ÖVP ist knapp bei Kasse

30. September 2010, 22:02

Österreichs Parteien sind auf Zahlungen aus den eigenen Reihen angewiesen, wie die angespannte ÖVP-Finanzlage zeigt

Wien - "Das ist eine interne Angelegenheit der ÖVP." Dazu werde er in den Medien sicher keine Stellung nehmen, zeigt sich Gerhard Karner, Geschäftsführer der niederösterreichischen ÖVP, verärgert. Es sei eine interne Angelegenheit, wie viel Niederösterreich der Bundespartei zahlt. Und dazu, dass Erwin Pröll, Niederösterreichs mächtiger Landeshauptmann, sich weigere, seinem Neffen, ÖVP-Chef Josef Pröll, finanziell etwas abzugeben, will Karner schon gar nichts sagen.

Tatsächlich seien die internen Geldflüsse von Landes- zu Bundespartei aber Thema gewesen - kurz nach "einer Wahl um ein hohes Amt, wo irgendwer dann sauer war, weil er nicht kandidieren durfte" , sagt ein Mitarbeiter der ÖVP, der namentlich nicht genannt werden will, zum Standard. Mittlerweile sei das alles aber ausgeräumt und der interne Friede wiederhergestellt.

Kredite in Millionenhöhe

Für den Parteifinanzierungsexperten Hubert Sickinger spricht dennoch einiges für "eine angespannte finanzielle Lage der ÖVP" . Wie aus dem jüngsten Rechenschaftsbericht hervorgeht, hat die Bundespartei im Jahr 2009 bei einem Gesamtbudget von 14,87 Millionen Euro Kredite in der Höhe von 2,7 Millionen Euro aufgenommen. Das sei "interessant" , findet Sickinger. Die SPÖ hatte im selben Jahr ein Budget von 16,9 Millionen und nahm neue Kredite in der Höhe von 1,3 Millionen auf. Die Freiheitlichen verzeichneten ein Jahreseinkommen von 7,2 Millionen und die Grünen 3,8. Der Rechenschaftsbericht des BZÖ für 2009 liegt noch nicht vor, im Jahr 2008 verzeichneten sie 4,5 Millionen.

"Diese Angaben entsprechen nicht der Realität" , behauptet Sickinger. Die tatsächlichen Einnahmen der SPÖ wären in Wirklichkeit fünfmal, jene der ÖVP siebenmal so hoch wie angegeben. Nach dieser Annahme wären SPÖ und ÖVP um die hundert bis hundertfünfzig Millionen schwer. An ihr Geld kommen Österreichs Parteien über drei Wege: Staatliche Förderungen, Mitgliedsbeiträge sowie Länderbeteiligungen und Spenden. Jeder dieser Wege ist so komplex wie undurchschaubar. Ansatzweise findet man Informationen in den Rechenschaftsberichten, die aber keine detaillierten Zahlen aufweisen.

So hat die Volkspartei 2009 insgesamt 2,14 Millionen aus den Ländern lukriert, die SPÖ ganze 3,5. Im Jahr 2001 kamen die Sozialdemokraten gar auf den Spitzenwert von 6,8 Millionen, hier muten die Zahlungen der Volkspartei von 2,3 beinahe bescheiden an. Niederösterreich, Oberösterreich und die Steiermark zahlen bei der ÖVP am meisten in die Bundeskasse ein, jeweils zwischen 200.000 und 300.000 Euro. Genaue Zahlen nennen die Länder keine. Die Summe schwankt bei der ÖVP, während die Zahlungen der SPÖ konstant sind.

Die Beiträge der SPÖ-Mitglieder werden von der Landespartei eingehoben. Ein Prozentsatz, der von Jahr zu Jahr konstant bleibt, wird dann an die Bundespartei überwiesen. Bei der ÖVP ist man nicht Mitglied der Bundespartei, sondern einer der Teilorganisationen Bauernbund, Wirtschaftsbund, Arbeitnehmerinnen- und Arbeitnehmerbund (ÖAAB), Seniorenbund, ÖVP-Frauen oder Junge ÖVP. Sechs Teilorganisationen mal neun Bundesländer: Das ergibt 54 Modelle der Beitragsgestaltung. Wie viel dann zum Beispiel der Bauernbund in Tirol an die Bundesorganisation des Bauernbundes und der wiederum an die Bundes-ÖVP zahlt, bleibt geheim. Rund zehn Prozent gehen von den Bünden an die Landespartei. Die Summe, die diese dann an die ÖVP überweist, wird jährlich ausverhandelt. "Wir sind eine Gemeinschaft. Einer zahlt mehr, andere weniger" , sagt der Kärntner Parteisekretär Achill Rumpold.

