Büchershow erwartet, darunter auch etliche junge und frische Gesichter.

Evita, Maradona, Gardel & Che

In Argentinien, das die Übersetzungen finanziell unterstützt, weil man sich vom Auftritt in Deutschland einen nachhaltigen Werbeerfolg erwartet, laufen die Vorbereitungen schon seit zwei Jahren. Staatspräsidentin Cristina Kirchner habe persönlich angeordnet, dass die argentinische Identität in Frankfurt durch vier, zur Hälfte schon historische, Persönlichkeiten repräsentiert wird, schrieb die Zeitung La Nación: durch Evita, die charismatische Frau des übergroßen Präsidenten Juan Domingo Perón, durch den Tangosänger Carlos Gardel, Fußballgott Diego Armando Maradona und Revolutionsikone Ernesto "Che" Guevara. Erst als Verleger und Intellektuelle protestierten, wurden auch zwei Schriftsteller für dieses Pantheon nominiert: Jorge Luis Borges, der 1986 in Genf verstorbene größte argentinische Intellektuelle des 20. Jahrhunderts, und Julio Cortázar, der 1984 als international gefeierter Autor in Paris starb.

Es muss Cristina Kirchner, eine glühende Peronistin wie einst Evita, große Überwindung gekostet haben, zwei scharfen Gegnern ihres politischen Idols posthum diese Ehre zu erweisen. Cortázar quittierte schon in den 1940er-Jahren aus Protest gegen den autoritären Populisten Perón seine Literaturprofessur und zog nach Frankreich, wo er zwischen Avantgardekunst und coolem Jazz zum Star wurde. Von den Lesern seines Hauptwerks Rayuela (das der Suhrkamp-Verlag in einer Taschenbuch-Neuauflage herausbringt) verlangt der Autor, im surrealen Text vor- und zurückzuspringen, wie Kinder, die mit Kreide ein Himmel-Hölle-Spiel auf den Gehsteig gemalt haben. Cortázars Held ist ein Lateinamerikaner in Paris, der sich, existenziell und emotional gebeutelt, einen Weg zu bahnen versucht, "in der klebrigen Masse, die sich Welt nennt" .

Seine Kurzgeschichte  Teufelsgeifer (im Suhrkamp-Band Südliche Autobahn veröffentlicht), in der ein Fotograf beim Vergrößern des Bildes eines vermeintlichen Liebespaares eine unheimliche Entdeckung macht, lieferte die Idee für Blow up, dem ultimativen Film über das London der 1960er-Jahre von Michelangelo Antonioni. Cortázar taucht darin kurz auch selbst auf.

Borges, der bei Peróns erster Wahl 1946 schon ein bekannter Schriftsteller und Leiter einer städtischen Bibliothek war, blieb in Argentinien, obwohl er den linkspopulistischen Präsidenten, der sich vieles bei Mussolini abgeschaut hatte, für einen Faschisten hielt.

Deshalb wurde Borges strafweise aus seiner kommunalen Bibliothek abgezogen und zum Inspektor der Geflügelmärkte degradiert. 1956, als die Militärs Perón stürzten und für 17 Jahre ins spanische Exil vertrieben, wurde Borges allerdings als Direktor der Nationalbibliothek eingesetzt, obwohl er damals bereits erblindet war.

Sein umfangreiches Werk fantastischer Erzählungen kreist oft um den Begriff der Bibliothek, die das ganze Universum sein kann, aber auch ein Labyrinth des in sich verschachtelten Wissens (was manchen als Vorahnung der Internet-Idee erscheint).

Noch ehe der "Boom" der lateinamerikanischen Literatur in den 1970er-Jahren mit dem "magischen Realismus" , vor allem mit dem Kolumbianer Gabriel García Márquez, dem Peruaner Mario Vargas Llosa und dem Mexikaner Carlos Fuentes international so richtig begann, hatte Borges bereits Weltgeltung. Der deutsche Hanser-Verlag, der eine zwölfbändige Borges-Werkausgabe editiert hat, ergänzt ihn nun um den Essayband Der ewige Traum.

Weltanschaulich blieb Borges bei der Ablehnung Peróns, der von 1973 bis zu seinem Tod 1974 ein Comeback als argentinischer Präsident feierte und von seiner Witwe Isabel politisch beerbt wurde. In dieser chaotischen Zeit, in der extrem rechte und linke Peronisten leidenschaftlich um die Macht kämpften, entwickelte sich der Starintellektuelle Borges so weit nach rechts, dass er für die Putschgeneräle, die 1976 neuerlich die Macht übernahmen, Verständnis zeigte. Dieser Fehltritt dürfte ihn den Literaturnobelpreis gekostet haben.

