Werkzeug gegen die Phrasen-Drescher

Maria Sterkl
30. September 2010, 18:39
  • Kleinformatig, aber informativ: Argumente-Fibel gegen Stammtisch-Sprüche
    vergrößern 600x433
    bild: wienxtra

    Kleinformatig, aber informativ: Argumente-Fibel gegen Stammtisch-Sprüche

Was tun gegen Stammtisch-Parolen? Ein Gratis-Handbuch gibt wertvolle Tipps

"I bin haß, weil in jede freie Wohnung Kopftiachln eine kumman!", beschwerte sich Würstelstandler Karl (53) im derStandard.at/SpeakersCorner vor einiger Zeit, und ein Großteil der 354 Postings unter der Videoleiste fand es der Mühe wert, darüber zu diskutieren.

Nur: Wie diskutiert man über Meinungsäußerungen, die sich auf eine Behauptung stützen? Um Behauptungen zu widerlegen, fehlt es meist am nötigen Detailwissen. Einfach nur "Stimmt nicht" zu sagen, kratzt an der eigenen Glaubwürdigkeit. Zumal gerade in Stammtisch-Diskussionen meistens irgendjemand "jemanden kennt", dem schon eine Gemeindewohnung vor der Nase weggeschnappt wurde - und irgendwer kennt dann immer irgendwen, wo eine türkischstämmige Familie zum Zug kam.

Der Ärger danach

Es sei den sogenannten "Stammtischparolen" eigen, dass sie sich auf Behauptungen stützen und mit Einzelfällen hantieren, und damit die Umgebung, sofern sie nicht gleichgesinnt ist, ratlos zurücklassen. "Meistens dreschen zwei Leute in einer Gruppe Sprüche, vier hören zu, und einige lachen", beschreibt Marion Wisinger von der Liga für Menschenrechte eine typische Situation - wobei jene, die "zuhören", sich danach meistens ärgerten, nichts gesagt zu haben.

In eben solchen Situationen soll ein neues Handbuch helfen: "Da mach' ich nicht mit! - Argumente gegen rechte Sprüche" heißt die kleinformatige Broschüre, die für zwölf "Klassiker" unter den Stammtischparolen die passenden Antworten parat haben will.

"Viele Ausländer sind kriminell"

Beim Spruch "Viele Ausländer sind Kriminelle" heißt es hier: "Das ist eine Schuldzuweisung, die im Grunde die hier lebenden AusländerInnen zu Sündenböcken macht. Die Statistik sagt etwas anderes: Es stimmt zwar, dass viele TäterInnen aus dem Ausland einreisen, sie leben aber nicht in Österreich." Als Alternative wird eine Gegenfrage vorgeschlagen: "Ist dein türkischer Nachbar kriminell?" Zusätzlich bietet ein Info-Kasten Hintergrundwissen zu dem Thema.

Ähnliches gibt es für Slogans wie "Die Ausländer wollen sich nicht anpassen" oder "Der Islam möchte in Österreich an die Macht kommen". 

Nicht nur für Jugendliche

Zielgruppe der Broschüre sind Jugendliche, und dementsprechend anschaulich ist die Sprache des Folders gehalten. Das liegt aber wohl eher daran, dass als Herausgeberin die Wiener Jugendinfo fungiert - die Argumentationshilfen seien wohl für Erwachsene ebenso relevant, meint Wisinger, Autorin des Handbuchs.

Sie hoffe, auch jene Jugendlichen anzusprechen, die "solche Sprüche sagen oder nachsagen", erklärt Wisinger: "Vielleicht denken sie dann noch einmal drüber nach." Aber auch Betroffene oder ZeugInnen von Diskriminierung könnten sich hier Material für Konfrontationen besorgen.

"Stopp" sagen

Die große Stärke der Broschüre liegt wohl darin, dass sie in sehr kurzer Zeit brauchbare Werkzeuge vermittelt, um sich in Polemiken des Alltags weniger verloren zu fühlen. Dabei geht es nicht nur um passende Argumente, sondern auch darum, wie man hitzige Debatten abkühlt: Gegenfragen zu stellen, ruhig zu bleiben, manchmal einfach "Stopp" zu sagen oder vom Thema abzulenken - das alles könnten Strategien sein, um "Sprücheklopfern den Wind aus den Segeln zu nehmen", sagt Wisinger.