Für den größten Teil der finanziellen Ausstattung der Parteien kommt jedoch der Staat auf, der sich seine politischen Vertreter einiges kosten lässt: Seit 1980 stiegen die Mittel für Parteienfinanzierung um 569 Prozent. Insgesamt 294 Millionen Euro an Einnahmen verbuchten die Parteien 2009, mehr als 90 Prozent stammen dabei aus öffentlichen Quellen. Die direkte Parteienförderung machte rund 140 Millionen Euro aus und war damit höher als in Deutschland.

Teure Parteienfinanzierung

Dass die heimischen Parteien zu den "teuersten" der Welt zählen, berechnete 2004 der deutsche Politikwissenschafter Karl-Heinz Naßmacher. Der Studie zufolge liegt Österreich bei Parteiausgaben an zweiter Stelle hinter Japan.

Eine hohe staatliche Parteienfinanzierung soll vor Korruption schützen. Doch dann müsste es bei Parteispenden eine wirksame Kontrolle geben. Die fehlt vor allem bei indirekten Spenden, etwa verbilligten Krediten. Die Vermutung, dass die SPÖ bei Bawag und Bank Austria sowie die ÖVP bei Raiffeisen günstige Konditionen bekommen, liegt nahe.

Am Freitag treffen sich die ÖVP-Landesgeschäftsführer. Die Zahlungen an den Bund sollen kein Thema sein. Und selbst wenn, Gerhard Karner sagt dazu: "Diese Interna gehen keinen etwas an." (Saskia Jungnikl, Florian Gossy, DER STANDARD, Printausgabe, 1.10.2010)

Kommentar posten
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fredi1990
00
2.11.2010, 19:41
wenn sie so wirtschaften ist es doch verständlich, dass die kasse leer ist!!!

ist doch eine tolle wirtschaftspartei! kann nur privatisieren und wenn nichts da ist, dann sind sie pleite!

solange was zum verkaufen (an freunde) da ist!

Recht ist Auslegungssache
00
20.10.2010, 09:35
Hoffentlich löst sich die VP bald auf...

Wenn jetzt noch weniger Geld offiziell hereinkommt durch Beiträger und Förderung dann wird die Anfälligkeit für "aussertourliche" Spenden noch viel grösser und die Abhängigkeit wächst.

Kein gutes Vorzeichen :(

Das beste ist wirklich, die VP löst sich auf.

Wolfgang Altrichter
01
18.10.2010, 23:56

Bevor ich der ÖVP Geld spende, verbrenne ich es rechtswidrig, von mir aus in der Anwesenheit von Polizei usw.

Alt 68 er
02
18.10.2010, 18:44
Die ÖVP knapp bei Kasse?

Müss ma jetzt wieder Eurofighter kaufen, damit sich die Kassen wieder füllen können?

Alt 68 er
00
18.10.2010, 18:43
Aber Onkel Konrad wird schon helfen!

sainty1
01
12.10.2010, 13:52
einfach nur supa..

wirtschaftspartei österreich..einfach nur lächerlich wer das noch glaubt

der_kleine_pariser
 
04
6.10.2010, 23:28

Bei der ÖVP ist man nicht Mitglied der Bundespartei, sondern einer der Teilorganisationen Bauernbund, Wirtschaftsbund, Arbeitnehmerinnen- und Arbeitnehmerbund (ÖAAB), Seniorenbund, ÖVP-Frauen oder Junge ÖVP. Sechs Teilorganisationen mal neun Bundesländer: Das ergibt 54 Modelle der Beitragsgestaltung.

und das ganze dürfte Vorbild für die Bundesbahnreform von 2003 gewesen sein...

;-)

octobussi
03
5.10.2010, 18:16
transparenz

wie gelder locker fliessen im schwarzen mileu-natürlich gilt die unschuldsvermummung

ja aber
06
4.10.2010, 11:08
"Bundesorganisation des Bauernbundes und der ... an die Bundes-ÖVP zahlt, bleibt geheim. "

warum eigentlich? offenlegung der parteispenden jetzt!!!!

Marlon62
16
3.10.2010, 13:44
ÖVP ist knapp bei Kasse

Na, vielleicht kann der Schmallippige ja ein paar Euros von seinen Atomlobby-Einnahmen für die marode VP abdrücken.