Und obwohl sich Borges später vom nationalistischen Wahn der Militärs abwandte, galt er fortan als blinder Seher, der sich politisch im Labyrinth der eigenen Gedanken verrannt hatte.

Von den magischen Realisten haben sich die nachrückenden Autorengenerationen Lateinamerikas schon längst distanziert. In Chile verwandelte Alberto Fuguet das tropische Kaff "Macondo" aus Hundert Jahre Einsamkeit des Nobelpreisträgers García Márquez in "McOndo" , eine bunte Hölle im Großstadtdschungel. Fast Food und Cinecenter, Shopping-Malls und Slums, aber auch Gewalt und Drogen sind überall in Lateinamerika ein Teil der Realität geworden. Auch in Argentinien ist eine nüchterne "junge Garde" als neue Autorengeneration aufgetaucht. Jenseits von Gaucho-Romantik und Tango-Melancholie schreiben sie urban und temporeich über die prekären Lebensverhältnisse. Auf das schriftstellerische Werk von Borges nehmen von den Jungen in Argentinien aber "fast alle positiv Bezug", sagte der österreichische Autor Erich Hackl in einem Interview.

Zeitgerecht zur Buchmesse hat Hackl ein wesentliches Werk von Rodolfo Walsh übersetzt, der 1977 von den Militärs ermordet wurde. Walsh, ein 1927 geborener Journalist und Krimiautor; war zunächst kein Anhänger Peróns. Doch als dieser 1956 von den Militärs gestürzt wurde, kam er zufällig dahinter, dass diese in einem Vorort von Buenos Aires eine Gruppe von Peronisten einfach erschossen hatten. Der erstmals 1957 veröffentlichte Bericht wurde nun unter dem Titel Das Massaker von San Martín veröffentlicht.

Todesschwadronen

Walsh schloss sich in den 70er-Jahren den "Montoneros" an, die unter dem Eindruck der christlichen Befreiungstheologie und dem erfolgreichen Kampf Ernesto "Che" Guevaras in Kuba die soziale Revolution anstrebten. Gegen sie traten die Todesschwadronen der "antikommunistischen argentinischen Allianz" (Triple A) an, hinter der rechtsradikale Peronisten standen. Unter den ab 1976 herrschenden Militärs, die dem Land aus einem düster-rechtkatholischen Selbstverständnis heraus Zucht und Ordnung beibringen wollten, ging die Jagd auf Linke erst richtig los. Zum ersten Jahrestag ihrer Machtübernahme hielt der damals 50-jährige Walsh den Militärs in einem "offenen Brief" ihre Verbrechen vor; kurz danach war er tot.

Tomás Eloy Martínez, fünf Jahre jünger und Journalist wie Walsh, lebte bis 31. Jänner 2010, und das auch nur deshalb, weil er in den 70er-Jahren nach Todesdrohungen der "Triple A" nach Venezuela geflüchtet war. Seine Rache: das Buch Santa Evita, in dem er zum Schreien komisch die Verwirrungen beschreibt, die es nach dem Tod der 1952 gestorbenen und wie eine Heilige verehrten Perón-Gemahlin gab. Nach Peróns Sturz wagten es die Militärs nicht, die Reliquie zu zerstören, wollten aber unbedingt verhindern, dass sie den Anhängern in die Hände fiel. (Santa Evita, ein Welt-Bestseller, ist als Fischer-Taschenbuch erhältlich). Neu kommt zur Buchmesse Eloy Martínez' letzter Roman Purgatorio heraus, in dem der Leidensweg der Ehefrau eines "Verschwundenen" nach 1976 geschildert wird.

In der Wirklichkeit Argentiniens brachte erst 1984, in der wieder erstandenen Demokratie, eine nationale Wahrheitskommission etwas Aufklärung über das Schicksal der 30.000 Verschwundenen. Unter dem Titel Nunca más (Nie wieder) dokumentierte sie detailreich hunderte Einzelfälle über Festnahmen und Folterungen. Vorsitzender der Kommission war der Schriftsteller Ernesto Sabato, der demnächst hundert Jahre alt wird und öffentlich nicht mehr in Erscheinung tritt.

