Wettlauf um die schwarze Bohne

Verena Kainrath, 30. September 2010, 17:48
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    foto: apa/neubauer

    Röster und alteingesessene Familienbetriebe vehalten sich mit hoher Qualität, Luxusbohnen und Gastronomen über Wasser.

Der Kaffeemarkt ist fest in Hand von Branchenriesen. Junge Röster und eingesessene Familienbetrie­be versuchen dennoch ihr Glück

Wien - Mit einer guten Kaffeebohne hält es Christian Schrödl wie mit einem Gulasch: Ein Wirt im Beisel kriege das in seinem Zehnlitertopf einfach geschmackiger hin als eine industrielle Großküche. Vor allem wenn er es sanft vor sich hinköcheln lasse. Nicht anders sei es beim Kaffee: Kiloweise langsam geröstet entfalte sich das Aroma besser als in riesigen Maschinen, die die Bohnen meist in wenigen heißen Minuten kurz abfertigen.

Schrödl startete vor zehn Jahren als Quereinsteiger die kleine Rösterei Alt Wien. Sechs Tonnen Kaffee verarbeitete er im ersten Jahr. Mittlerweile sind es bis zu 40 Tonnen und 24 verschiedene Sorten. Vor allem bei Bio und Fairtrade ge- be es hohe Nachfrage, erzählt er. Da sei etwa der Bauer auf La Reunion, bei dem er gerade einmal 30 Kilo einkaufte. Oder jener in Brasilien, der wie bei Weinreben schlechte Bohnen händisch ausschneide. Auch nach Hawaii habe es ihn auf der Suche nach Lieferanten verschlagen. Er werde mit Kaffee nicht reich, könne aber davon leben. Es gebe immer mehr Freaks wie ihn, die sich luxuriöse Bohnen was kosten lassen.

Die Österreicher trinken täglich im Schnitt 2,6 Tassen Kaffee. Der Markt ist fest in Hand von Branchenriesen: Tchibo/Eduscho röstet in großem Stil in Wien, Alvorada in Vösendorf. Meinl verarbeitet Kaffee in Italien und in der Slowakei. Der Lebensmittelkonzern Spar wächst mit der Eigenmarke Regio, die er unter eigenem Dach in Marchtrenk produziert. Da und dort halten seit Jahrzehnten dennoch kleine familiengeführte Kaffeeröster die Stellung, und dazwischen versucht ein bunter Mix an Newcomern in der Gastronomie und exklusiven Läden ihr Glück.

Manfred Drack hat viele von ihnen kommen und gehen gesehen, vor allem gehen, wie er sagt. Der Gmundner führt seit bald 45 Jahren die Rösterei Nussbaumer. 50 Tonnen produziert er im Jahr für Gastronomen, Heime und Krankenhäuser. Überleben könne er dank hoher Qualität, vielen Kleinen laufen aber die Kosten davon, glaubt er, zumal allein die technischen Vorschriften schwer ins Gewicht fallen. Mit Bio und fairem Handel rechnet er sich in der Gastronomie keine Chancen aus. "Das hört sich ja schön an, aber meine Kunden wollen stabile Qualität."

Geringe Bioernten

Für seinen Branchenkollegen Karl Heissenberger ist Bio hingegen ein wachsendes Standbein. Der Steirer beliefert die Rewe-Marke "Ja! Natürlich" exklusiv mit Kaffee. Nach der Expansion in die Slowakei und nach Tschechien probiert er jetzt den Schritt nach Deutschland. Er könne mehr Biokaffee verkaufen, sagt er, das Problem liege eher bei den zu geringen Erntemengen.

Bewusst eingeschränkt mit Ketten arbeitet Peter Amann in Dornbirn zusammen. Sein Familienbetrieb röstet gut 350 Tonnen im Jahr und sucht von Vorarlberg aus nun den Weg nach Wien. Mehr Masse zu produzieren gehe nur über den Preis, da könne und wolle er nicht mithalten, sagt er. Es sei ein hartes Geschäft, aber dank Gastronomie könne er langsam und stetig wachsen.

Schwer auf den Magen schlägt den Röstern der großteils von Spekulanten getriebene Rohkaffeepreis. Gute Qualitäten verteuerten sich heuer um bis zu 50 Prozent, im Handel steigen die Preise nun um rund zehn Prozent. Er habe derartige Sprünge noch nie erlebt, sagt Heissenberger. Fixe Preise gebe es nicht mehr, "wir leben von der Hand in den Mund". (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.10.2010)

 

Kommentar posten
23 Postings
gsundes hirn
00
1.10.2010, 14:20
Gestern grad dort Kaffee verkostet....

reiner Zufall...
War gestern dort einen supertollen Kaffee verkosten. Puerto Rico blend.

Ein Traum.
Wenn ich darf, dann verlinke ich gerne auf die non-profit page kochfilme.at (dort gibts auch keine Werbekunden etc).

Hier der Link
http://www.kochfilme.at/kaffeeroe... -alt-wien/

unbedingt dort Kaffee trinken!
Alle Sorten zum verkosten. Ein Hoch auf Herrn Schrödl und dass er durchhält.

momo10001
00
1.10.2010, 12:02
Da trink ich doch lieber Teeeee.....

Wild Beans Of China
00
1.10.2010, 12:43

in der Annahme, hier wuerde so etwas nicht passieren ?

Wild Beans Of China
00
1.10.2010, 11:09
Fair Trade und Co......