Das Handbuch Broschüre "Da mach' ich nicht mit!" ist in einer Auflage von 15.000 Stück beim Verein WienXtra erschienen und kann ebendort kostenlos angefordert werden. (mas, derStandard.at, 30.9.2010)

Share if you care
Posting 1 bis 25 von 264
1 2 3 4 5 6

Wieso ist das eine Kopftuchfrau?

Wahr oder nicht

Welche Stammtischparolen stimmen denn nicht? Etwa dass Migranten mehr Sozialhilfe beziehen, mehr Straftaten begehen, weniger Steuern zahlen, mehr Sozialgeld erhalten als Einheimische, kein Wehrpflichtersatz zahlen müssen etc.? Noch Fragen...

In Deutschland empfehle ich das lesen der Statistiken des BKA. Danach wirft man die Belehrungsmappe in die Tonne.

Gegen das Phrasendreschen Phrasen dreschen?

Naja, ist eh die übliche Vorgehensweise der Politik. Das Problem ist nur: Du kommst gegen die Profis damit nicht an.

Das einzige, was hilft, ist Ruhe, Wahrheit und Unvoreingenommenheit. Nicht immer reflexartig widersprechen. Oft steckt ein wahrer Kern in den Phrasen. Besser diesen extrahieren und die emotionalen Schlussfolgerungen herausfiltern. Dann überzeugen, dass auch dieser wahre Kern nicht dazu berechtigt, extreme Konsequenzen zu ziehen.

Sie haben es nicht verstanden:

Es geht nicht darum gescheit zurückzuargumentieren, sondern um diesen verbalen Angriffen den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Nicht Widersprechen wäre fatal.

Ihr Vorschlag:Ruhe, Wahrheit, Unvoreingenommenheit wirkt bei solchen Leuten nicht und wird nur als Schwäche ausgelegt.

Sie müssen schon das richtige Konzept für die jeweiligen Leute finden!
Sie können nicht jedem gegenüber gleich reagieren bzw. argumentieren!

"Sie können nicht jedem gegenüber gleich reagieren bzw. argumentieren!"

Das stimmt, das geht nicht. Aber wenn ich es schon tue, dann sollte die Reaktion auf keinen Fall aggressiv sein. Es ist besser, tausend "Bösartige" ungerechtfertigt freundlich zu behandeln, als auch nur einem missverstandenen "Gutartigen" mit Aggression zu begegnen.

"wird nur als Schwäche ausgelegt"

Das ist ein allgemeines Problem unserer Gesellschaft und schwer zu verhindern. Aggression wird dagegen oft als Stärke ausgelegt, lädt aber auch zum Kräftemessen ein und nicht zur Mäßigung.

Meschen die das brauchen, brauchen wahrscheinlich auch andere Ratgeber, zum bsp, wie ziehe ich mich alleine an oder wie bewältige ich mein Leben...

Phrasen gegen Phrasen ?

Da kommt nichts G'scheits heraus. Nur Polemik.

Ja vorurteile gibt es. aber wie so ist es bis jetzt nicht gelungen mit den vorurteilen aufzuräumen. die gesellschaft ist meines erachtens nach schon lernfähig und wandelbar.

schlußfolgerung 1: die leute die vorurteile haben und diese nicht ablegen sind deppert.
schlußfolgerung 2: an den vorurteilen ist etwas dran. (damals wir heute)
schlußfolgerung 3:.....?

Also wenn ich mir hier die Posts durchlese, scheint das Büchlein nicht einmal im Standardforum auf große Akzeptanz zu stoßen. Wie wird es dann erst auf den Stammtischen wirken? Sicher ein großer Wurf.

Es gibt keine guten und schlechten Vorurteile, in die hier wohl unterschieden werden soll.

