BVT-Chef Peter Gridling: "Bedrohung im deutschsprachigen Raum"
Wien/Washington - Durch intensivierte Beobachtung und andere "verdeckte Maßnahmen" werde derzeit auch in Österreich auf die "erhöhte Terrorgefahr" reagiert. Das sagte am Donnerstag Peter Gridling, Leiter des Bundesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT). Seine Wortmeldung war von den Innenministeriumsverantwortlichen kurzerhand vor einer Pressekonferenz zu einem anderem Thema eingeschoben worden.
Anlass war ein Bericht in der Kronen Zeitung vom Donnerstag. In den vergangenen Monaten seien "möglicherweise Tourismus-Attraktionen wie etwa das Schloss Schönbrunn sowie ein Wiener Ringstraßenhotel" im Fadenkreuz islamistischer Attentäter gewesen, heißt es darin.
Laut dem Bericht, der sich wiederum auf mehrere Artikel im US-amerikanischen Wall Street Journal beruft, hätten die von Osama Bin Laden "persönlich abgesegneten" Anschlagspläne nach dem Vorbild der "blutigen Attentatswelle in der indischen Metropole Mumbai" stattfinden sollen. In Mumbai wurden 2008 bei Angriffen auf unter anderem zwei Luxushotels und ein jüdisches Zentrum 166 Menschen getötet.
"In Österreich konnten bisher keine konkreten Ziele festgemacht werden", nahm Gridling dazu vor der Presse Stellung. Die heimischen Behörden hätten bereits im Sommer von Informanten aus den USA und Europa Informationen über das Terrorrisiko erhalten.
Verhör in Zentralasien
Konkret komme die Bedrohung "aus dem afghanisch-pakistanischen Raum" und umfasse unter anderem "die deutschsprachigen Regionen", sagte der BVT-Chef. Als Quelle nannte er "eine Person, die in Zentralasien festgenommen worden ist und die man derzeit befragt". "Weil dort nicht zwischen Österreich und Deutschland unterschieden wird", habe man die Warnungen auch hierzulande sehr ernstgenommen.
Deutschen Informationen zufolge soll es sich bei dem genannten Festgenommenen um einen deutschen Staatsbürger handeln, der seit Spätsommer auf der US-Basis Bagram in Afghanistan verhört wird. Der Mann soll ausgesagt haben, dass Terrorgruppen, die aus Deutschen, Arabern und Tschetschenen bestehen, in Pakistan ausgebildet wurden und mit europäischen Pässen ausgestattet sind, nach Europa ausgesandt worden seien.
Laut Wall Street Journal wiederum wurden die Anschlagspläne durch den US-Geheimdienst vereitelt. Dieser habe Ziele in der pakistanischen Unruheregion Waziristan mit Drohnen angegriffen.
Insgesamt herrscht in den USA sowie in mehreren europäischen Ländern seit Längerem erhöhte Terrorangst. Vor einer Woche warnte US-Heimatschutzministerin Janet Napolitano vor "steigender Aktivität" gefährlicher Gruppen. In Paris wurde am Dienstag bereits zum zweiten Mal der Eiffelturm geräumt (bri/DER STANDARD, Printausgabe, 1. Oktober 2010)