Vielleicht hat hier jemand den Mut aus dem
"Naehkaestchen" zu plaudern

Michail Bakunin
00
1.10.2010, 12:02

Ist wie bei Bio - ist auch nicht überall drinnen, wo`s drauf steht. Man muss sich das dann halt genauer ansehen, wenn`s einem interessiert - ansonsten unterstützt man damit zuletzt noch rechte Paramilitärs: http://www.anarchismus.at/txt4/blut... kaffee.htm

Cafe Libertad z.B. stellt die kompletten Preiskalkulationen online und veröffentlicht auch die Verwendung der Gelder.

Rumo von Zamonien
00
1.10.2010, 10:18

Kennt vielleicht wer in Graz eine Privatrösterei die FairTrade-Bohnen anbietet?
:-P

SagServus
00
1.10.2010, 12:25

Meinens leicht den Betrieb der mit H anfängt und ornig aufhört?

Rumo von Zamonien
00
1.10.2010, 16:53

na.
;-)

Rumo von Zamonien
00
1.10.2010, 16:35

Nice!
Thx.
Hab erst seit kurzem eine gute Kaffeemühle und will mal schauen was geht.
:-)

Werd auch mal den Heissenberger ausprobieren, klingt auch nicht unvernünftig.
http://www.heissenberger.com/

Wild Beans Of China
01
1.10.2010, 10:10
Preisdruck und Zusaetze im Kaffee

Es geht in die Richtung Weinskandal - zunaechst noch "harmlos" - aber - mit zunehmenden Preissteigerungen kann man gespannt sein, was in einiger Zeit in Kaffeepackungen so alles zu finden sein wird. In manchen Laendern bereits ganz normal - weil ohne diese Zusaetze waere das Heissgetraenk wohl ungeniessbar. Viele schwoeren auf einen Geschmack der mit dem urspruenglichen Kaffeearoma nur noch wenig gemein hat. Der Kunde weiss vielerorts schon laengst nicht mehr was in vielen Kaffeepackungen an Aromen und Zusaetzen zu finden ist. Hier waere eine wesentlich bessere Kennzeichnungspflicht gefordert und glaube einer nicht er waere durch diverse "nette Aufkleber" davor gefeit.

Beste Gruesse und einen genussvollen Tag des Kaffees

es.be.
00
1.10.2010, 08:54

Gut gemacht, Tschisi :)

lamda
01
1.10.2010, 08:45

traurige sache, das. wünsche den privaten kleinröstern weiters viel erfolg!
und in diesem sinne: happy tag-des-kaffees!

artista
00
30.9.2010, 23:21
ich finde es eine frechheit von herrn drack

zu behaupten dass, fairtrade-bio-bauern keine gleichbleibende Qualität liefern könnten. das gegenteil beweisst z.b: organico von der eza (100% arabica aus mexico) der hat bei einem 2001 durchgeführten kaffeetest vom magazin konsument als einziger neben dem testsieger (segafredo?) ein "sehr gut" bekommen und da war die ethik noch kein kriterium!!!

Professor Preiselbeer
00
1.10.2010, 11:34
Jambo

Also ich verwende seit Jahren den JAMBO - konnte noch nicht Qualitätsschwankungen feststellen. Noch jeder, der bei mir einen Kaffee getrunken hat, hat einen zweiten nach verlangt, weil er so gut schmeckt.

Michail Bakunin
00
1.10.2010, 09:00

Versteh das Argument auch nicht. Bei Cafe Libertad (handgepflükter Hochlandarabica aus Mexiko) wäre mir das noch nie aufgefallen. Schmeckt wenigstens nach was im Unterschied zum Industriegesöff ;-).

http://www.cafe-libertad.de

Gibt`s in Österreich über http://www.anarchia-versand.net/index.php... ertad.html und ist quasi "Ultra-fair-trade".

DrBelacqua
00
1.10.2010, 11:56

Kann man den Kaffee in Wien auch direkt beziehen?
Im W23 vielleicht oder in der http://a-bibliothek.org?

h 90
01
1.10.2010, 03:46

Konsument ist nicht a) ernst zu nehmen.
b) dass er bei einem Test gut schmeckt heisst nicht, dass er ueber die Jahre immer gleich schmeckt.

Jon Steinberg
02
1.10.2010, 02:10
Also, der Konsument ...

... ist wahrlich das letzte Testsieger-Blattl, dem man was glauben sollte.

Was aber wohl mit "gleichbleibende Qualität" gemeint ist -> soll immer gleich schmecken. Und für so ein fades Massen-Gesöff ist industriell hergestellter Kaffee natürlich besser geeignet.

"Gleichbleibende Qualität" heißt ja noch lange nicht gute Qualität ;)

artista
00
30.9.2010, 23:26
sorry, war der cafe creme von lavazza

Gluck
01
30.9.2010, 22:12
Fixe Preise gebe es nicht mehr, "wir leben von der Hand in den Mund"

Ein Lob de "freien" Markt-Abzockern. Sprengt die Börsen, kann man da bald nur noch sagen

skipper2002
00
30.9.2010, 20:52
bei den großen ist nur 89% reiner kaffee drin

der rest ist karamell und maltodextrin,maltodextrin wird bei untergewicht angewendet.

PerNoctem
00
30.9.2010, 21:40

Aber auch nur bei bereits gemahlenen Kaffee oder?

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