Der Kaffeemarkt ist fest in Hand von Branchenriesen. Junge Röster und eingesessene Familienbetriebe versuchen dennoch ihr Glück
Wien - Mit einer guten Kaffeebohne hält es Christian Schrödl wie mit einem Gulasch: Ein Wirt im Beisel kriege das in seinem Zehnlitertopf einfach geschmackiger hin als eine industrielle Großküche. Vor allem wenn er es sanft vor sich hinköcheln lasse. Nicht anders sei es beim Kaffee: Kiloweise langsam geröstet entfalte sich das Aroma besser als in riesigen Maschinen, die die Bohnen meist in wenigen heißen Minuten kurz abfertigen.
Schrödl startete vor zehn Jahren als Quereinsteiger die kleine Rösterei Alt Wien. Sechs Tonnen Kaffee verarbeitete er im ersten Jahr. Mittlerweile sind es bis zu 40 Tonnen und 24 verschiedene Sorten. Vor allem bei Bio und Fairtrade ge- be es hohe Nachfrage, erzählt er. Da sei etwa der Bauer auf La Reunion, bei dem er gerade einmal 30 Kilo einkaufte. Oder jener in Brasilien, der wie bei Weinreben schlechte Bohnen händisch ausschneide. Auch nach Hawaii habe es ihn auf der Suche nach Lieferanten verschlagen. Er werde mit Kaffee nicht reich, könne aber davon leben. Es gebe immer mehr Freaks wie ihn, die sich luxuriöse Bohnen was kosten lassen.
Die Österreicher trinken täglich im Schnitt 2,6 Tassen Kaffee. Der Markt ist fest in Hand von Branchenriesen: Tchibo/Eduscho röstet in großem Stil in Wien, Alvorada in Vösendorf. Meinl verarbeitet Kaffee in Italien und in der Slowakei. Der Lebensmittelkonzern Spar wächst mit der Eigenmarke Regio, die er unter eigenem Dach in Marchtrenk produziert. Da und dort halten seit Jahrzehnten dennoch kleine familiengeführte Kaffeeröster die Stellung, und dazwischen versucht ein bunter Mix an Newcomern in der Gastronomie und exklusiven Läden ihr Glück.
Manfred Drack hat viele von ihnen kommen und gehen gesehen, vor allem gehen, wie er sagt. Der Gmundner führt seit bald 45 Jahren die Rösterei Nussbaumer. 50 Tonnen produziert er im Jahr für Gastronomen, Heime und Krankenhäuser. Überleben könne er dank hoher Qualität, vielen Kleinen laufen aber die Kosten davon, glaubt er, zumal allein die technischen Vorschriften schwer ins Gewicht fallen. Mit Bio und fairem Handel rechnet er sich in der Gastronomie keine Chancen aus. "Das hört sich ja schön an, aber meine Kunden wollen stabile Qualität."
Geringe Bioernten
Für seinen Branchenkollegen Karl Heissenberger ist Bio hingegen ein wachsendes Standbein. Der Steirer beliefert die Rewe-Marke "Ja! Natürlich" exklusiv mit Kaffee. Nach der Expansion in die Slowakei und nach Tschechien probiert er jetzt den Schritt nach Deutschland. Er könne mehr Biokaffee verkaufen, sagt er, das Problem liege eher bei den zu geringen Erntemengen.
Bewusst eingeschränkt mit Ketten arbeitet Peter Amann in Dornbirn zusammen. Sein Familienbetrieb röstet gut 350 Tonnen im Jahr und sucht von Vorarlberg aus nun den Weg nach Wien. Mehr Masse zu produzieren gehe nur über den Preis, da könne und wolle er nicht mithalten, sagt er. Es sei ein hartes Geschäft, aber dank Gastronomie könne er langsam und stetig wachsen.
Schwer auf den Magen schlägt den Röstern der großteils von Spekulanten getriebene Rohkaffeepreis. Gute Qualitäten verteuerten sich heuer um bis zu 50 Prozent, im Handel steigen die Preise nun um rund zehn Prozent. Er habe derartige Sprünge noch nie erlebt, sagt Heissenberger. Fixe Preise gebe es nicht mehr, "wir leben von der Hand in den Mund". (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.10.2010)