Schadprogramm möglicherweise gezielt gegen iranische Atomanlagen gerichtet
Washington - Bei der Suche nach den Urhebern des Computerwurms
Stuxnet führt einem Bericht der "New York Times" zufolge möglicherweise eine
Spur nach Israel. Wie die Zeitung am Donnerstag berichtete, trägt eine Datei im
Code des Stuxnet-Wurms unter anderem den Namen "Myrtus", was eine Anspielung auf
den hebräischen Namen für das Buch Esther im Alten Testament sein könnte.
Im Buch Esther geht es um die Errettung der Juden vor Vernichtungsplänen im
Perserreich. Bei dem Codenamen "Myrtus" könne es sich aber auch um eine bewusst
gelegte falsche Fährte handeln, berichtete die "NYT".
Angriff auf Siemens-Anlagen
Stuxnet wird gefürchtet, weil er in Rechner zur Steuerung von
Industrieanlagen des deutschen Herstellers Siemens eindringt. Ein Angreifer kann
dadurch die Kontrolle über zentrale Systeme etwa von Kraftwerken, Pipelines oder
Fabriken übernehmen und die Anlagen im schlimmsten Fall zerstören. Am schwersten
ist offenbar der Iran betroffen. Einschätzungen von Software-Experten und
Analysten zufolge könnte der Wurm entwickelt worden sein, um gezielt iranische
Atomanlagen zu beschädigen.
Die verspätete Inbetriebnahme des Atomkraftwerk Bushehr habe nichts mit
Berichten über ein Computervirus zu tun, der Rechner in der Atomanlage befallen
habe. Das Computersystem von Bushehr sei nicht infiziert worden, versicherte der
Chef der iranischen Atombehörde, Ali Akbar Salehi, am Donnerstag.
Wie die "NYT" weiter berichtete, besteht keine Einigkeit unter den
Sicherheitsexperten, wer für die Entwicklung des Wurms verantwortlich ist. Es
gebe aber "viele Gründe", um von einer Verwicklung der israelischen Regierung
auszugehen. Stuxnet war erstmals im Juni aufgetaucht und wurde unter anderem
auch auf Siemens-Systemen in Indien, Indonesien, China und Pakistan
entdeckt. (APA)