Wahlhelfer
111
3.10.2010, 07:51
Schlechtes Gewissen.

Die Industriellenvereinigung und die Schmiergeldnehmer um Schüssel und Grasser werden doch ein paar Euro für die leere Parteikasse spenden. Haben sie von den Gaunerein der ÖVP-Spitze doch über Jahre wie die Maden im Speck gelebt.

égalité, fraternité
18
2.10.2010, 22:38
Müss ma jetzt wieder Eurofigkter kaufen

damit die Vaupenbkasse gefüllt wird?

Wolfgang Altrichter
02
2.10.2010, 21:47

Die Partei auflösen wäre genau das Richtige!

bert13
09
2.10.2010, 21:12
kaum ein paar jahre weg von der bundesheer schmiergeldbühne,

und schon sind die schwarzen wieder pleite!
wo sind die schmiergeldmillionen die der schüssel einkassiert hat?
EADS, THOMSON RADAR MILLIONEN sind schon ausgegeben!oder in schwarze abzockerkanäle versickert!

F. Croma
02
2.10.2010, 20:15
Eine Gesinnungsgemeinschaft unter sich :-)

Telefax
15
2.10.2010, 12:48
ÖVP ist knapp bei Kasse weil

Ihnen die Wähler davon laufen!

Ich wäre so gern der Typ neben Dolly Buster
012
2.10.2010, 10:40
Die RAIKA gibt in diesem Falle sicher ausnahmsweise einen günstigen Kredit

Captain Smoker
40
2.10.2010, 22:29

Ja, aber jahrzehntelange Selbstbedienung wie bei BAWAG-SPÖ wird es hier doch nicht spielen. ;)

Simon.R
 
05
3.10.2010, 15:27
we weiß?

wissen sie denn so genau, ob die raika einen leichenfreien keller hat?

Captain Smoker
30
3.10.2010, 19:50

Das wohl sicher nicht. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass sie das Geld nicht so an Parteigünstlinge herschenken wie es bei der BAWAG sehr lange üblich war. Dazu sind sie doch zu unabhängig von Parteien.

Walter Kaiser
00
20.10.2010, 10:58
dass sie das Geld nicht so an Parteigünstlinge herschenken wie es bei der BAWAG

Immerhin ist Elsner dafür verurteilt worden.

Wann sitzt jemand von der Raika?

Captain Smoker
00
20.10.2010, 11:21

Das ist ja erst recht der Skandal. Die Politiker die über Jahrzehnte die Löcher der Partei damit gestopft haben und Wahlkämpfe mit dem Geld geführt haben, sind alle frei und der Elsner sitzt.

Walter Kaiser
00
21.10.2010, 07:53
Schauns, Behauptungen müssen bewiesen werden.

Wer hat jemals der SPÖ oder Günstlingen Geld gegeben? Na? Oder ist das nur Gerede?

Elsner hat Gerharter Geld zugesteckt. Das ist bewiesen und dafür wurde er bestraft.

Captain Smoker
00
21.10.2010, 13:31

Verfolgen Sie keine Berichterstattung? Oder lesen Sie nur Artikel die Ihnen genehme Informationen enthalten? Das ist doch längst Allgemeinwissen...

http://derstandard.at/1220457958606
"Fasst man die Vermögensübernahmen, Nachlässe und Zuschüsse durch die Bawag im Interesse der Aktionäre seit 1972 bis jetzt zusammen, so hat die Bawag 1,312 Milliarden Schilling an Kapitalmaßnahmen eingesetzt. Diese Summer verteilt sich mit 310 Millionen auf die SPÖ, 232 Millionen an den Konsum Österreich und 770 Millionen auf den ÖGB."

Die SPÖ würde es wohl ohne dem BAWAG-Geld gar nicht mehr geben wenn man bedenkt, dass sie selbst mit dem BAWAG-Geld ständig hohe Schulden hatten.

Walter Kaiser
00
22.10.2010, 21:07
Nett, der Artikel ist 2 Jahre alt

Und seither sind die Schwarzen Krakow und B-O an besonders geeigneter Position, diesen angeblichen Skandal aufzudecken - aber man hat genau NICHTS mehr davon gehört.

Also gehe ich davon aus, dass NICHTS an den Vorwürfen dran ist.

Aber erklärens mal, wo die ÖVP ihr Geld her hat. Ich z.B. hab in einem schwarzen Betrieb eine Geldübergabe in einem Koffer eines sehr bekannten ÖVP-freundlichen Industriellen selber erlebt.

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