Genausogut könnte man eine Broschüre mit linken Vorurteilen zusammenstellen, die mindestens genauso hanebüchen sind.
Die Wahrheit liegt halt immer in der Mitte.

wenn die wahrheit immer in der mitte liegt machen wir ein kleines experiment:

hier in spanien hat österreich in den letzten jahren von den vorverurteilenden folgendes image bekommen:

österreicher sind nazis die mit ihren töchtern, die sie jahrzehntelang im keller einsperren kinder zeugen und wenn sie keine töchter haben holen sie sich halt andere kinder dafür.

ich bin der meinung das solche taten nur einzelfälle sind und die mehrheit nicht so ist.

wenn die wahrheit in der mitte liegt sind dann halt die hälfte der österreicher kinderschändende nazis oder sind alle österreicher nur ein bisschen kinderschändend und nur halbnazis...?

Du hast eh Recht, ABER:

Die Wahrheit liegt NICHT IMMER in der Mitte.

Sorry, aber das musste einmal raus.

Das rethorisch einwandfreie Aushebeln aller Sachargumente kann man am besten hier in den Foren lernen. Egal welcher Seite man sich zugehörig fühlt.

wohl nur bedingt, da wirklich gute argumente meist vom zensi nicht durchgelassen werden... meistens meine

:-D

Als Alternative wird eine Gegenfrage vorgeschlagen: "Ist dein türkischer Nachbar kriminell?"
Was sagt man, wenn die Antwort "Ja" lautet? Und wenn es vielleicht auch noch stimmt?

weiß nicht, frag deine mama

Dann gehts Dir vielleicht bald nicht so gut .. oder Du erhältst die Tapferkeitsmedaille der Kripo für offene Zusammenarbeit

übrigens ad "stammtisch"

wo gibts denn die heute noch? nirgends. die alten wirtshäuser mit ihren schönen holzgetäfelten schanken sind ja fast alle weg. ein paar wenige haben sich gehalten, ein paar andere fristen ihr dasein als boboisierte zombies.

Regelmäßige Treffen mit Bekannten und Freunden

ergeben den Neo- Stammtisch.

Auch regel. Posten in den gleichen/selben Onlineforen
ist ein erweiterter Stammtisch.

Der klassische Vollholz- Stammtisch, mit dazu
gehörigen Taferl, ist nach wie vor in genügender
Anzahl ausserhalb urbanen Lebens zu finden ;-).

auch hier bewahrheitet sich wieder mal:

früher war alles besser.

Ein paar Vids gegen Vorurteile

Antisemitismus von Moslems in Malmö:
http://www.welt.de/politik/a... Juden.html

Das alte Europa wird zum Morgenland:
http://www.welt.de/kultur/li... nland.html

Massenbetungen in Paris:
http://www.youtube.com/watch?v=KAh480e6bH8

ZITAT: „Die wollen sich überhaupt nicht anpassen.“

Gegenfrage:
„Würdest du, wenn du in Indien leben würdest, einen Turban tragen?“ Zitat Ende.

So, jetzt wissen wir es:
Die Inder! Die lachen immer. Außerdem tragen sie alle einen Turban.

So bekämpft man alte Vorurteile. Mit neuen Vorurteilen.

Nichts für ungut, aber um Vorurteile zu bekämpfen, braucht man Fakten. Die gibt es in der Broschüre allerdings nicht.
Nur neue Vorurteile und Unterstellungen, wie z. B., daß
(ZITAT) "frauenrechtlich engagierte, aber auch
den Islam kritisierende und besonders
fremdenfeindliche Menschen ähnlich argumentieren."
oder Plattitüden wie:
(ZITAT) "Ohne Zuwanderung würden die Wirtschaft
und das Pensionssystem zusammenbrechen."

Also wenn ich in Nordwestindien lebe und die mich dort dermaßen akzeptieren und schätzen, dass sie mir das Tragen eines Turbans anbieten, dann sofort.

Yeah i'm T-Urban

mein Chilli is hot mein Curry ist flott

yeah

I love India-Food

gibt es in Wien irgendwo indisches Fast-Food?

Posting 1 bis 25 von 264
1 2 3 4 5 6

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.