In seiner Jugend Kommunist, studierte Sabato in Buenos Aires, Paris und Boston Atomphysik, verlegte sich aber im Zweiten Weltkrieg aufs Schreiben. 1948 legte er mit dem Roman Der Tunnel eines der Hauptwerke der argentinischen Literatur vor, das nun bei Wagenbach in einer Neuübersetzung herausgekommen ist. Darin stellt sich der Erzähler gleich im ersten Satz als Mörder seiner Geliebten vor, weil er an sie (und wohl auch an niemand anderen) nie wirklich herankam und in seinem existenziellen Tunnel gefangen blieb. Nach diesem von Albert Camus hoch gelobten Werk trat Sabato, der für den Literaturnobelpreis im Gespräch war, nur noch mit wenigen Romanen hervor (etwa Über Helden und Gräber, 1961). Mit Nunca más eröffnete er aber Argentiniens Vergangenheitsbewältigung.

Nicht alle argentinische Autoren befassen sich mit der Zeit des "schmutzigen Kriegs" , und in manchen Büchern, speziell in den Krimis, bilden die "Verschwundenen" bloß historische Versatzstücke. Die schon bald dreißig Jahre vergangene Ära der Gewalt, das damalige Klima von Hass und Angst, beschäftigt aber auch noch Autoren und Autorinnen, die damals erst Kinder waren.

Martín Kohan, Jahrgang 1967, stellt die vergiftete Atmosphäre, die aus den Menschen Täter und Opfer zugleich machte, in seinem Roman Sittenlehre (Suhrkamp) besonders subtil dar. María Teresa, gerade 20 Jahre alt, ist Aufseherin in einem Elitegymnasium in Buenos Aires. Draußen wütet der Falkland-Krieg, zu dem auch ihr Bruder eingezogen wurde, doch drinnen ist davon keine Rede. Die Gymnasiasten werden einer eisernen, schon perversen Disziplin unterworfen, die María Teresa durchsetzen soll, bis sie selbst die Macht des Oberaufsehers brutal zu spüren bekommt.

Aus größerer Distanz beschreibt die 1968 geborene Laura Alcoba in ihrem Romanerstling Das Kaninchenhaus (Insel-Verlag) eine exemplarische Situation der damaligen Zeit: aus der Sicht eines Siebenjährigen Mädchen, dessen Eltern bei den Montoneros waren. Der Vater kam ins Gefängnis; ihre Mutter nahm sie 1975 mit ins Untergrund-Versteck, eine angebliche Kaninchenzucht, hinter der sich aber die geheime Druckerei der Untergrundzeitung Evita Montonera verbarg. Laura verriet unabsichtlich fast das Versteck, später freundete sie sich dort mit anderen Aktivisten, darunter der schwangeren Diana, an. Als die Entdeckungsgefahr immer größer wurde, flüchte ihre Mutter mit ihr nach Frankreich. Bald danach flog das Versteck auf, die anwesenden Montoneros wurden umgebracht, aber von Dianas Baby fehlte jede Spur. Es könnte, wie so viele andere, von einer Offiziersfamilie illegal adoptiert worden sein.

Widerspruch provoziert die Geschichte der Tränen von Alan Pauls (Klett-Cotta). Der 1959 geborene Borges-Verehrer schrieb einen Entwicklungsroman aus der Gefühlswelt eines in den 60er- und 70er-Jahren heranwachsenden Kindes. Ein Sohn geschiedener, durch und durch progressiver Eltern, erlebt eine emotionale und tränenreiche Hochschaubahn. Früh mit der linken Politliteratur vertraut, entlarvt er die billige Poesie eines vom Vater geschätzten Protestsängers als "schwülstige Menschlichkeit" . Gegen Ende erscheint ihm, der ausgerechnet bei den Fernsehbildern vom Putsch in Chile 1973 nicht weinen kann, dann doch wieder ein Untergrundkämpfer als Heldengestalt. So bleibt offen, ob der Roman eine Abrechnung mit gescheiterten Idealen der Elterngeneration oder doch eher ein neuer Blick auf diese Zeit ist.

Das Militär hat sich dauerhaft aus der Politik zurückgezogen, aber die Einstellung zu den seit der seit 2003 neuerlich regierenden Peronisten spaltet die Gesellschaft wie eh und je. Nach dem Finanzkollaps des Jahres 2001, der Argentinien mit einem Schuldenberg, Massenarbeitslosigkeit und Straßenunruhen aussehen ließ wie ein südamerikanisches Griechenland, nur ohne Hilfe der EU, hatten sie wirtschaftlich zweifellos Erfolg. Néstor Kirchner (Präsident von 2003 bis 2007) fuhr, gegen das Spargebot des Internationalen Währungsfonds und inneren Widerstand, einen Expansionskurs.

Kirchners kontra Presse

Unter Cristina Kirchner (seit 2007) ging es Argentinien deutlich besser; den autoritären Stil gegen Kritiker behielt sie aber bei. Derzeit bemühe sie sich "um die Knebelung der ihr nicht gewogenen Presse" , formulierte es der deutsch-argentinische Schriftsteller Roberto Schopflocher kürzlich in der Neuen Zürcher Zeitung. Schopflocher, 1923 in Fürth in eine jüdische Familie geboren, flüchtete 1937 vor den Nazis nach Argentinien, wurde Chemiker und angesehener Autor, der soeben seine Autobiografie (Weit von wo, Langen Müller) veröffentlich hat. Für "das anmaßende Regime des verschlagenen Ehepaars Kirchner" hat er nur harte Kritik.

Alfredo Bauer, ein österreichisch-argentinischer Autor mit ganz ähnlichem Hintergrund, sagte dem Standard dagegen, dass er Cristina Kirchner "wegen ihres persönlichen Formats" bewundere. Der 85-jährige Bauer, in Wien geboren und ins Gymnasium geschickt, wurde im Zufluchtsland Argentinien Arzt und Schriftsteller (der zuletzt im Thiele-Verlag Mainz seine Mythen-Dramen veröffentlichte). Politisch weit links stehend, beurteilte Bauer seine alte Heimat Österreich stets mit differenzierendem, von Hass freiem Blick. Dafür wurde ihm am vergangenen Mittwoch Wiens Goldenes Verdienstzeichen überreicht.

In Österreich beteiligen sich zwei Buchproduzenten am neuen Argentinien-Boom: der Drava-Verlag mit den Romanen Der Boxer von Enrique Medina und Morgen von Luisa Valenzuela. Der Stockmann-Verlag bringt unter dem Titel Ein schwarzer Tag für die Gerechtigkeit Erzählungen von Rodolfo Walsh heraus, sowie die Romane Der Bus von Eugenia Almeida und Der Junge mit den Gummibrüsten von Sylvia Iparraguirre, deren Hauptperson ein Verehrer Ludwig Wittgensteins ist.

In Argentinien zogen sich während der Wirtschaftskrise internationale Verlagskonzerne aus dem Markt zurück, was jungen Autorinnen und Autoren immerhin die Chance gab, in neuen Kleinstverlagen zu publizieren. Dazu zählen Samanta Schweblin mit ihren fantastischen Erzählungen (Die Wahrheit über die Zukunft, Suhrkamp), und Carlos Busqued, dessen rasanter Romanerstling Unter dieser Furcht erregenden Sonne (Kunstmann) bereits als "Argentiniens Axolotl" bezeichnet worden ist.

Zwei Anthologien verschaffen einen Überblick über die neueste Literatur: Schiffe aus Feuer (S. Fischer) stellt junge Autoren aus ganz Lateinamerika vor, das Bändchen Asado verbal (Wagenbach) nur Argentinier. In beiden kommt Washington Cucurto zu Wort, ein Protagonist der neuen Szene. Er hat mit anderen Literaten aus der Not heraus eine Zusammenarbeit mit armen Arbeitslosen begonnen, die die als "Cartoneros" nächtens in Buenos Aires Altpapier und Pappe sammeln. Daraus produzierte Bücher brachten sie im Verlag Eloisa Cartonera heraus. Cucurtos Kurzgeschichte Der Liebesheiler beschreibt ein Paar, dessen die Leere überspielendes Partyleben in ein blutiges Abtreibungsdrama zu kippen droht, bis ein Wunderheiler seine Kräfte wirken lässt. "Am Ende" , so schreibt Cucurto, "ist dieses Hungerleben doch nichts anderes als reinster magischer Realismus, nur andersherum." (Erhard Stackl / DER STANDARD, Printausgabe, 2./3.10.2010)

 

Eine Liste der hier erwähnten Bücher findet sich  auf dem neuen Lateinamerika-Blog von Erhard Stackl unter  derStandard.at/Suedblick

  • "Werden noch Hände zum Zupacken gebraucht?"  Expressives vom "Vater der argentinischen Karikatur", José María Cao, und Comics rund um Mafalda zeigt Frankfurts Museum für Kommunikation bis 31. Oktober.
 
 
    foto: mfk/wasser


    "Werden noch Hände zum Zupacken gebraucht?"  Expressives vom "Vater der argentinischen Karikatur", José María Cao, und Comics rund um Mafalda zeigt Frankfurts Museum für Kommunikation bis 31. Oktober.

     

     

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